Familie Ils musste über Nacht ausziehen
WDR. 02:31 Min.. Verfügbar bis 11.06.2028.
Am Wiedener Kreuz, Wuppertals wohl bekanntester Staustelle, kommt Florian Ils mit einem Päckchen in der Hand um die Ecke. Unglaublich, dass die Post noch zu ihm nach Hause liefert, wundert sich Ils und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Dabei ist die Situation alles andere als komisch.
Denn in das Haus, in dem Ils mit seiner Familie zur Miete wohnt, darf er gar nicht mehr rein. Das Fachwerkhaus am Verkehrsknoten Wiedener Kreuz gilt als einsturzgefährdet. Ein Metallzaun und Warnbarken umzingeln das schiefergedeckte Haus bis auf die Fahrbahn der stark befahrenen Kreuzung.
Für das Haus gilt: Betreten verboten!
Die Stadt hat das Gebäude versiegelt. Nun fordert sie den Eigentümer zum Abriss auf, wenn dieser kein belastbares Konzept für den Erhalt des Gebäudes vorlegen kann. Der WDR hat mehrfach über den Fall berichtet.
Über Nacht die Wohnung verloren
Das Gebäude, das für die Stadt eine "anhaltende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ darstellt, ist für Familie Ils ihr Zuhause. Florian Ils erinnert sich noch genau an den Morgen vor vier Wochen: Er kam gerade aus der Nachtschicht, seine Kinder waren schon in der Schule, als es ihn aus dem Schlaf riss. Das Haus müsse sofort geräumt werden. Die Familie konnte nur das Nötigste zusammenpacken.
Nur ein Mal durfte der Familienvater unter Aufsicht der Stadt in seine Wohnung. Die Familie hat sich dafür eigens eine Packliste vorgeschrieben: Pässe, Schulsachen für den Sohn, Lieblingsstofftier für die Tochter. Viel Zeit hatten sie ja nicht. Dann wurde die Tür verschlossen und versiegelt. Bis heute.
Die Familie sorgt sich vor allem darum, dass ihre Wohnung durch den Leerstand unbewohnbar werde. Noch am Abend vor der Räumung habe ein Supermarkt Lebensmittel geliefert, der Kühlschrank sei randvoll gewesen, sagt Ils. Nach der Räumung wurde dann der Strom abgestellt. Seine Sorge: Durch das Vergären könnten sich Gase entwickeln, die den Kühlschrank explodieren lassen. Nochmals in das Haus darf Familie Ils bis heute nicht, das sei zu gefährlich.
Etwa 100 Kilometer Schulweg
Kurzzeitig kam die vierköpfige Familie in einem Hotel unter, jetzt schlafen sie bei Verwandten. Die Kinder müssen deshalb jeden Tag bis zu 100 Kilometer Schulweg in Kauf nehmen. Sie alle leiden unter der Ungewissheit, wissen nicht, wie es mit ihrem Zuhause weitergeht. Trotzdem zeigt sich Ils und auch Hauseigentümer Eckehardt Rogge zuversichtlich: Man könne alle Bedenken der Stadt ausräumen und das Haus erhalten.
Den Optimismus, so wirkt es, haben alle Beteiligten behalten. Denn auch wenn der Ärger groß ist und die Stadt mit Abriss droht: Familie Ils hofft trotzdem, wieder in ihr gemietetes Haus am Wiedener Kreuz zurückzukehren.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Familie Ils
- Gespräch mit Hauseigentümer Eckehardt Rogge
- Pressemitteilung der Stadt Wuppertal
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 11.06.2026, 19.30 Uhr
