Typisches Bild in der Campus-Linie U35: alle sitzen auf ihrem Platz, hören Musik, schauen aufs Smartphone-Display, der Alltag wird ausgeblendet. Viele wollen einfach nach einem stressigen Uni-Tag auf Abstand sein. Das hat der Verein "Vereint Bochum" am Donnerstagabend geändert - mit einem eigenen U-Bahn-Wagen zum Kennenlernen, der "Social Line".
Das Motto: "Raus aus dem Tunnel und Anschluss finden". Die Sonderlinie ist am Donnerstag von 17:07 bis 20:00 Uhr zwischen den Haltestellen Riemke Markt und Hustadt gependelt. Dafür hat der Verein gemeinsame Sache mit der BoGeStra gemacht und einen eigenen Sonderzug gestellt bekommen.
Bochumer U35 wird zur "Social Line"
17:07 Uhr, der Sonderzug der U35 startet in Bochum-Riemke. An allen Haltestellen stehen Guides bereit, die bei Fragen helfen. Auch in der Bahn ist das Team des Vereins dabei und koordiniert die Gesprächsrunden. An den Fenstern der Bahn hängen Poster mit Ideen für Fragen, um den Einstieg ins Gespräch zu erleichtern.
Bei vielen Gruppen ist das aber gar nicht nötig, in der Bahn wird gelacht, gequatscht, gequasselt und sich kennengelernt. Silvia findet die Aktion super: "Ich finde das schön, wenn man ins Gespräch kommt, früher war das kein Problem. Aber heutzutage guckt jeder ins Smartphone rein, man kriegt nicht einmal Augenkontakt."
Vier Personen unterhalten sich in der "U35 Social Line"
Lukas ist allein hergekommen, er hat über eine Freundin von der Aktion erfahren. Sein erster Impuls: "Man setzt sich irgenwohin, wo keiner sitzt, hab ich auch erst gemacht. Und dann hab ich gemerkt: ist nicht Sinn der Sache und habe mich dann zu den anderen gesetzt" und so ist er mit Paul, Naima und Philipp ins Gespräch gekommen.
Das Ziel: ein Miteinander schaffen
Vorab konnten Zeit-Slots für die Gespräche gebucht werden. Man konnte aber auch spontan zusteigen. Viele der kostenlosen Tickets wurden schon vorher reserviert, aber, dass am Ende so viele Leute kommen, das hätte Tim Kramer von "Vereint Bochum" nicht erwartet.
Ich bin beseelt, es ist eine gute Stimmung, alle sind gut drauf. Ich hätte nie gedacht, dass so viele Menschen kommen. Tim Kramer, Vorstand "Vereint Bochum e. V."
Manche sind sogar mehrmals mit der "U35 Social Line" gefahren, um Gespräche fortzusetzen. Julian war drei Runden dabei, er wohnt seit 2019 in Bochum und wollte neue Leute kennenlernen: "Ich habe immer jemand anderen im Vierer gehabt. Man redet locker über Uni, aber auch über Sachen wie: was sind meine Pläne?" Julian hätte nicht gedacht, dass es so leicht wird, ins Gespräch zu kommen.
Das Ziel: ein Miteinander schaffen
Nach den U-Bahn-Fahrten treffen sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch im Foyer des BoGeStra-Gebäudes an der Haltestelle "Oskar-Hoffmann-Straße". Dort gab es Getränke, Snacks und die Gespräche konnten noch weiter vertieft werden.
Der Verein "Vereint Bochum" hat sich im Mai 2025 gegründet. Mit Aktionen wie diesen möchte das Team in Bochum Begegnungen und Gemeinschaft schaffen. Egal welches Alter, welcher Herkunft, welcher sozialer oder kultureller Hintergrund.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit "Vereint Bochum e.V."
- WDR-Reporterin vor Ort in der Bahn
- Interviews mit dem Team und Teilnehmenden
Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 22.01.2026, 12.31 Uhr