Eine junge Australierin mit bunten Armbändern hält ein Smartphone in den Händen.

Nach Würge-Vorfall an Gütersloher Gymnasium Medienpädagogin zu TikTok-Challenges

Stand:

An Schulen kommt es immer wieder zu Verletzungen, weil Jugendliche TikTok-Challenges nachmachen. Eine Expertin erzählt, was zu tun ist.

Erst in der vergangenen Woche hatte ein 14-Jähriger einen Mitschüler an einem Gütersloher Gymnasium gewürgt. Offenbar als Teil einer Mutprobe auf TikTok. Das sei einvernehmlich passiert, berichtet die Tageszeitung "Die Glocke". Beim sogenannten "Choking Game" versuchen sich Jugendliche bis zur Ohnmacht zu würgen. Alles für Klicks und Aufmerksamkeit.

Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh

Am Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh ist die Würge-Challenge aus dem Ruder gelaufen.

Die Schule ist zurückhaltend mit öffentlichen Aussagen, man wolle die Privatsphäre der Beteiligten schützen. Der Fall werde schulintern mit Schulpsychologen und -sozialarbeitern aufgearbeitet.

Schulleiter Martin Fugmann vom Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh appelliert aber auch an die Eltern, zu schauen, was ihre Kinder auf Social Media machen. Es brauche Erziehungspartnerschaften, aber er sieht die Situation auch realistisch: "Digitale Wucht trifft auf eine unvorbereitete Gesellschaft“.

Medienpädagogin ordnet ein

Selma Brand von der Gesellschaft für Medienpädagogik (GMK) klärt über solche Challenges auf: "Mutproben wie diese gab es schon immer, aber sie bekommen natürlich durch die sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit, und die Jugendlichen auch eine konkrete Anleitung." Die meisten Challenges seien harmlos, wenn etwa einen Tag lang etwas Grünes gegessen werde.

Challenges seien nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, sondern sollten vor allem Spaß machen, so Brand weiter.

Portrait von Selma Brand

Medianpädagogin Selma Brand

Eine Untersuchung der Landesanstalt für Medien NRW zeigte, dass nur etwa ein Drittel der Challenges potenziell schädlich sind und nur ein Prozent potenziell tödlich. Eltern sollten also nicht grundsätzlich dagegen sein, sondern genau schauen, was ihre Kinder im Netz machen.

Schwer verletzter Schüler in Petershagen

Im November musste ein Schüler aus Petershagen nach einem Sturz auf den Kopf schwer verletzt ins künstliche Koma versetzt werden. Auch wegen einer missglückten TikTok-Herausforderung.

Auch an der Petershagener Schule ist man zurückhaltend; man wolle nur ein schriftliches Statement abgeben. Bis Redaktionsschluss lag eine Antwort aber leider nicht vor.

Ehrliches Interesse und Aufklärung

Selma Brand ist der Meinung, das Thema dürfe keine Ohnmacht auslösen: "Angst macht Menschen immer handlungsunfähig und das ist an dieser Stelle sicher kein guter Berater." Sinnvoller sei es, ernstes Interesse zu zeigen und mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. "Auch wenn Eltern selbst auf den Plattformen sind, werden ihnen sicher andere Inhalte angezeigt."

Sie versucht Lehrkräften und Eltern den Druck zu nehmen: "Ich muss nicht alles als erstes kennen." Trotzdem sei es wichtig, Jugendliche zu begleiten, einen Blick auf die Folgen einer Challenge zu richten und gemeinsam zu reflektieren. Das Wichtige sei der Kontakt zu den Jugendlichen und das, ohne dabei zu verurteilen. Sie kritisiert aber auch die Prävention an Schulen: "Das was getan wird, reicht noch nicht."

Medienkompetenz und Peer-Learning

Viele Schulen setzen sogenannte Medien-Scouts ein. Das sind ältere Schülerinnen und Schüler, die den Jüngeren erklären, wie sie sich sicher im Netz bewegen. Manche Schulen reagieren mit strengen Handy-Regelungen.

Das Medienlabor der Stadt Bielefeld bietet Informationsveranstaltungen für Eltern und Lehrkräfte an. Denn auch wenn soziale Netzwerke Herausforderungen mit sich bringen, sie werden uns bestimmt noch lange erhalten bleibe, so Brands Auffassung. Und deshalb müssten alle lernen, mit ihnen umzugehen.

Digitale Wucht trifft auf eine unvorbereitete Gesellschaft

WDR 10.06.2026 02:08 Min. Verfügbar bis 09.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Polizei Gütersloh
  • Evangelisch Stiftisches Gymnasium Gütersloh
  • Interview mit Selma Brand
  • Landesanstalt für Medien NRW
  • Tageszeitung "Die Glocke"

Sendung: WDR.de, Digitale Wucht trifft auf eine unvorbereitete Gesellschaft, 11.06.2026, 5:09 Uhr

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