Mehrere Personen stehen auf der Bühne des Lokalzeit Stadtgesprächs.

Social Media Verbot für Jugendliche - ja oder nein?

Stand:

Zu viel Social Media macht krank. Aber ist ein Verbot der richtige Weg, um Jugendliche und Kinder zu schützen? Smartscouts vom Gymnasium Leopoldinum in Detmold haben Lösungen erarbeitet, wie es anders gehen könnte. Auf dem Marktplatz in Detmold haben wir heute mit Euch diskutiert. Social Media Verbot - ja oder nein?

Von Stefan Leiwen, Christina Strunk

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Es ist ein Thema, das bewegt. Jugendliche, Eltern, Großeltern, Lehrerinnen und Lehrer: Wie kann ein gesunder Umgang mit sozialen Netzwerken aussehen? Diese Frage stellten sich viele am Samstag beim Lokalzeit Stadtgespräch. Und man war sich einig, dass nicht alle Inhalte schlecht sind. Aber die Nutzung muss besser geregelt werden.

Soziale Ausgrenzung durch Social Media Verbot?

Viele Zuschauer bei dem Lokalzeit Stadtgespräch in Detmold.

Karoline Raatz ist Mutter von Kindern im Alter von 11 und 13 Jahren. Ihre Kinder dürfen noch kein Social Media nutzen. "Ich habe gemerkt, wie groß das Suchtpotenzial ist. Wenn man ihnen das Handy wegnimmt, fällt es ihnen sehr schwer." Wer kein Smartphone habe, gehöre nicht dazu und könne nicht mitreden, das sei ein ebenfalls ein großes Problem.

Dirk Brinkschmidt ist Lehrer. Er berichtet, dass es immer schwieriger sei, die Aufmerksamkeit der Kinder im Unterricht zu bekommen. Sie seien sehr an schnelle Reize gewöhnt.

Stadtgespräch aus Detmold: Aufwachsen ohne Social Media

Lokalzeit Stadtgespräch 28.03.2026 55:07 Min. Verfügbar bis 27.03.2028 WDR 5

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Stundenlang am Handy - egal ob Kind oder Erwachsener

"Wenn der erste Griff morgens zum Handy geht, ergibt sich danach vieles anderes, was wir online machen", sagt Robert de Lubomirz-Treter von der Landesanstalt für Medien NRW. Bei ihm und vielen Erwachsenen sei das nicht anders. "Diese Plattformen kennen uns verdammt gut und sorgen dafür, dass wir dran bleiben."

Es gebe auch viele gute Inhalte, aber es müsse dafür gesorgt werden, dass Jugendliche sie in einem sicheren Rahmen nutzen. Ein Verbot mache nur Sinn, wenn Präventionsmaßnahmen damit einhergingen, um Jugendliche auf die Welt mit Social Media vorzubereiten.

Smartscouts sind für klare Regeln und Aufklärung

Anna und Lukas gehen aufs Gymnasium Leopoldinum in Detmold. Als Smartscouts klären sie ihre Mitschüler und Mitschülerinnen auf, wie gefährlich Social Media sein kann. Wenn uns ein Video gefällt, setzt der Körper Dopamin und Endorphin frei, erklärt Lukas: "Das ist wie bei anderen Drogen." So wird man abhängig gemacht und es wird weitergeklickt.

Eine junge Frau spricht auf der Bühne des Lokalzeit Stadtgesprächs.

Anna bringt anderen Schülern Rechte und Pflichten im Internet bei.

Smartscout Anna schlägt einen Führerschein samt Ausbildung für die Internet-Nutzung vor. Die Jüngeren sollten erstmal recherchieren lernen und später, nach einer weiteren Ausbildung, könnten sie Messenger-Dienste nutzen. Eine Altersabstufung also, so dass man immer mehr nutzen kann.

"Ein Verbot würde nur zur Umgehung vom Verbot führen." Anna, Smartscout

Die Smartscouts im Detmolder Leopoldinum gibt es schon seit 17 Jahren. Nach einer Ausbildung gehen sie in die Klassen und halten Vorträge, organisieren Workshops und veranstalten Elternabende. Dadurch wollen sie über die Social Media Gefahren aufklären.

WDR Stadtgespräch in Detmold: Social Media Verbot für Jugendliche?

03:20 Min. Verfügbar bis 25.03.2028

Wer hat die Verantwortung?

Kevin Gniosdorz ist Vorsitzender der Jungen Union in NRW. Er ist für ein Social Media-Verbot für unter 14-Jährige. Außerdem müssten die Plattformen enger in die Pflicht genommen werden und sich an Gesetze halten. Trotzdem: "Es gibt keine staatlichen Maßnahmen, die eine Gesellschaft ersetzen, in der Menschen aufeinander Acht geben." Es sei wichtig, dass Medienkompetenz in Schulen vermittelt wird und sich alle bewusst machen, was es bedeutet, wenn Hass im Internet verbreitet wird.

Social Media kann süchtig machen

Expertinnen und Experten schlagen seit langem Alarm: Ungefilterte Inhalte, abhängig machende Algorithmen und gewinnorientierte Tech-Unternehmen lassen Kinder und Jugendliche oft schutzlos durch digitale Räume navigieren.

Fast jedes vierte Kind zeige schon eine problematische Mediennutzung, sagt Professorin Stefanie Horndasch von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Bethel.

Nach zeitlichem Kontrollverlust kommt Rückzug aus der Familie und von Freunden. Es gehe laut Horndasch bis hin zu Entzugserscheinungen wie Nervosität oder Aggression. Dagegen könnte man die Apps löschen, sich bewusst mit Freunden treffen und Sport treiben. Oder man holt sich ärztliche Beratung.

