Neue Gewählte: Jung und weiblich bleiben Ausnahmen
Stand:
Miriam Scherff hat es geschafft. Sie wird neue Oberbürgermeisterin in Wuppertal. Viele Amtskolleginnen wird sie in NRW nicht haben.
Von
Jörn Kießler und
Rainer Striewski
Am Ende gewann sie deutlich: Mit 74,6 Prozent der Stimmen wurde Miriam Scherff (SPD) am Sonntag zur neuen Oberbürgermeisterin von Wuppertal gewählt. Damit nimmt erstmals seit 1996 wieder eine Frau auf dem Sitz an der Spitze der Verwaltung Platz, auf dem schon Johannes Rau saß.
Deutlich weniger Kandidatinnen
Miriam Scherff ist neue OB in Wuppertal
Doch viele Amtskolleginnen in NRW wird Scherff nicht haben. Betrachtet man nur die Kreise und kreisfreien Städte in NRW, haben sich bei den Stichwahlen 69 Männer um die Posten an der Spitze der Verwaltung beworben - und nur 17 Frauen. Durchgesetzt haben sie sich schließlich nur in sechs Kreisen und kreisfreien Städten (Kreis Gütersloh, Kreis Mettmann, Rhein-Kreis Neuss, Bielefeld, Gelsenkirchen und Wuppertal).
Hinweis 19:20 Uhr: Die Stadt Mülheim hat bekanntgegeben, dass Nadia Khalaf (SPD) irrtümlich Stimmen zugeordnet wurden, die eigentlich Amtsinhaber Marc Buchholz (CDU) zustehen. "Die Korrektur führt dazu, dass - gegenüber dem vorläufigen Endergebnis des Wahlabends - der amtierende Oberbürgermeister Marc Buchholz bei der Stichwahl mit mehr als 100 Stimmen die Mehrheit der Stimmen erzielt hat,", teilt die Stadt mit. Der Wahlausschuss werde das Ergebnis am 2. Oktober bestätigen.
Vor fünf Jahren waren bei den Oberbürgermeistern und Landräten ebenfalls sechs der Posten mit Frauen besetzt.
"Alltäglicher Sexismus" in der Politik
Der politische Betrieb ist bis heute männlich geprägt, erklärt die Politologin Helga Lukoschat: "Wir haben Untersuchungen gemacht, die zeigen, dass Frauen weniger Zugänge zu Netzwerken haben, dass sie mehr leisten müssen." Außerdem würde es einen "alltäglichen Sexismus" in der Politik geben, so Lukoschat. "Damit ist gemeint, dass Frauen zum Beispiel weniger ernst genommen werden, dass ihre Beiträge lächerlicher gemacht werden."
Mit 36 Jahren an der Spitze der Verwaltung
Miriam Scherff ist auch eine der jüngsten Oberbürgermeisterinnen in NRW. Sie ist - wie auch ihre neue Kollegin Christiana Bauer (CDU) aus Bielefeld - 36 Jahre alt.
Jünger als 35 Jahre ist keine Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister in NRW - anders als bei den Bürgermeistern der kreisangehörigen Städte und Gemeinden. In Burbach und Siegen konnten sich Jonas Becker (CDU) und Tristan Vitt (SPD) durchsetzen, beide sind 27 Jahre jung.
Über das Thema berichten wir am Montag (29.09.) im WDR 5 Westblick um 17.04 Uhr.
Unsere Quellen:
- Wahlergebnisse NRW
- Infratest dimap
- Helga Lukoschat im Interview