Rettungsroboter soll Menschen schneller retten
WDR. 03:22 Min.. Verfügbar bis 22.06.2028.
Samstagmittag am Tenderingssee in Voerde. Das Thermometer zeigt 30 Grad, der Himmel ist wolkenlos. Kinder planschen im Wasser, Familien breiten ihre Handtücher aus. Am Ufer sorgt ein abgesperrter Bereich für Aufmerksamkeit. Dort stehen Mitglieder der DLRG Dinslaken, Mitarbeiter des Strandbads und Olivier Wiesner, Rettungssanitäter und Mitentwickler des Wasserrettungsroboters "Dolphin 3"
Hilfe, wenn jede Sekunde zählt
Der Rettungsroboter fährt bis zu 30 km/h
411 Menschen sind nach Angaben der DLRG im Jahr 2024 in deutschen Gewässern ertrunken. 2025 waren es 393. Für Olivier Wiesner ist das einer der Gründe, warum er den "Dolphin 3" weiterentwickelt hat. "Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass in ganz Deutschland weniger Leute ertrinken und die Retter eine Unterstützung haben, auf die sie jederzeit zählen können", sagt er. Der Roboter erinnert an einen futuristischen Rettungskörper und erreicht bis zu 30 Stundenkilometer. Rund 30 Geräte sind bereits in Deutschland im Einsatz, weitere in den Niederlanden und Polen.
Der erste Test am See
Fabian Friese von der DLRG Dinslaken spielt hier am See den Verunglückten. Einige Meter vom Ufer entfernt macht er sich mit Winken bemerkbar. Wenige Sekunden später schießt der Rettungsroboter über das Wasser. Gesteuert wird er von seinem DLRG-Kollegen Vincent Schmette und zieht Friese zurück ans Ufer. "Ich fühlte mich sehr sicher", sagt Friese nach der Übung.
Unterstützung für die Badeaufsicht
Sebastian Schur, Leiter des Strandbads Tenderingssee, beobachtet die Tests aufmerksam. An heißen Tagen kommen hier bis zu 2.000 Badegäste. Der Rettungsroboter könnte aus seiner Sicht helfen, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen. Deshalb prüft das Strandbad derzeit, ob ein solches Gerät künftig angeschafft werden soll. "Man muss ja nicht immer gleich jemanden retten", sagt Schur. "Aber wir könnten Menschen ansprechen, die zu weit hinausschwimmen und vielleicht gefährliche Situationen verhindern, bevor überhaupt etwas passiert."
Härtetest auf dem Rhein
Familie verfolgt Rettungsübung am Rheinufer
Wenig später wechselt das Team nach Dinslaken. Dort wartet die eigentliche Herausforderung. Mit einem DLRG-Boot bringen Einsatzkräfte Olivier Wiesner mehrere hundert Meter flussaufwärts. Kurz darauf springt er ins Wasser und wird von der Strömung abgetrieben. Am Ufer verfolgt eine fünfköpfige Familie das Szenario.
Rettung vor den Augen einer Familie
Die beiden Jungen schauen gespannt zu, sitzen bis zum Bauch im Rhein, ihre Eltern beobachten die Übung nur wenige Meter entfernt. Direkt vor ihren Augen rast der Rettungsroboter über den Fluss. Schmette steuert ihn präzise durch die Strömung bis zu Wiesner. Dieser hält sich am Gerät fest und wird zurück ans Ufer gezogen. Eine Situation, wie sie für Einsatzkräfte am Rhein jederzeit Realität werden kann.
Die Zukunft fährt autonom mit KI
Dolphin 3 zieht einen Schwimmer ans Ufer.
"Dolphin 3 macht sich auf dem Rhein richtig gut", sagt Schmette nach der Übung. Noch braucht der Roboter einen Menschen an der Fernsteuerung. Künftig soll künstliche Intelligenz Gefahrensituationen erkennen und den Rettungsroboter selbstständig zur betroffenen Person schicken. Bis dahin bleibt der "Dolphin 3" vor allem eines: eine zusätzliche Unterstützung für Rettungskräfte.
Positive Bilanz
Nach vier Stunden Testbetrieb fällt das Urteil der DLRG Dinslaken positiv aus. "Für uns erhält er erstmal das Prädikat wertvoll", sagt Fabian Friese. "Mal schauen, was die Zukunft bringt."
Unsere Quellen:
- Interview mit Olivier Wiesner, Fabian Friese, Vincent Schmette und Sebastian Schur
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 22.06.2026, 19:30 Uhr
