Selbstversuch: Schwimmen im Rhein | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 18.06.2026 16:10 Min. UT Verfügbar bis 18.06.2028 WDR Von Annika Müller

Selbstversuch zeigt Risiken So gefährlich ist das Schwimmen im Rhein

Stand:

Schwimmen im Rhein ist extrem gefährlich, auch für erfahrene Schwimmer. Unser Selbstversuch mit der DLRG Monheim zeigt, wie selbst gute Schwimmer schnell abgetrieben werden können.

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Annika Müller

Noch ist das Wasser ruhig. Ich kann gerade nicht mehr stehen, muss die ersten Schwimmzüge machen. Mit langsamen Zügen bewege ich mich weiter vom Ufer weg. Und plötzlich spüre ich es. Ein Schwimmzug, und ich gerate vom scheinbar unbewegten Wasser in die Strömung. Wie stark sie mich nach rechts Richtung Düsseldorf und gleichzeitig weiter in die Mitte des Rheins zieht, merke ich erst später beim Blick zurück zum Ufer.

21 Badetote 2025 in NRW-Flüssen

Im Rhein zu schwimmen ist lebensgefährlich. 21 Menschen sind im vergangenen Jahr laut der DLRG in NRW-Flüssen gestorben. Trotz der Gefahren tummeln sich an heißen Tagen Badegäste am Rheinufer. An vielen Orten ist das Schwimmen hier aber mittlerweile verboten: Wer etwa in Düsseldorf die Bundeswasserstraße zum Planschen wählt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 1.000 Euro. Ein paar Kilometer rheinabwärts, in Monheim, gibt es ein solches Verbot noch nicht. Hier wird auf Prävention, auf Aufklärung und Schwimmausbildung gesetzt.

Ein Rettungsboot der DLRG treibt auf dem Rhein, die Wasserretter haben zwei Schwimmer im Blick, die versuchen, gegen die Strömung zu schwimmen.

Die Strömung im Rhein ist stark.

Dafür zuständig ist auch die DLRG Monheim. Die Wasserretter kümmern sich ehrenamtlich um die Sicherheit der Menschen am Rhein - und für meinen Selbstversuch auch um meine Sicherheit. Ich muss mir also keine Sorgen machen, dass ich bis nach Duisburg abtreibe, versichert Florian Droß von der DLRG. "Du wirst vielleicht maximal zehn Meter abtreiben, wir beobachten dich dauerhaft. Du wirst nicht aus dem Stadtgebiet Monheim rauskommen."

Florian Droß steht in seinen roten Einsatzklamotten auf dem Boot und blickt in die Ferne.

Florian Droß von der DLRG Monheim überwacht den Selbstversuch.

Mit zwei Booten begleitet die DLRG mich, dazu schwimmt die ganze Zeit ein Strömungsretter neben mir. Und eine Rettungsweste hält mich über Wasser. Darüber bin ich schon nach kurzer Zeit sehr froh. Als ich merke, wie die Strömung mich erfasst, versuche ich, dagegen anzuschwimmen. Stoisch ziehe ich einen Schwimmzug nach dem anderen - aber bewege mich dabei kaum vom Fleck.

So gefährlich ist das Schwimmen im Rhein

WDR 18.06.2026 00:53 Min. Verfügbar bis 17.06.2028 WDR Online

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Der Blick zum Ufer zeigt: Nach etwa einer Minute im Wasser bin ich schon viele Meter abgetrieben. Und fix und fertig. Hätte ich gerade nicht die Rettungsweste an, würde ich es spätestens jetzt vermutlich mit der Angst zu tun bekommen. Mitten auf dem Rhein und keine Kraft mehr in den Armen, das möchte ich nicht nochmal erleben.

Warum Schwimmer keine Chance gegen die Rheinströmung haben

Keuchend hole ich Luft. Eigentlich bin ich doch eine gute Schwimmerin - immerhin habe ich das Rettungsschwimmerabzeichen Silber - und meine Ausdauer ist auch nicht schlecht. Florian Droß, der meine verzweifelten Schwimmversuche vom Rettungsboot aus beobachtet hat, kommentiert: "Auch ein geübter Schwimmer würde kurz gegen die Strömung ankommen, aber irgendwann abtreiben und so sehr viel Kraft verlieren."

Reporterin Annika Müller krault durch den Rhein.

Auch geübte Schwimmer haben keine Chance gegen die Strömung.

Und bis dann Hilfe da ist, kann es dauern: Die Wasserretter der DLRG erzählen mir, dass die Feuerwehr sechs bis acht Minuten braucht, bis sie überhaupt bei ihrem Rettungsboot ist. Und bis das Boot dann Fahrt aufgenommen hat, könnte ich schon mehrere Kilometer weit abgetrieben sein. Dann ist es wichtig, Kräfte zu sparen, sich so lange über Wasser zu halten, bis die Rettungskräfte da sind - also nicht gegen die Strömung anschwimmen.

Schiffe, Strudel und Strömung: Weitere Gefahren im Rhein

Sollte keine Hilfe unterwegs sein, erklärt Droß mir, wie ich auch selbst versuchen kann, aus dem Wasser zu kommen: "Auf den nächsten Kribbenkopf zuschwimmen." Die Kribbenköpfe sind die Dämme, die alle paar hundert Meter in den Rhein hineinragen. "An der Kribbe entsteht eine Gegenströmung. Wenn du auf die Kribbe zuschwimmst und dann nach rechts weiterschwimmst, wirst du automatisch rübergedrückt und kannst dort an Land gehen." Hier ist aber Vorsicht geboten: An den Kribben können auch gefährliche Strudel entstehen, die einen Schwimmer mehrere Meter unter Wasser ziehen können.

Beim Blick von oben auf den Rhein sieht man, dass an den Kribben Strömungen entgegen der Flussrichtung entstehen.

An den Kribben entstehen gefährliche Strömungen.

Davor schützt mich meine Schwimmweste, und so schaffe ich es auch wieder zurück ans Ufer. Zum Glück: Denn wäre ich weitergetrieben, hätte die nächste Gefahrenstelle auf mich gewartet. Ein großes Schiff legt gerade ab. Wäre ich ihm zu nahe gekommen, hätte mir auch die Weste im Zweifel nicht mehr geholfen.

Mein Selbstversuch mit der DLRG Monheim zeigt: Nicht nur die starke Rheinströmung macht das Schwimmen im Rhein gefährlich. Schiffsverkehr, Strudel und lange Rettungszeiten können aus einem vermeintlich harmlosen Badeausflug schnell einen lebensgefährlichen Notfall machen.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Interview mit Florian Droß, DLRG Monheim
  • Statistik Ertrinken der DLRG

Sendung: WDR.de, So gefährlich ist das Schwimmen im Rhein, 18.06.2026, 12:48 Uhr

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