Missbrauch im Erzbistum Paderborn: Franziskanerin äußert sich
01:35 Min.. Verfügbar bis 13.03.2028.
Missbrauch im Erzbistum Paderborn: Franziskanerin äußert sich
Stand:
Schwester Katharina Hartleib ist Ordensschwester der Franziskanerinnen in Olpe. Sie sendet seit 8 Jahren im Domradio, dem Radiosender des Erzbistums Köln, den "Morgenimpuls": Jeden Morgen um kurz nach 6 Uhr sendet sie einen anderen Gedanken über ihren Glauben und ihren Alltag raus in die Welt.
Im WDR-Interview äußert sich Schwester Katharina zu den Ergebnissen der Studie, die die Uni Paderborn heute veröffentlicht hat. Dabei geht es um sexuelle Gewalt bei ihrem Arbeitgeber, dem Erzbistum Paderborn: 500 Opfer, 200 Täter - einer davon soll der verstorbene Erzbischof Degenhardt selbst gewesen sein.
WDR: Was war Ihre Reaktion auf die Vorwürfe gegen Kardinal Degenhardt?
Schwester Katharina: Ich hatte ja erwartet, dass was kommt. Es war ja angekündigt worden. Und dann denke ich immer, gut, dass es endlich rauskommt. Dass es aufhört mit dem Vertuschen, mit dem drumherum reden oder gar nicht reden, verschweigen. Es ist gut, dass es rauskommt. So schlimm, wie es ist.
WDR: Warum wird dieses Thema "sexueller Missbrauch" in der Kirche vielleicht strenger beachtet, als in anderen Bereichen der Gesellschaft?
Schwester Katharina: Das ist, glaube ich, ganz normal, dass man auf die Kirche da strenger guckt. Sie hat einen hohen Anspruch an sich selbst und an ihre Mitglieder. Und wenn dann sowas rauskommt, dann wird nochmal deutlich, es sind Menschen. Und dass man da nochmal deutlicher drauf guckt, ist auch gut so.
WDR: Welche Verantwortung trägt die Kirche im Umgang mit den Betroffenen?
Schwester Katharina: Die Verantwortung ist ganz groß. Das ist denen Jahrzehnte oder - wir könnten auch sagen Jahrhunderte - nicht geglaubt worden. Den Betroffenen ist nicht geglaubt worden. Man hat es totgeschwiegen. Man hat sogar noch gesagt, ihr wart bestimmt selber schuld und so. Und jetzt wird es wichtig, A, zu glauben, was ja endlich passiert. B, wirklich Entschädigungen zu zahlen und wirklich anzuerkennen, um was es da ging.
Und was mir in dieser ganzen Debatte noch ein bisschen fehlt oder sogar sehr fehlt, ist zu merken oder zu beachten, dass es ja ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Wir können jetzt sagen, wieder die Kirche. Das stimmt auch und das ist auch schlimm.
Was wir aber beachten müssen, es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und weit über 90 Prozent aller Missbrauchsgeschichten geschehen in Familie und Verwandtschaft und Freundeskreisen und Sportvereine, was auch immer.
Und da müssen wir weiterhin auch hingucken. Und da ist auch die Verantwortung eines jeden, auch da nicht wegzugucken und auch da zu reagieren und auch da zu glauben und auch da sich zu engagieren. Wenn das passiert, dass man sagt, das darf es aber nicht, wir müssen hinschauen.
WDR: Spüren Sie, dass das Vertrauen der Gläubigen schwindet durch solche Fälle?
Schwester Katharina: Ich bin mir sehr sicher, dass das Vertrauen der Gläubigen schwindet, wenn man hört, dass selbst in aller höchsten Kreisen eines Bistums solche Dinge passiert sind. Die andere Seite ist ja: das Eine ist das Menschliche, das Andere ist ja, dass wir Menschen sind, die auf Jesus Christus hingetauft sind. Und wir sind ja eine Kirche aus Menschen, aber eben nicht nur.
Viele Leute treten aus der Kirche aus, weil sie das Menschliche nicht mehr ertragen. Aber Kirche ist mehr. Das ist halt die Hoffnung, dass mit Tod und Auferstehung von Christus diese Hoffnung trotzdem da bleibt, trotz aller Schuld und Sünde, die trotzdem bearbeitet und beachtet werden muss.
WDR: Was hält Sie persönlich am Glauben?
Schwester Katharina: Mich persönlich hält das Wissen am Glauben, dass Jesus Christus für uns und für all unsere Schuld und für alles, was jemals Menschen verbockt haben, ans Kreuz gegangen ist und gesagt hat, ich erlöse euch von all dem und ich gebe euch ein neues Leben wieder. Und das finde ich traumhaft und das feiern wir Ostern.
Unsere Quelle:
- Interview mit Schwester Katharina, Franziskanerin aus Olpe
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 12.03.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 12.03.2026, 15:31 Uhr