Teilnehmende tauschen sich in einer Stadtbahn aus

Mit im Gepäck: Flyer zu der Aktion.

Aktionswoche gegen Einsamkeit In der Bielefelder Plauderbahn

Stand:

Zwei Stunden in der Linie 2: In Bielefeld laden Freiwillige andere Fahrgäste ein zum Quatschen, um ein Zeichen gegen Einsamkeit zu setzen.

Von Jan-Ole Niermann

"Ich kommuniziere gerne, bei mir kommt das einfach aus dem Herzen", sagt Sokhna Ba während sie in ihrer pinken Weste auf die Stadtbahn wartet, "manchmal bekomme ich ein Lächeln zurück!" Das Ziel von Sokhna Ba und den anderen Freiwilligen in den auffälligen Westen: Menschen ansprechen und etwas gegen Einsamkeit tun.

Organisatoren der Begegnungsbahn kommen an einer Haltestelle zusammen

Vor der Abfahrt: Die Freiwilligen treffen letzte Absprachen vor der Fahrt.

Dann fährt die Bahn ein: Die grüne Linie 2, heute die "Begegnungsbahn". Ein Teil des weißen Wagens ist mit bunten Wimpeln geschmückt. In diesem "Plauderabteil" quatschen die Freiwilligen Fahrgäste an und versuchen ins Gespräch zu kommen.

Kurze Kontakte gegen die Einsamkeit

Die Begegnungsbahn wurden extra mit Wimpeln geschmückt.

Bunte Girlanden sollen für lockere Stimmung sorgen.

"Wir wissen, dass so kleine Mikrokontakte nachweislich glücklicher machen, wenn man sich spontan unterhält", erklärt Organisatorin Sonja Frisch von der Stadt Bielefeld, "das testen wir heute mal in der Stadtbahn." Später soll das Projekt ausgewertet werden.

"Vielleicht kann man ein paar Sitze in einer anderen Farbe markieren und so langfristig eine Plaudermöglichkeit etablieren." Sonja Frisch, Stadt Bielefeld

Die Aktion ist Teil einer Aktionswoche gegen Einsamkeit. Die Stadtbahn wurde dabei bewusst ausgesucht, in Bochum gab es Anfang des Jahres eine vergleichbare Aktion. In der Bahn würden viele Menschen aufs Handy schauen und Kopfhörer tragen, erklärt Frisch: "Wir möchten die Leute sensibilisieren, dass Einsamkeit auch bei jüngeren Menschen zunimmt."

Viele Gäste freuen sich, andere möchten ihre Ruhe

Zwei Organisatorinnen der Begegnungsbahn in einer Stadtbahn

Die Freundinnen Sonja Johnke und Sokhna Ba in der Plauderbahn.

Die Bahn pendelt von Endhaltestelle zu Endhaltestelle, dazwischen möchten Sokhna Ba und die anderen "gegen Einsamkeit kämpfen", sagt sie zur Begrüßung und überreicht lächelnd Flyer. Mal kommt es zu kurzen Gesprächen, manche Fahrgäste winken ab und möchten lieber ihre Ruhe haben.

Am Jahnplatz wird es plötzlich voll: Feierabendverkehr, Kinderwagen, eine ältere Frau mit Rollator. In der Hektik bleibt wenig Platz für Begegnungen. "Manche sind müde wegen der Hitze, die wollen einfach nach Hause und unter die Dusche", sagt Ba lacht und quatscht die nächsten Fahrgäste an.

Zwei Stunden mit vielen Gesprächen

Eine Organisatorin und ein Teilnehmer der Begegnungsbahn sitzen in einer Stadtbahn

Sonja Johnke kam während der Fahrt auch mit Olaf Oestermann ins Gespräch.

Hinten im Wagen ist es ruhiger, dort unterhält sich Florian Hans im Sitzen. Erst mit einer Jura-Studentin über die Uni, dann mit einem Mann auf dem Weg zum Friseur über Urlaubsziele. "Ich bin selbst vor zwei Jahren nach Bielefeld gezogen und kannte hier kaum jemanden, das war nicht einfach", sagt er, "deswegen kenne ich das auf jeden Fall auch, einsam zu sein."

Nach einigen Stationen leert sich die Bahn. Es wird ruhiger und Sokhna Ba kommt mit zwei Frauen ins Gespräch, die Unterhaltung dauert länger, über mehrere Stationen. Wegen solcher Begegnungen lohnt sich das Engagement, sagt Ba: "Es ist schön, wenn man mit dem Nachbarn oder der Nachbarin ein kurzes Lächeln austauscht." An der Endhaltestelle in Altenhagen ist kurz Pause, dann geht es mit der Plauderbahn zurück Richtung Stadt.

In der Bielefelder Plauderbahn

WDR 22.06.2026 00:47 Min. Verfügbar bis 21.06.2028

Download

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter im Gespräch mit Gästen der Begegnungsbahn
  • Pressemitteilung der Stadt Bielefeld

Sendung: WDR.de, In der Bielefelder Plauderbahn, 23.06.2026, 06:04 Uhr

Weitere Beiträge aus Bielefeld

1 / 2