AfD-Frau zur stellvertretenden Bürgermeisterin in Bad Salzuflen gewählt
Lokalzeit OWL. 06.11.2025. 02:34 Min.. Verfügbar bis 06.11.2027. WDR. Von Simon Kaufmann.
Es war eine große Überraschung in der konstituierenden Sitzung des neues Rates: als dritte stellvertretende Bürgermeisterin wurde Sabine Reinknecht von der AfD gewählt. Sie erhielt 16 Stimmen - obwohl die AfD nur 13 Sitze im Rat hat. Die Partei ist in Bad Salzuflen die drittstärkste Fraktion.
Abgestimmte Liste bekam nicht genug Stimmen
Als Stellvertreter von CDU-Bürgermeister Dirk Tolkemitt waren eigentlich drei Kandidaten von CDU, SPD und Grünen vorgesehen. Diese Liste erhielt aber nicht ausreichend Stimmen. Die Kandidatin der Grünen fiel raus, stattdessen darf jetzt eine AfD-Frau Bad Salzuflen bei repräsentativen Terminen nach außen vertreten.
"Ich war sehr überrascht, aber ich habe mich darüber gefreut", sagte Reinknecht dem WDR. "Wir als Fraktion hatten nicht damit gerechnet, aber wir sehen es als Ergebnis unserer Arbeit in der Stadt." Parteichefin Alice Weidel habe ihr bereits telefonisch gratuliert.
Bürgermeister ist entsetzt über die Wahl
Bad Salzuflens Bürgermeister Dirk Tolkemitt zeigte sich im WDR-Interview entsetzt über das Ergebnis und übte klare Kritik: "Sieben Kolleginnen und Kollegen haben mit Nein gestimmt [gegen die Kandidatenliste, Anm. d. Red.] und es gab eine Enthaltung. Durch ihr Zutun haben sie aktiv dazu beigetragen, auch wenn sie die AfD nicht gewählt haben."
Im Kurhaus in Bad Salzuflen kommt der Rat zu seinen Sitzungen zusammen.
Das Ergebnis zeige auch, "dass man sich anscheinend auf Absprachen im Stadtrat im Vorfeld nicht verlassen kann", sagte Tolkemitt. "Das heißt, die Zusammenarbeit in Zukunft wird deutlich schwieriger werden."
Der Bürgermeister forderte die beiden großen Fraktionen aus CDU und SPD zur Geschlossenheit auf. Man müsse "diese schlimme Sache wirklich nutzen, um uns zusammenzuschließen und der Bevölkerung in Bad Salzuflen zu zeigen, dass wir zusammen in der Lage sind, zu gestalten - ohne Kräfte drumherum."
Auch SPD-Fraktion kritisiert das Ergebnis
Auch die SPD-Fraktion ist enttäuscht über das Ergebnis. Man habe sich vorher mit allen demokratischen Fraktionen auf die Liste geeinigt, um "um ein klares Zeichen für Zusammenhalt und gegen jede Form politischer Spaltung zu setzen". Dass nun doch einzelne Stimmen an die AfD-Kandidatin gegangen seien, zerstöre das Vertrauen in die demokratische Verlässlichkeit.
"Wer der AfD zu Ämtern verhilft, stärkt nicht die Demokratie, sondern schwächt sie", sagte Frank Sommerfeld, Fraktionsvorsitzender der SPD in Bad Salzuflen.
Unsere Quellen:
- Stadt Bad Salzuflen
- Gespräch mit Bürgermeister Dirk Tolkemitt von der CDU
- Gespräch mit Sabine Reinknecht von der AfD
- SPD-Fraktion Bad Salzuflen