Wie einsam ist das Bergische Land?
WDR. 04:02 Min.. Verfügbar bis 23.06.2028.
Wir sind sehr gespannt: Mit einem Schild und zwei Stühlen setzen wir uns mitten in die kleine Fußgängerzone von Hückeswagen. Werden wir hier hier alleine bleiben? Oder traut sich jemand mit uns zu reden? Über sowas Intimes wie Einsamkeit ...
Es dauert gar nicht lange, da wird Asiba Gasaj von ihrer erwachsenen Tochter zu uns rüber geschoben. "Go, Mama, Go - dazu kannst du doch was sagen!" Und Asiba sagt, sie fühlt sich manchmal einsam. Weil sie so viel zu tun hat: Schichtarbeit und die pflegebdürftige Mutter zu Hause, die sie betreut. Da bleibt wenig Zeit für ihre Freundinnen. Die wohnen alle woanders, und seit Corona kommen alle viel seltener zu fröhlichen Abenden zusammen als früher.
"Gespräche helfen. Dann fühlt man sich auch nicht so allein." Asiba Gasaj, 49
Elisa Dörpinghaus ist fürs Studium nach Köln gezogen. Hier grüßt sie keiner auf dem Gehweg. Da sind viel mehr Leute, aber man kennt sich gar nicht so untereinander, sagt sie. Sie möchte wieder zurück nach Hückeswagen. Hier bringen sich die Nachbarn kleine Geschenke zu Ostern. Oder fragen nach, wie es einem geht, wenn jemand verstorben ist. Die Menschen sind hier verbindlich, erzählt sie - und das komme irgendwann zurück.
"Ich finde es eine schöne Vorstellung da zu wohnen, wo man die Leute kennt. Das ist ein Schutzfaktor gegen Einsamkeit. Aber man muss auch investieren." Elisa Dörpinghaus, 28
Und dann findet sich doch noch ein Mann, der sich traut, über Einsamkeit zusprechen. Georg Bremer ist mit seiner Tochter und Enkeltochter Eis essen. Er selbst fühlt sich überhaupt nicht einsam, sagt er. Aber was ihm auffalle: Viele alte Leute bleiben alleine. Für die müssten wir mehr machen. Er ist jetzt 69 und findet, er habe Glück, weil er oft mit seiner Familie zusammen sein kann.
"Es hat ja jeder nur noch für sich Zeit und nicht mehr für den Anderen. Die Anderen sieht man ja gar nicht mehr. Das ist traurig." Georg Bremer, 69
Inge Kopka hat nicht viel zu tun - sie ist 81 Jahre alt und spaziert den Tag über durch Hückeswagen. Sie hat uns den ganzen Nachmittag über bei den Dreharbeiten zugesehen. Als wir schon fast zusammen packen wollen, kommt sie doch und will mit uns reden: Denn sie findet es wichtig, über den Unterschied von allein sein und Einsamkeit zu sprechen. Gegen das Alleinsein könne man viel machen. Gegen Einsamkeit aber kann einem keiner helfen, sagt sie.
"Ich kann ja auch in einer Gruppe sein. Dann bin ich nicht alleine, lachen alle - und ich bin trotzdem einsam und traurig." Inge Kopka, 81
Auch Stefanie Schmidt kennt das Thema Einsamkeit. Sie wohnt in einem Mutter-Kind-Haus und erzählt, dass ihr Partner dort nur drei Mal die Woche zu Besuch kommen dürfe. Wenn er geht, fühlt sie sich sehr einsam, meint sie, dann sei sie fast wie alleinerziehend.
"Ich rufe dann eine andere Mutti an und die sagt dann, komm' du schaffst das." Stefanie Schmidt
Die Woche der Einsamkeit will uns sensibilisieren - mit vielen Aktionen in kleinen und großen Städten. Sie geht noch bis Sonntag (28.06.2026). Im Bergischen gibt es zum Beispiel die Plauderbank in Wermelskirchen. Hier können sich Leute unterhalten, die jemanden zum Reden brauchen.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 22.06.2026, 19:30 Uhr