Wie geht es den Feuersalamandern?

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Salamanderpest in Bielefeld Wie geht es den Feuersalamandern?

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Seit Herbst hat sich der Pilz Bsal im Botanischen Garten in Bielefeld ausgebreitet und zahlreiche Feuersalamander befallen. Der Pilz ist in der Regel tödlich für die auffällig schwarz-gelben Tiere.

Der Botanische Garten in Bielefeld war ein Feuersalamander-Paradies. Rund 21.000 Feuersalamander haben dort gelebt - bis die Salamanderpest im vergangenen Jahr kam. Im Herbst 2025 wurde das erste mit dem Pilz Bsal infizierte Tier gefunden. Viele weitere Tiere folgten.

Ein Forschungsteam aus der Verhaltensökologie der Uni Bielefeld beobachtet die Tiere seit Jahren. Mindestens einmal pro Woche sind die Forschenden im Botanischen Garten unterwegs - immer im Dunkeln und am liebsten, wenn es regnet - denn das mögen die Feuersalamander am liebsten.

Forschungsteam sucht und fotografiert Feuersalamander

Professorin Barbara Caspers leitet das Team: "Wir machen wöchentliche Monitorings und gucken, wie viele Feuersalamander wir sehen und die fotografieren wir dann." In einer Datenbank haben sie tausende verschiedene Feuersalamandern gespeichert. Durch ihre einzigartige Befleckung können sie gut unterschieden werden.

Drei Personen mit Stirnlampen schauen auf einen Busch

Das Forschungsteam der Uni sucht im Dunkeln nach den Feuersalamandern.

Die Professorin und ihr Team hoffen darauf, an diesem Abend Feuersalamander zu finden. Das war früher deutlich einfacher. Im Herbst 2023 haben sie in einer Nacht 388 Tiere fotografiert. Das war der Rekord. Von diesen Zahlen kann das Forschungsteam heute nur träumen. 2026 waren fünf an einem Abend Rekord. Grund dafür ist der Pilz Bsal, der sich hier seit vergangenem Jahr verbreitet hat.

Tödlicher Pilz Bsal

Im vergangenen Jahr wurden etwa 50 tote Tiere gefunden. "Der Pilz ist ansteckend und bleibt im Boden", erklärt Caspers. "Das heißt, da wo der Pilz mal war, wird er auch erstmal nicht wieder verschwinden."

"Dieser Pilz greift die Haut an und die Feuersalamander ersticken dann, weil ihre Haut nicht mehr funktioniert." Barbara Caspers

Hinweisschilder an den Eingängen des Gartens weisen auf den Pilz hin. Wer den Garten besucht, soll auf den Wegen bleiben und die Schuhe beim Verlassen desinfizieren.

Der Eingang des Botanischen Garten mit Hinweisschild auf den Pilz

Hinweisschilder an den Eingängen des Botanischen Gartens.

Nicht nur im Botanischen Garten wütet der Pilz, sondern auch im anliegenden Teutoburger Wald und östlichen Stadtgebiet.

Wie viele Feuersalamander haben überlebt?

Wie viele der Feuersalamander hier betroffen sind, wissen die Forschenden noch nicht. "Unsere Vermutung ist, dass einige gestorben sind", sagt Caspers. "Wir wissen aber nicht, was unterirdisch passiert. Wir wissen nicht, wie viele tot sind oder ob sie einfach nur ausharren und vielleicht im Herbst rauskommen." In diesem Jahr habe ihr Team noch kein einziges totes Tier gefunden, dafür 20 lebendige, die auch nicht infiziert aussahen.

Feuersalanderlarven in einem Gewässer

Feuersalamanderlarven können sich mit dem Pilz noch nicht anstecken.

Aktuell findet das Uni-Forschungsteam bei ihren Zählungen nur noch etwa ein Zentel im Vergleich zu der Zeit vor dem Pilz. Unter den gefundenen Tieren sind viele Weibchen, die vermutlich schwanger sind.

Hotspots von früher gibt es nicht mehr

Einer der Hotspots der Feuersalamander waren die Trockensteinmauern im Botanischen Garten. "Die Trockensteinmauern im Botanischen Garten sind ein besonderer Ort", sagt Doktorand Sean Grond. "Das sind lose aufgeschichtete Steine und es gibt Gänge, die gehen ganz tief ins Erdreich rein. Da sitzen die Feuersalamander drin." Heute schauen aber keine Feuersalamander-Augen aus den Gängen heraus.

Die meisten der Feuersalamander, die an Bsal verstorben sind, wurden laut dem Forschungsteam vor allem an den alten Hotspots gefunden - also da, wo eben viele Feuersalamander vorkommen. "Die Tiere, die wir jetzt lebendig sehen, sind eher in den Außenrändern, also da, wo vorher auch wenige waren", sagt Caspers. "Unsere Hoffnung ist, dass sie vielleicht deswegen da sind, weil sie sich einfach noch nicht infiziert haben oder vielleicht auch nicht infizieren werden."

Feuersalamanderlarven machen Hoffnung

Der Botanische Garten ist das Zuhause von vielen Tieren wie Schnecken, Fröschen oder Molchen. Nur von Feuersalamandern fehlt jede Spur.

Feuersalanderlarven in einem Gewässer

Feuersalamanderlarven in einem kleinen Gewässer.

In einem kleinen Gewässer macht das Team dann aber doch noch einen positiven Fund: Feuersalamander-Larven. Es muss also noch gesunde Weibchen geben, die ihre Larven hier abgelegt haben. Das macht den Forschenden Hoffnung, da eine Population so unter guten Bedingungen steht.

Die Larven selbst sind, solange sie im Wasser sind, sicher vor dem Pilz. Sie können sich aber anstecken, sobald sie ausgewachsen sind.

Noch ist unklar, wie viele Feuersalamander überlebt haben

An diesem Abend findet das Forschungsteam keinen einzigen Feuersalamander. Vor einem Jahr waren es noch zahlreiche.

"Das ist schon traurig. Vor ein, zwei Jahren hat man, zahlreiche Feuersalamander in einer Nacht gefunden. Jetzt sucht man wirklich händeringend und freut sich über einen oder zwei, die man findet." Barbara Caspers

Nächste Woche geht die Suche weiter. Wie schlimm der Pilz im Botanischen Garten gewütet hat und wie viele der 21.000 Feuersalamander noch leben, will das Forschungsteam in den nächsten Monaten herausfinden.

Wer selbst mal Feuersalamander sieht, kann der Uni ein Foto schicken. Das hilft dabei herauszufinden, wie viele überlebt haben.

Wie geht es den Feuersalamandern?

WDR Studios NRW 22.06.2026 00:25 Min. Verfügbar bis 21.06.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Gespräch mit Professorin Barbara Caspers
  • Gespräche mit dem Forschungsteam der Uni

Sendung: WDR.de, Wie geht es den Feuersalamandern?, 23.06.2026, 5:01 Uhr

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