Aufklärung auch für Eltern wichtig

Ein Mann spricht in ein Mikrofon.

Christopher Rieks arbeitet ehrenamtlich mit Jugendlichen in Detmold.

Es gehe aber auch um gute Vorbilder, findet Christopher Rieks aus Detmold. Er ist auf den Marktplatz gekommen, weil er sich seiner eigenen Verantwortung bewusst ist: "Das Problem liegt nicht bei den Jugendlichen, sondern bei den Eltern, die die Mediennutzung vorleben." Man merke immer wieder, dass sie offen seien für Aktivitäten ohne Handy. Aber man müsse sie anbieten.

Den Smartscouts Anna und Lukas ist wichtig, dass es bei der ganzen Sache nicht nur um die Kinder geht. Deswegen bieten sie jetzt auch Workshops für Eltern an und zeigen, wie Soziale Medien funktionieren und welche Rechte und Pflichten es gibt.

Egal ob Social Media Verbot oder nicht - Kinder und Jugendliche müssen Zuhause und in den Schulen lernen, wie man sich im Netz schützt. Nur so können sie sicher sein und dann auch gute Inhalte konsumieren. Denn ganz ohne geht es eben auch nicht, da waren sich alle einig.

Unsere Quellen:

  • Gespräche der WDR-Reporter vor Ort
  • Lokalzeit Stadtgespräch
  • Interview mit Fachärztin, Suchtklinik Bielefeld-Bethel

Sendung: WDR 5, Stadtgespräch, 28.03.2026, 14.13 Uhr

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 25.03.2026, 19:30 Uhr

Kommentare zum Thema

43 Kommentare

  • 43 Georgie 30.03.2026, 14:06 Uhr

    Einfach Mal den Stecker an der richtigen Stelle rausziehen. Temporär aber regelmäßig.....ala Earth-Hour, Sonntagsfahrverbot...etc. Auch wenn es sich abwegig liest. Das ist nur eine Meinung!

    Antworten (1)
    • Friedhelm 30.03.2026, 15:29 Uhr

      Das sehe ich genauso. Eine andere Kontrolle wird es nicht geben, Stecker raus ist jedoch nicht im Interesse der Betreiber der Plattformen. Es geht in Richtung Sanktionen, die nicht akzeptiert werden. Vielleicht sind diese an bestimmter Stelle angebracht, zumindest ist es eine Überlegung wert.

  • 42 Wally 30.03.2026, 11:04 Uhr

    Eins steht doch mal fest so lange die eltern nichts unternehmen geht es sowie so nicht aber die wollen alle ihre ruhe haben weil die kids sofort ausrasten

    Antworten (1)
    • @Wally 30.03.2026, 13:51 Uhr

      ALLE anderen haben/machen XYZ, das übt einen enormen Druck auf Eltern aus. Erst jetzt kommen aus der Gesellschaft Zweifel, vorher war die vorherrschende Einstellung, musst Du dem Kind geben, sonst lernt es nie moderne Technik, sonst ist es abgehängt. Auch die Umgebung fordert heftigst Kinder die man sieht, aber nicht bemerkt, das lässt sich nur mit Handy-Geben erreichen. Und dann Kommentare über Eltern von Menschen wie Ihnen von der Seitenlinie, die echt keiner braucht und die niemandem weiterhelfen.

  • 41 Eva Seidel 30.03.2026, 10:34 Uhr

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  • 40 Brigitte 30.03.2026, 09:47 Uhr

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  • 39 30.03.2026, 09:02 Uhr

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  • 38 29.03.2026, 23:39 Uhr

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  • 37 Franziska 1 29.03.2026, 23:19 Uhr

    Ist es so wichtig bei Plattformen/Social Media Kontakte zu knüpfen, Urlaub-Bilder von sich vom Strand in die Welt schicken, in unbekannte Menschen sich verlieben, nur weil er/sie auf den Foto so sexy ist? Endlos könnte man Fragen stellen. Warum sucht man sich nicht Kontakt im Umfeld oder woanders persönlich? Weil heutzutage es über Digital vielfältiger geht? Die lange gewohnte Sucht Video und Bilder von sich schicken, landen auch da wo Kriminelle ihr Spiel damit machen. Kinder müssen davon geschützt werden, aber wie? Ist das für die Politik so schwer? Erwachsene die mehr einen hellen Kopf haben müssten und doch auf vieles rein fallen bei Social Media, die sind gegen ein Verbot für Minderjährige? Freie schädliche Meinungen, gefälschte Bilder und vieles mehr, macht ihnen nichts aus? Hauptsache man ist dabei? Den Werdegang von Anfang an beim Internet kenne ich und habe immer gesagt: Das Internet macht sich zum Fluch für Familie und Kinder. Den Segen bekam die Wirtschaft, die freut sich!

  • 36 Wann fällt die GEZ ? 29.03.2026, 22:15 Uhr

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  • 35 29.03.2026, 22:02 Uhr

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  • 34 29.03.2026, 19:41 Uhr

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  • 33 Rolf Gemser 29.03.2026, 17:26 Uhr

    Nach Tagesschau sieht nur der niedersächsische Landesjugendring den Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention. „Freie Meinungsäußerung und den Zugang zu Medien“ steht auch bei uns im Grundgesetz. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages sieht ein „Anwendungsvorrang“ vom EU-Recht das ich gar nicht sehe. Und dann wird ein Erziehungsrecht der Eltern vorgebracht ohne Kinderrechte zu erwähnen. Die Linke hat mit die jüngsten Wähler, sieht auch „Grundrechte junger Menschen“ in Gefahr. Die CDU hat die ältesten Wähler und die SPD bald gar keine mehr also wird der Druck von der Seite aussterben.

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