Wie lässt sich das Risiko verringern?

WDR 02:25 Min. Verfügbar bis 08.05.2028

Nach dem Bränden im Krefelder Hafen Wie lässt sich das Risiko verringern?

Stand:

Der Großbrand im Krefelder Hafen ist gelöscht. War Brandursache erneut ein Akku, der nichts im Schrott zu suchen hatte?

Von
WDR-Autorin Antonia Weiß
Antonia Weiß
,
Hanna Makowka, Journalistin
Hanna Makowka
und
Paula Gerhardus
Paula Gerhardus

Vorsätzliche Brandstiftung oder fahrlässiges Arbeiten können wohl ausgeschlossen werden. Das hat ein Polizeisprecher nach ersten Ermittlungen auf dem Gelände der Recyclingfirma gesagt. Die Ermittler gehen aktuell davon aus, dass sich eine alte Batterie oder Ähnliches unter dem riesigen Druck des Metallschrotts entzündet hat.

Schutzmaßnahmen haben nichts genutzt

Bei der Firma hatte es zuletzt vor fünf Monate in ähnlichem Ausmaß gebrannt. Danach wurden "gemeinsam Maßnahmen festgelegt", teilte die Stadt Krefeld mit - Maßnahmen, die "angesichts des aktuellen Brandereignisses neu zu prüfen sind". Möglicherweise sind also trotz aller Kontrollen wieder Dinge im Schrott gelandet, die dort nichts zu suchen haben und sich jetzt erneut als gefährlich entpuppt haben.

Die Stadt räumt allerdings ein, je nach Lkw-Ladung seien "kleinere Fehlchargen nur schwer auszumachen". Letztlich seien "auch die Endverbraucher gefragt, ihren Abfall richtig zu sortieren und damit Sicherheitsrisiken zu vermindern."

1000 Euro Strafe

Frank Smiatek von der Krefelder Recyclingfirma betont, wie schwer die Ursachen zu bekämpfen sind: "Nach dem Brand im letzten Jahr haben wir die Anzahl der Mitarbeiter in der Warenkontrolle noch mal erhöht." Auch würden die Schrottberge kleiner gehalten und per Fotos durch die Mitarbeitenden kontrolliert. Eine 100-prozentige Sicherheit könne man aber nicht garantieren.

Branchenweit gibt es außerdem Strafzahlungen für Firmen, die schlecht vorsortierten Schrott anliefern. "Wenn wir zum Beispiel einen Lithium-Ionen-Akku in einer Schrottlieferung entdecken", so Frank Smiatek, "berechnen wir der Firma eine Strafzahlung von 1000 Euro pro Stück." Das solle einen gewissen Anreiz schaffen, von Anfang genau hinzuschauen.

BUND stellt Anzeige gegen Recyclinghof

Am Freitag wurde bekannt, dass der BUND in Krefeld Anzeige gegen den Betrieb gestellt hat. Man wolle so auf rechtlichem Weg dafür sorgen, dass die Zertifizierungen des Unternehmens überprüft werden und kontrolliert wird, ob alle Vorschriften eingehalten wurden, sagte eine Sprecherin.

Schon im letzten Jahr hatte der Umweltverband Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch ein - sie konnte keine strafrechtlich relevanten Verfehlungen im Zusammenhang mit dem Brand im Dezember erkennen.

700 Tonnen Schrott hatten im Hafen Feuer gefangen

Rund 700 Tonnen Schrott hatten im Krefelder Hafen beim aktuellen Brand Feuer gefangen. Seit Mittwochabend war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot im Dauereinsatz. Die ganze Nacht über haben die Einsatzkräfte versucht, das Feuer zu löschen.Rund um den Brandort gab es erhebliche Verkehrsbehinderungen, auch durch Lastwagen, die eigentlich ihre Ladung im Industriegebiet anliefern wollten.

Brand in Krefelder Hafen gelöscht

WDR 00:46 Min. Verfügbar bis 07.05.2028 WDR Online

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Am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr hieß es von der Feuerwehr, der Brand sei mittlerweile unter Kontrolle. Auch Rauchentwicklung sei kaum mehr vorhanden. Die Warnung wurde von einer "Gefährdungslage" auf "Geruchsbelästigung" heruntergestuft.

WDR-Reporter Johannes Hoppe berichtet vom Brandort

WDR 00:38 Min. Verfügbar bis 07.05.2028

Probleme beim Löschen

Mehrere Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen in Ausrüstung vor einer Lagerhalle

Die Feuerwehr am Donnerstagmorgen vor dem Recyclingbetrieb

Das Feuer zu löschen, gestaltete sich schwierig. Es gehe um einen 15 Meter hohen Haufen Schrott, der einen Durchmesser von 50 Metern habe. Um mit dem Löschwasser auch den Brand in der Mitte erreichen zu können, mussten die Einsatzkräfte den Schrott mithilfe von Baggern auseinanderziehen. Doch der Rauch machte "dauerhaft und intensiv arbeiten" für die Baggerfahrer unmöglich, so die Feuerwehr.

Deshalb blieb den Einsatzkräften keine Wahl, außer nach wie vor viel Wasser auf den brennenden Schrott zu geben. Mit mehreren Drehleitern löschen die sie den Brand weiterhin statisch. Als der Brand ausgebrochen war, hatten 13 Mitarbeitende versucht, das Feuer zu löschen. Mit rußverschmierten Gesichtern wurden sie daraufhin medizinisch betreut, zwei kamen in ein Krankenhaus.

Schulen und Kitas bleiben offen

Der Rauch hatte sich massiv über Teile des Stadtgebiets ausgebreitet, weiter bis nach Düsseldorf und seit dem Donnerstagmorgen auch in Richtung Süden zum Rhein-Kreis Neuss. Anwohner sollten zeitweise Fenster und Türen geschlossen halten, sich nicht im Freien aufhalten und Lüftungs- und Klimaanlagen abschalten.

Insbesondere im Bereich von Schulen und Kitas hat die Feuerwehr die Messwerte in der Luft kontrolliert. Dabei war sie in engem Austausch mit Behörden und dem Landesumweltamt. Am Morgen hieß es dann: Schulen und Kitas bleiben geöffnet.

NINA-Warnapp ausgelöst

Betroffene wurden auch über die NINA-Warnapp informiert. Die Gefahreninformation galt für die Krefelder Stadtteile Gellep-Stratum, Teile von Linn und Uerdingen sowie auch für Meerbusch. Gesundheitliche Beeinträchtigungen konnten hier teilweise nicht ausgeschlossen werden. In Gellep-Stratum wurden Anwohner durch einen Sirenenalarm gewarnt. Das Bürgertelefon ist erreichbar unter der Nummer 19700.

Die Feuerwehr war mit einem "massiven Kräfteaufkommen" vor Ort, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Es sei Vollalarm ausgelöst worden. Zur Unterstützung kamen auch Feuerwehren aus Duisburg und Viersen dazu. Mittlerweile seien die Einsatzkräfte abgerückt.

Brand in Krefelder Hafen gelöscht

WDR 02:25 Min. Verfügbar bis 07.05.2028

Unsere Quellen:

  • Feuerwehr Krefeld
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Statement der Stadt Krefeld
  • Interview mit Frank Smiatek von IMR Metal Recycling GmbH

Sendung: WDR.de, Brand von Recylclinghof in Krefeld, 06.05.2026, 23:00 Uhr
Sendung: WDR.de, WDR-Reporter Johannes Hoppe berichtet vom Brandort, 07.05.2026, 8:50 Uhr
Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit, 07.05.2026, 15:30

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