"Neueröffnung am 30.05.2026" steht in großen weißen Buchstaben an einem Ladenlokal in der Dortmunder Fußgängerzone am Ostenhellweg, das lange leer gestanden hat. Der "Prachtraum" zieht hier ein. Ein Geschäft für Innenausstattung und Möbel eröffnet hier.
Der städtische Citymanager Tilmann Insinger freut sich schon auf das neue Geschäft. Ohne ihn und den Anmietungsfonds der Stadt Dortmund hätte es die Eröffnung nämlich nicht gegeben.
Prachtraum: Zehnter Laden, bei dem die Stadt die Miete bezuschusst
Der "Prachtraum" ist nicht das erste leer stehende Ladenlokal, dem Insinger neues Leben einhaucht. Über 150 Jahre war das Ladenlokal Heimat der Hirsch-Apothke. Die machte 2023 die Türe dicht. Seitdem stand die große Fläche am Eingang der Fußgängerzone leer.
Mit dem Anmietungsfonds kämpft die Stadt Dortmund gegen leer stehende Ladenlokale.
Um wieder Mieter zu finden, hat die Stadt einen Anmietungsfonds aufgelegt. Der funktioniert so: Die Stadt zahlt dem Vermieter 70 Prozent der ursprünglichen Miete und gibt das Geschäft dann verbilligt an Gründer weiter.
Hat der Vermieter früher 10.000 Euro Miete verlangt, zahlt die Stadt ihm nun 7.000 Euro. Und reicht das Ladenlokal dann für 2.000 Euro Miete an einen Gründer weiter.
Anmietungsfonds bringt vielfältige Angebote in die Innenstadt
Zehn verlassene Ladenlokale hat die Stadt Dortmund mit diesem Modell schon wiederbelebt. Die Palette reicht vom Herrenschneider über einen Laden für japanische Popkultur und einen für Übergrößen bis zu gastronomischen Betrieben wie "Weingrün". Ein Weinlokal, das seit Anfang Mai in der Nähe des zentralen Hansaplatzes Getränke ausschenkt.
Ende vergangenen Jahres testete das "Weingrün" um Patrick Hanxleden das leer stehende Ladenlokal bereits als Pop-up-Store.
Patrick Hanxleden vom "Weingrün" betreibt mit seinem Partner bereits zwei Lokale in Dortmund. Nun haben sie ihr drittes Objekt eröffnet. Ein Herrenausstatter und mehrere Friseure waren bereits Mieter des Lokals, das schon länger leer stand.
Das Geschäft von "Weingrün" ist gut angelaufen. "Unsere Kunden kommen vom Markt, vom Feierabendmarkt oder aus unserer großen Community durch unsere anderen Lokale", erzählt Hanxleden. Mit DJs und Events lockt er neue Kunden in seine Weinbar.
Laufzeit der Förderung: maximal 24 Monate
24 Monate bezuschusst die Stadt die Miete. Dann müssen die Läden selbst überleben. Dass das gar nicht so einfach ist, merkt Jost Böcker gerade. Er erzählt, dass er "sein Hobby zum Beruf gemacht hat". Vor 14 Monaten hat Böcker das "Club Mumbai Palais" eröffnet. Ein Shop für Skater-Mode. Er war damals der Erste, der den Anmietungsfonds genutzt hat.
Auch der Skate-Shop "Club Mumbai Palais" um Jost Böcker konnte dank des Anmietungsfonds eröffnet werden.
In zehn Monaten, wenn der Zuschuss der Stadt ausläuft, muss er die volle Miete bezahlen. Ob das Geschäft dafür genug abwirft? Unklar. Er schaut sich schon mal nach anderen Ladenlokalen, für die weniger Miete verlangt wird, um. Ob das Programm in Dortmund erfolgreich ist, wird sich an solchen Fällen zeigen.
Unsere Quellen:
- Website der Stadt Dortmund
- Tilmann Insinger, Citymanager der Stadt Dortmund
- WDR-Interview mit Jan Bruder, Prachtraum
- WDR-Interview mit Patrick Hanxleden, Weingrün
- WDR-Interview mit Jost Böcker, Club Mumbai Palais
Sendung: WDR.de, Wie die Stadt Dortmund gegen Laden-Leerstände kämpft, 29.05.2026, 6:00 Uhr
