Brakel bangt um die Modellbundesbahn
WDR. 02:32 Min.. Verfügbar bis 11.03.2037.
Ein Mann fällt mit der Motorsäge einen Baum, das Geräusch der Kettensäge ist original. Der Bahnhof in Höxter-Ottbergen ist in mühevoller, fast akribischer Kleinarbeit nachgebaut worden. Züge fahren durch die Landschaft - so wie vor rund 50 Jahren. Der Besuch der Halle in Brakel, rund 35 Kilometer östlich von Paderborn, gleicht einer Zeitreise.
An diesem vorletzten Sonntag ist es voll bei der Modellbundesbahn. Zwei Männer stehen vor dem Modell von Ottbergen. "Guck mal, da hast du doch mal gewohnt", sagt einer. Die Besucher kommen aus der Nachbarschaft, aber auch aus dem Hochsauerland, Ruhrgebiet oder dem Bergischen.
Ortschaften originalgetreu nachgebaut
Ganze Ortschaften haben die Modellbauer erschaffen - mithilfe alter Fotos, Zeichnungen und zeitgenössischer Berichte. In einem Haus durfte zum Beispiel Willy nicht fehlen, der immer mit seiner Zigarre im Fenster saß. Pro Haus lassen sich hundert Stunden Arbeit rechnen, oft noch mehr. Ob die Besucher Willy irgendwann zu sehen bekommen, hängt davon ab, ob die Modellbundesbahn in drei Jahren wieder öffnet.
Großes Interesse an der Modellbundesbahn seit die Schließung bekannt ist.
Die Anlage wird Ende Mai geschlossen, sagt Betreiber Karl Fischer. Offen bleibt die Frage, ob es ein schlechtes Ende wird oder ein Neuanfang. Seitdem diese Frage im Raum steht, ist das öffentliche Interesse groß.
Zukunftskonzept: Wachsen oder schließen?
Das Viadukt bei Altenbeken wurde detailgetreu nachgebaut.
Eigentlich plant die Modellbundesbahn, die Anlage zu erweitern. Vor mehr als sieben Jahren haben die damals sieben Mitarbeiter das Viadukt zwischen Alten- und Neuenbeken fertiggestellt. Es war das erste Bauwerk für den historischen Nachbau der Gemeinde.
Doch der Bau stockt und ist neben dem alltäglichen Betrieb nicht umzusetzen. Zwei Mitarbeiter sind verstorben, zwei haben angekündigt, in absehbarer Zeit aus dem Projekt auszuscheiden. Damit war klar: Neben den regulären Öffnungszeiten ist eine Erweiterung nicht machbar. Außerdem treffen die Modellbauer höhere Kosten, zum Beispiel für Energie oder Grundsteuer.
Schließung dauerhaft oder für drei Jahre?
Deshalb hatten sich die Betreiber Ende vergangenen Jahres entschlossen, die Modellbundesbahn aufzugeben. Symbolisch wählten sie den 29. Mai. Denn an diesem Datum vor genau 50 Jahren wurde der Dampfbetrieb in Höxter-Ottbergen eingestellt.
Die Köpfe der Modellbundesbahn: Karl Fischer und Norbert Sickmann
In der Folge wuchs das mediale Interesse und rückte die Modellbundesbahn in die Öffentlichkeit. Die Besucherzahlen schnellten in die Höhe. Außerdem wurde die Idee geboren, die Erweiterung über andere Gelder zu finanzieren.
Großer Zuspruch für Modellbundesbahn
Der Zuspruch für die Anlage ist groß: Eine Crowdfunding-Kampagne brachte rund 40.000 Euro ein. Rund 170.000 Euro sollen über Sponsorengelder eingeholt werden. Die sind nötig, um die Erweiterungen bezahlen zu können.
"Insgesamt wollen wir das auf ein gutes Dutzend Schultern verteilen, die Hälfte haben wir jetzt." Karl Fischer, Modellbundesbahn
Die erhoffte Lösung gibt es bislang noch nicht. Gespräche laufen noch. So werden sich die Türen vermutlich am 29. Mai schließen. Völlig ungewiss, ob damit mehr als 20 Jahre rekonstruierte Eisenbahngeschichte entsorgt werden - oder, ob die Modellbundesbahn in drei Jahren eine neue Ära einläutet.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Karl Fischer, Modellbundesbahn
- Norbert Sickmann, Modellbundesbahn
- Gespräche mit Besuchern
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 18.05.2026, 19:30 Uhr