Wieder Brand in Wertstoffhof in Swisttal: Akku falsch entsorgt?
00:33 Min.. Verfügbar bis 07.07.2027.
Nicht einmal zwei Monate ist es her, dass hunderte Einsatzkräfte zu einem Großbrand im Swisttaler Entsorgungsbetrieb Hündgen ausrücken mussten. Am Sonntag gab es jetzt schon wieder Feueralarm. Und wieder mussten zahlreiche Feuerwehrleute, das THW, die Polizei und der Katastrophenschutz ausrücken. Mehr als 300 Personen waren im Einsatz.
Betreiber: "Es muss endlich etwas passieren"
Christian Hündgen ist als Chef des Entsorgungsunternehmens frustriert. Solche Brände drohen immer wieder, solange sich die Gesetze nicht ändern, sagt Hündgen am Tag nach dem Feuer gegenüber dem WDR. Denn er geht davon aus, dass auch diesmal wieder ein Akku die Ursache für den Brand gewesen sein dürfte. Ein Lithium-Ionen-Akku war auch schon als Auslöser für das Feuer im Mai von einem Sachverständigen bestätigt worden.
Wertstoffhöfe brennen regelmäßig
Auch wenn die Polizei die Ermittlungen gerade erst aufgenommen hat und noch keine Angaben zur Brandursache machen kann: Für Hündgen steht fest, dass endlich etwas passieren muss. Er ist überzeugt, auch die besten Brandmeldeanlagen könnten nicht verhindern, dass es in Entsorgungsbetrieben immer wieder zu einem Großbrand durch Batterien kommt.
Im Mai hatte zum Beispiel auch in Kleve eine Lagerhalle eines Entsorgungsunternehmens gebrannt, vermutlich ebenfalls wegen einer falsch entsorgten Batterie. Allein in NRW brennt es nach Angaben von Umweltminister Oliver Krischer jedes Jahr rund 100 mal in Müllanlagen - häufig sind Akkus und Batterien die Ursache. Deshalb forderte Krischer bereits im Juni: "Die Bundesregierung muss endlich handeln."
Pfandsystem für Akkus?
Der Minister ist genauso wie Unternehmer Christian Hündgen für ein Pfandsystem für Akkus. Das könne ein Anreiz sein, die gefährlichen Batterien nicht einfach in den Hausmüll oder die gelbe Tonne zu werfen, glaubt Hündgen. Er wirft der Bundesregierung vor, eine solche Maßnahme zu scheuen, weil sie den Handel nicht belasten wolle. Tatsächlich hatte im Jahr 2024 die damals scheidende Ampel-Regierung den Vorschlag als "organisatorisch und praktisch kaum umsetzbar" abgelehnt.
Verbaute Akkus versehentlich weggeworfen
In vielen Geräten, wie zum Beispiel Handys oder E-Zigaretten, sind Akkus heute fest verbaut. Auch das sieht der Swisttaler Entsorgungsprofi kritisch: "Das sollte verboten werden, damit die verbauten Akkus nicht versehentlich bei uns im Müll landen." Denn: weil viele Menschen nicht wüssten, wohin mit den Geräten, würden diese einfach in die Mülltonne geworfen – und damit womöglich bald schon wieder zur Ursache für den nächsten Brand.
Wohin mit E-Zigaretten und Co?
Genauso wie Batterien und Akkus nicht in den Hausmüll oder die Wertstofftonne gehören, gilt das auch zum Beispiel für E-Zigaretten - egal ob Einweg oder wiederaufladbar mit Akku. Sie müssen als Elektroschott entsorgt werden. Entweder an entsprechenden Sammelstellen oder bei Verkaufsstellen, die eine Rücknahme anbieten.
Versicherung könnte irgenwann nicht mehr greifen
Für Christian Hündgen und seine Mitarbeitenden geht es jetzt zum zweiten Mal innerhalb von nicht mal acht wochen ans Aufräumen und den Wiederaufbau. Ein Schaden im sechsstelligen Bereich sei entstanden, den er aber diesmal nicht der Versicherung melden will. Aus Sorge, dass er sonst bald gar nicht mehr versichert wird.