Brand in Krefelder Hafen gelöscht | WDR aktuell

WDR 02:09 Min. Verfügbar bis 07.05.2028

Jeden Tag Brände Warum in Recycling-Betrieben so oft Feuer ausbricht

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Bei deutschen Recycling-Betrieben brennt es ziemlich oft - im Durchschnitt mehrfach am Tag, schätzt die Branche. Gerade kam es in Krefeld zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Branchenverbände fordern Konsequenzen - und verlangen ein Batteriepfand. Aber nicht nur Akkus und Batterien sind an den Bränden schuld.

Erst im Dezember hatte ein Großbrand auf einem Recyclinghof im Krefelder Hafen die Feuerwehr gefordert - nun mussten Einsatzkräfte wieder dorthin ausrücken: Weil am Mittwochabend rund 700 Tonnen Schrott auf der Anlage Feuer fingen, waren mehrere Feuerwehren vom Niederrhein die ganze Nacht über im Einsatz. Die Rauchentwicklung war zwischenzeitlich so stark, dass auch für Düsseldorf eine Warnung vor Geruchsbelästigung herausgegeben wurde. Die Ermittler gehen aktuell davon aus, dass sich eine alte Batterie oder Ähnliches unter dem riesigen Druck des Metallschrotts entzündet hat.

Längst nicht jeder Brand bei einem Reyclingbetrieb wird zu einem Großbrand. Aber eine Seltenheit sind Großbrände auf solchen Anlagen nicht mehr. Die Branche sieht sich vor einem großen Problem. Wenn es so weitergeht, sagen Verbände, gefährde das die Entsorgungssicherheit.

Diese Fragen klären wir hier:

Die Feuerwehr löscht einen Brand in Leichlingen

Anfang April gab es einen Großbrand auf einem Leichlinger Wertstoffhof.

Die Zahl der Brände in den deutschen Entsorgungs- und Recyclinganlagen habe in den vergangenen Jahren zugenommen, hieß es vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) in Bonn. Gemeinsam mit dem anderen großen Branchenverband, dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) in Berlin, kam der bvse im vergangenen Jahr zu dieser Schätzung: Insgesamt gibt es in den Anlagen etwa 30 Brände pro Tag. Ob die Zahl noch aktuell ist, ist unklar - eine aktuelle Anfrage beim bvse blieb bislang unbeantwortet.

Die meisten Brände können gut gelöscht werden. Aber die Liste der jährlichen Großbrände ist lang. Nicht nur auf dem Recyclinghof im Krefelder Hafen kam es innerhalb weniger Monate zweimal zu einem solchen Vorfall - auch bei der Firma Hündgen in Swistal im Rhein-Sieg-Kreis gab es allein 2025 zwei Großbrände.

Die Brände sind dabei nur das eine Problem. Aber das wiegt schon schwer genug: Mitarbeitende, Einsatzkräfte und Anwohner geraten in Gefahr, darüber hinaus wird die Umwelt belastet.

Nicht weniger dramatisch sind die Folgen: Versicherungsbeiträge explodieren. Ohnehin gibt es kaum noch Versicherer für Recyclingunternehmen. Hinzu kommt: Ist der Schaden erstmal da, lässt er sich manchmal nur sehr langwierig beheben.

"Viele unserer Unternehmen kämpfen mittlerweile um die betriebliche Existenz", gab Christian Hündgen in einer Mitteilung Ende Dezember bekannt. Er ist der bvse-Landesvorsitzende und Geschäftsführer des Swistaler Recyclingunternehmens, bei dem es schon mehrfach brannte.

Jörg Lacher Porträt

Jörg Lacher, Geschäftsführer der bvse-Entsorgergemeinschaft

Es sei auch schon vorgekommen, dass eine Firma nach einem Brand eine Anlage nicht mehr in Betrieb nimmt, sagte damals bvse-Geschäftsführer Jörg Lacher dem WDR. Zwar stehe die Kreislaufwirtschaft nicht unmittelbar vor einer Krise. Aber: "So weitergehen kann es nicht." Ansonsten bedrohe das die Entsorgungssicherheit.

