Missbrauch an Wuppertaler Grundschule?
02:54 Min.. Verfügbar bis 19.06.2028.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Gegen die Mitarbeiterin des Betreuungsvereins einer Wuppertaler Grundschule laufen seit Mitte Mai Ermittlungen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe. Der Verein, zuständig für die Nachmittagsbetreuung, hatte selbst Anzeige erstattet. Die Stadt Wuppertal war daraufhin in die Offensive gegangen und hatte die Öffentlichkeit über "einen Anfangsverdacht“ informiert.
Die betroffene Grundschule hatte daraufhin den Vertrag mit dem Betreuungsverein gekündigt. "Vorsorglich“, wie es hieß. In den Wochen danach wurden mehrere der Grundschüler von der Polizei befragt.
Kinder sagen nichts
Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert sagt jetzt, die bisherigen Ermittlungsergebnisse seien eindeutig.
"Die wesentlichen Zeugen, insbesondere die Kinder, die ja angeblich Feststellungen gemacht haben, sind vernommen worden. Wirklich substanziierte Vorwürfe haben sich daraus bislang nicht ergeben." Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert
So bei einem der Grundschüler. Der habe seinen Eltern erzählt, es habe einen sexuellen Übergriff gegeben. Baumert: "Dieses Kind hat bei der Vernehmung jegliche Angaben verweigert."
Weiterhin schwere Vorwürfe, aber keine Beweise
Anwalt Carsten Rebber vertritt Eltern eines mutmaßlich von den sexuellen Übergriffen betroffenen Schülers. Auch er sagt, die Befragung der Kinder sei schwierig gewesen. Trotzdem sei weiter die Rede von Übergriffen und Bestrafungen.
Eltern-Anwalt Carsten Rebber
"Es geht in die Richtung, dass die Kinder, wenn sie etwas falsch gemacht haben, in einen separaten Raum gebracht worden sind. Dort soll Missbrauch stattgefunden haben. Bis zu dem Punkt, dass die Kinder in einer Toilette fotografiert worden sein sollen, im nackten Zustand."
Sozial-Dezernentin Annette Berg plant neues Betreuungskonzept
Die Wuppertaler Anwältin Andrea Groß-Bölting vertritt die unter Verdacht stehende Betreuerin. Sie weist alle Vorwürfe zurück. "Soweit ich informiert bin, gibt es keinen konkreten Tatverdacht, weder für Missbrauch, noch für andere niederschwelligere Taten." Groß-Bölting übt auch Kritik an der Informationspolitik der Stadt. "Es kann nicht sein, dass von Stadt und Elterninitiativen die Staatsanwaltschaft erst sehr spät eingeschaltet wird, andererseits aber früh medial wirksam Vorwürfe erhoben werden."
Kritik und Neustart in Wupppertal
Der Stadt Wuppertal ist weiterhin wichtig, den Namen der betroffenen Grundschule aus den Schlagzeilen zu halten. Gleichzeitig passiere dort aber viel, sagt Sozial-Dezernentin Annette Berg.
"Wir haben ein Programm `Mein Körper gehört mir` in den Klassen durchgeführt. Um die Kinder sozusagen zu schützen, sie zu stärken in ihrer eigenen Wahrnehmung, ihnen auch Mut zu machen, Dinge, die sie unangenehm finden, auch mitzuteilen." Sozial-Dezernentin Annette Berg
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft
- Eltern-Anwalt
- Anwältin der Tatverdächtigen
- Recherche des WDR-Reporters
Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 19.06.2026, 16:31 Uhr
Sendung: WDR Bergisches Land, Lokalzeit, 19.06.2026, 18:09 Uhr
