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"So sehen Sieger aus", dröhnt es durch den Ratssaal im Hans-Sachs-Haus. Dazu Jubel und lautes Pfeifen. Mit breitem Lächeln kommt Andrea Henze in den Saal, begleitet von Kamerateams und Fotografen. Knapp 67 Prozent der Stimmen hat sie in der Stichwahl geholt.
"Ich freue mich über das Vertrauen, dieser Wahlsieg ist ein Zeichen für die Demokratie", ruft sie den vielen anwesenden SPD-Mitgliedern zu. Bei denen fällt die anfängliche Anspannung des Abends schnell ab. Denn schnell ist klar, dass Henze deutlich das Rennen macht. Im Landesvergleich war die Wahlbeteiligung mit 43,6 Prozent in Gelsenkirchen hoch.
AfD in Gelsenkirchen mit Ergebnis zufrieden
Zwei Etagen darüber feiert auch die AfD. In deutlich kleinerem Rahmen, denn einige Mitglieder beobachten die Auszählung in den Wahllokalen. So wie schon bei der Wahl vor zwei Wochen. Die, die da sind, stoßen mit Sekt an. Der Tenor: Jeder dritte hat die Partei gewählt - ein Erfolg.
"Wir haben den Kandidaten der Herzen", sagt die Gelsenkirchener AfD-Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias. Der so angesprochene Norbert Emmerich sitzt daneben und lächelt. Er sagt später: "Das ist ein hervorragendes Ergebnis, ich bin super zufrieden."
Neue Verhältnisse im Rat
Im neuen Rat in Gelsenkirchen ist die AfD die stärkste Oppositionspartei. "Wir wollen Anträge einbringen und versuchen Mehrheiten zu bekommen", sagt Emmerich, "mit SPD und CDU sind wir zum Beispiel gleicher Meinung, was die Sauberkeit angeht, mal gucken, ob wir uns da einig werden".
NRW-AfD-Landeschef Martin Vincentz guckt noch weiter: "Die Wahl war nur eine Zwischenetappe. In fünf Jahren erobern wir die Rathäuser", sagt er. Emmerich selbst wird dann nicht helfen. "Dann bin ich 77 Jahre alt und ich bin kein Helmut Schmidt, der mit 94 Jahren noch zu Hause am Schreibtisch sitzt", sagt er.
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Henze: Freude über deutlichen Sieg
Die SPD wartet im Hans-Sachs-Haus aufs Wahlergebnis.
Der neuen Gelsenkirchener Oberbürgermeisterin Henze ist klar, dass jetzt viel Arbeit auf sie wartet. Und sie die Menschen wieder zusammenbringen muss. Auch im Hinblick auf das starke AfD-Ergebnis.
"Ich habe einen klaren Aufstiegsplan mit vielen unterschiedlichen Maßnahmen", verspricht sie. "Wenn wir den umsetzen, dann denke ich, dass die Bürgerinnen und Bürger auch wieder das Vertrauen in die SPD haben werden."
Hier findet ihr alle Wahlergebnisse für Gelsenkirchen:
Wer mehr über einzelne Kandidatinnen und Kandidaten erfahren möchte, findet viele Informationen im Kandidat:innencheck zur Kommunalwahl 2025.
Rückblick: Erster Wahlgang am 14. September
"Mein Ziel war die Stichwahl und die habe ich erreicht, deshalb freue ich mich über das Ergebnis", sagt Henze am Abend des ersten Wahlgangs. Kurz vorher ist sie unter großem Jubel im Ratssaal des Hans-Sachs-Hauses angekommen. Da, wo die SPD ihre Wahlparty veranstaltet. Viele SPD-Mitglieder sind gekommen, um ihre Kandidatin zu feiern.
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"Wir gehen jetzt mit voller Energie in die Verlängerung", ruft Henze den Genossen zu. Dabei setzt sie auch auf die Wähler, die in der ersten Runde noch ihr Kreuz bei anderen Kandidaten gemacht haben. Vor allem bei der CDU. Deren Spitzenkandidatin Laura Rosen umarmt Henze später herzlich.
CDU: "Den Arsch aufgerissen"
Ansonsten gibt es bei der CDU an diesem Abend vor allem lange Gesichter. Auch ihre Wahlparty ist gut besucht. Um kurz nach 18 Uhr gibt es dort Applaus und Jubel. CDU-Fraktionschef Sascha Kurth dankt Kandidatin Rosen, "dass sie sich in den letzten Wochen den Arsch aufgerissen hat".
Da sind alle noch zuversichtlich, dass es für die Stichwahl reichen wird. Schnell wird an diesem Abend aber klar: Andere Kandidaten machen das Rennen.
Gelsenkirchener AfD: "Wählerschaft zementiert"
AfD mit OB-Kandidat Norbert Emmerich (2. v.l.) bei der Kommunalwahl im Gelsenkirchener Rathaus
Bei der AfD im Gelsenkirchener Rathaus gibt es nach der ersten landesweiten Prognose Applaus. Allerdings von wenigen Parteimitgliedern. Viele beobachten lieber die Auszählung der Stimmen in den Wahllokalen. "Das ist eigentlich kein Misstrauen", sagt Spitzenkanidat Norbert Emmerich. "Ich als alter Banker sage, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser".
Emmerich ist sichtlich zufrieden damit, dass er es klar in die Stichwahl geschafft hat. Ob er sich in zwei Wochen Chancen ausrechnet? "In der Wahlkabine ist jeder sein freier Geist und kann entscheiden: Will ich eine Veränderung oder weiter so?", sagt er. Das Ziel Stichwahl hat die AfD also erreicht. Bei den Wahlen zum Rat ist sie allerdings knapp hinter der SPD gelandet. Trotzdem sagt die Gelsenkirchener Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias im Interview mit dem WDR: "Wir haben unsere Wählerschaft zementiert."
Pläne nach dem ersten Wahlgang
In den nächsten zwei Wochen wollen Henze und Emmerich vor allem zuhören. "Wenn ich nicht zuhöre, kann ich auch keine Lösung anbieten", sagt Emmerich. Henze will weiter ihren "Aufstiegsplan" für Gelsenkirchen vorstellen und mit den Wählern ins Gespräch kommen. "Da hoffe ich die anderen demokratischen Parteien an meiner Seite", sagt sie und geht damit zuversichtlich in die Stichwahl in zwei Wochen.
Unsere Quellen:
- Stadt Gelsenkirchen
- Infratest dimap
- WDR-Reporter vor Ort