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Wie Bauen einfacher werden soll

Stand:

Die neue Bauordnung ist in den Landtag eingebracht worden. Der Entwurf sieht vor, dass zahlreiche Normen wegfallen sollen.

Wer bauen will, soll es künftig leichter haben, weil viele Vorschriften wegfallen sollen. Laut Gesetzentwurf müsste man sich künftig an weniger Normen halten.

Bauen in NRW soll einfacher werden

WDR Studios NRW 29.01.2026 00:40 Min. Verfügbar bis 29.01.2028 WDR Online

90 Prozent der DIN-Normen sollten nicht mehr beachtet werden, weil die nämlich oft nicht mehr die Regeln der Technik abbilden würden. Es sollten nur noch die Sicherheitsvorschriften gelten. Zum Beispiel: Keine Vorgabe mehr, wie viele Steckdosen in welchem Raum zu sein haben. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) sagt dem WDR: "Deswegen haben wir jetzt vorgeschlagen zu sagen: Wir bauen das jetzt radikal um".

Dem Gesetzentwurf ist ein längerer Prozess vorausgegangen, an dem sich Vertreter aus der Baubranche beteiligen konnten. Dabei ging es vor allem um die Vorschriften. Der Landesverband Haus & Grund Rheinland Westfalen teilt dazu am Donnerstag mit, dass der Gesetzentwurf ein sehr großer Sprung sei.

Die Rede ist von einem "baupolitischen Erdbeben", weil Bauen günstiger werden könnte. Der Mieterbund NRW warnt davor, dass der Wohnkomfort, vor allem beim Schallschutz, nicht auf der Strecke bleiben dürfe. Und günstigere Bauten sollten auch zu niedrigeren Neubaumieten führen.

Einfachere Genehmigungen oder keine mehr

Einfacher soll es auch werden, ein Gebäude aufzustocken und im Bestand zu bauen. Auch eine "Oldtimer-Regelung" soll dabei helfen, alte Gebäude unkomplizierter umzubauen. Eine Forderung, die schon lange und oft aus Architektenkreisen zu hören war.

Außerdem soll die Genehmigungsfiktion kommen. Das heißt, wenn drei Monate nach Eingang des Bauantrags keine Genehmigung vorliegt, darf trotzdem gebaut werden. Und es gelte "digital first" - die elektronische Antragstellung solle zum Standard werden, so Scharrenbach in ihrer Rede im Landtag. Die 212 Bauaufsichtsbehörden im Land hätten sich mit dem Ministerium auf den Weg gemacht.

Auch für Solaranlagen und Ladestationen für E-Autos braucht es keine Genehmigung mehr. "Weniger ist mehr", so fasst es Scharrenbach zusammen: Weniger Vorschriften sollen zu mehr Tempo führen.

Auch Kasernen verfahrensfrei

Zu sehen ist die Bergische Kaserne

Ähnliches soll für militärische Bauten wie Kasernen gelten: Auch sie sollen künftig kein Baugenehmigungsverfahren mehr benötigen. So könne NRW die Verteidigungsfähigkeit unterstützen. Das hatten das Bau- und das Finanzministerium bereits vergangene Woche mitgeteilt. Sie wollen außerdem den Denkmalschutz lockern. Wenn die Obere Denkmalbehörde nicht innerhalb eines Monats widerspricht, sollen die Arbeiten beginnen können.

Denkmalschützer hatten dazu in der Vergangenheit Bedenken geäußert. Die Änderung der Bauordnung ist bisher noch nicht beschlossen, sie wird ein Verfahren durchlaufen. Erwartet wird etwa eine umfangreiche Expertenanhörung im April.

Opposition sieht Potenzial

In der Debatte kritisierten die baupolitischen Sprecher Sebastian Watermeier (SPD) und Angela Freimuth (FDP), dass der Gesetzentwurf auf sich warten ließ. Das war auch in Ausschusssitzungen schon mal Thema. Nun ist der umfangreiche Gesetzentwurf kurzfristig eingereicht worden - das stieß der Opposition auf: "Kein guter Start", sagte Watermeier in der Debatte. Dennoch, im Interview sagt er: "Natürlich steckt in einer Änderung der Landesbauordnung Potential, um Bauen zu beschleunigen." Aber man müsse sich anschauen, wie die Fachwelt die Änderungen bewerte.

Angela Freimuth sagte, die Richtung stimme. Sie sprach von "wichtigen Weichenstellungen für mehr Pragmatismus im Bau" sowie ersten Schritten gegen "Normen-Wildwuchs". Und Carlo Clemens (AfD) sagte, auch seine Fraktion sehe die Notwendigkeit, schneller zu bauen.

Alle Fraktionen haben zugestimmt, den Entwurf an den Ausschuss weiterzuleiten. Damit kann das weitere gesetzliche Verfahren starten. Im Juli soll die neue Bauordnung in Kraft treten.

Unsere Quellen:

  • Gesetzentwurf Landesbauordnung
  • Landtagsdebatte am 29.01.2026
  • Interviews vor Ort

Sendung: WDR Nachrichten, 29.01.2026, 11:00 Uhr

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