Zement der Zukunft könnte Baubranche verändern

Lokalzeit aus Düsseldorf 27.04.2026 01:18 Min. Verfügbar bis 27.04.2028 WDR Von Peter Hild

Klimafreundlicher Baustoff aus Erkrath Zement der Zukunft könnte Baubranche verändern

Stand:

Ein Start-Up hat einen Ersatzstoff entwickelt, der CO2 binden kann. Das soll die Bauindustrie beim Klimaschutz voranbringen.

Die Bauindustrie zählt hierzulande zu den größten CO2-Verursachern. In einer kleinen, fast unscheinbaren Industriehalle am Rande von Erkrath steht nun eine mögliche Lösung für eine klimafreundlichere Zukunft der Branche.

Das Unternehmen "Co-reactive" eröffnet am Montag eine Anlage, mit dem es pro Jahr 1.000 Tonnen des neuartigen Zements produzieren kann. "Das ist der Game-Changer, damit wir auch in der Zementindustrie Klimaneutralität bis 2050 erreichen können", sagt Firmengründer Andreas Bremen selbstbewusst.

CO2 wird im neuen Stoff gebunden

Die Herstellung von Zement ist laut Weltwirtschaftsforum für rund acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die Bauindustrie, auch in NRW, für rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen. Das will das Erkrather Start-Up mit dem Ersatzstoff deutlich reduzieren.

Ein lächelnder junger Mann mit Helm vor einer großen Anlage

Firmengründer Andreas Bremen vor seiner Anlage

Durch eine chemische Reaktion mit Wasser, Mineralien und industriellen Abfallprodukten wird das CO2 fest und in dem neu entstandenen Trockenpulver gebunden - rund 300 Kilo bei einer Tonne neuem Zement. "Wir können so den ökologischen Fußabdruck des Zements halbieren", betont Firmenchef Bremen.

Start-Up: Mehr Energieeffizienz bei wenigen Zusatzkosten

Nicht nur für industrielle Hersteller sei ihr neues Produkt interessant, auch für private Bauherren, sagt Bremen: "Der Zement macht an den Gesamtkosten beim Hausbau nur wenige Prozent aus. Mit dem Einsatz unseres Ersatzstoffs können Bauherren ihre Energieeffizienz aber um eine Vielfaches verbessern."

Eine Schlüssel mit weißem, bröckigem Pulver vor einer Waage

So sieht der neue klimafreundliche Zementersatzstoff aus.

Fortlaufende Tests hätten bestätigt, dass der neue Baustoff genauso haltbar und leistungsfähig sei wie herkömmlicher Zement. In den vergangenen zwei Jahren hat das Start-Up intensiv an der Entwicklung des Zements gearbeitet, mit millionenschwerer Förderung, unter anderem der NRW.Bank.

Industrie interessiert, aber zurückhaltend

Massentauglich ist die 1.000-Tonnen-Anlage noch nicht. Ein herkömmlicher Zementhersteller schafft die hundertfache Menge im Jahr. Deshalb sucht das Unternehmen nun Partner in der Industrie, um Großanlagen für die Produktion finanzieren zu können.

Bauarbeiter auf Baugerüst in Köln-Ehrenfeld

Die Bauindustrie in NRW ist ein Hauptverursacher von CO2-Emissionen

Das Interesse der Hersteller sei zwar groß, so Andreas Bremen, aber die Baubranche sei insgesamt sehr konservativ und noch zurückhaltend. Ein Grund sei, dass es bisher noch nicht den Druck gebe, sich klimafreundlicher aufzustellen. Das werde sich mit steigendem CO2-Preis und den deutschen Klimazielen aber in den kommenden Jahren ändern, ist er sich sicher.

Das Ziel des Erkrather Start-Ups: Ihre Entwicklung exportieren und auch global nutzbar machen - und damit die Transformation der CO2-intensiven Bauindustrie ein großes Stück voranbringen.

Klimafreundlicher Zement aus Erkrath

WDR 27.04.2026 00:46 Min. Verfügbar bis 26.04.2028

Download

Unsere Quellen:

  • Start-Up "Co-reactive", Erkrath
  • WDR-Interview mit Firmengründer Andreas Bremen
  • Weltwirtschaftsforum
  • Ingenieurkammer-Bau NRW

Sendung: wdr.de, Klimafreundlicher Zement aus Erkrath, 27.04.2026, 10:30 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Kreis Mettmann

1 / 2