Der Spezialversicherer Hübener nennt vor allem diese Ursachen für die Brände in Recyclingbetrieben:

Falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus und -Batterien: Diese seien eine der Hauptursachen für die Brände, teilte die Hübener Versicherungs AG im April 2025 mit. Zu finden seien sie zum Beispiel in Elektrogeräten wie Smartphones, Laptops oder E-Bikes, aber auch in Produkten, bei denen man das nicht unbedingt erwartet: Etwa Kleinspielzeug oder Grußkarten, die leuchten und Musik machen.

Werden solche hocheffizienten Akkus und Batterien in Pressen oder unter hohem Stapeldruck gelagert, können sie sich selbst entzünden und explosionsartige Brände auslösen, die schwer zu löschen sind.

Unsachgemäße Entsorgung von Gasflaschen: Auch sie bergen ein erhebliches Risiko, weil sie zu Explosionen führen können.

Technische Defekte an Anlagen: Auch überhitzte Maschinenteile, wie eine festgelaufene Umlenkrolle einer Förderschnecke, können Brände auslösen. Hinzu kommt: In Recyclingbetrieben können sich solche Feuer wegen des vielen schnell entflammbaren Materials und prozessbedingten Staubs besonders schnell ausbreiten.

Wirtschaftliche Lage und Fachkräftemangel: Angespannte wirtschaftliche Bedingungen und fehlendes Fachpersonal können die Brandgefahr ebenfalls erhöhen, heißt es vom Versicherer Hübener. Weniger Investitionen in Sicherheitstechnik und Wartung sowie unzureichend geschulte Mitarbeitende steigern das Risiko.

Klimatische Bedingungen: Ein Problem, das sich vor allem im Sommer bemerkbar macht. Trockenheit reduziert die Feuchtigkeit in Materialien wie Papier, Holz oder Kunststoff. Dadurch sinkt die Zündtemperatur - und schon kleine Wärmequellen können Brände auslösen. Trockene Winde beschleunigen die Ausbreitung zusätzlich.

Zum einen müssten sich die Betriebe besser einstellen auf die Brandgefahr, so Entsorger Hündgen, denn: "Brandschutz ist kein Kostenblock - er ist Überlebensstrategie." Dazu gehörten etwa KI-basierte Frühwarnsysteme, intelligente Überwachung, automatisierte Löschanlagen sowie Schulungen und fest definierte Prozesse für den Ernstfall.

Mehrere Knopfzellen übereinander

Auch viele Knopfzell-Batterien enthalten Lithium.

Zum anderen nehmen die Branchenverbände aber auch die Politik in die Pflicht. Im Juli 2025 forderten bvse und BDE in einem Schreiben an das Bundeswirtschaftsministerium und die Umweltminister von Bund und Länder, das Problem der falsch entsorgten Batterien und Akkus anzupacken.

Vier Forderungen hat die Branche an die Politik:

  • Eine Einführung eines Batteriepfandes
  • Eine herstellerfinanzierte Fondslösung, die Recyclingunternehmen im Brandfall absichert
  • Eine Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Batterien und Akkus
  • Ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten oder zumindest ein wirksames Pfand

Viele Produkte gehören nicht in die Recycling- oder Restmüll-Tonne, sondern in den Elektroschrott, selbst wenn die Batterie oder der Akku leer ist. Dazu gehören etwa Handys, E-Zigaretten, Schuhe mit Leuchteffekt, elektrische Zahnbürsten, zahlreiches Spielzeug sowie kabellose Kopfhörer und Hörgeräte.

Kleinere Geräte kann man sogar bei vielen Supermärkten zurückgegeben. "Für größere Geräte gilt das Prinzip alt gegen neu", teilt die Verbraucherzentrale NRW mit. Bedeutet: Kauft man ein Gerät, muss der Händler ein Gerät der gleichen Kategorie kostenfrei zurücknehmen.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 07.05.2026, 16:00 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 23.12.2025

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