Cold Case: Lieselotte Hohlmann wurde 1997 Opfer eines Gewaltverbrechens in Essen
Polizei hofft auf Hinweise: Wird der Mord an Lieselotte Hohlmann bald aufgeklärt?
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Die wohlhabende Witwe Lieselotte Hohlmann wird im Eingangsbereich ihres Hauses in Essen-Burgaltendorf brutal erschlagen. Der Täter nimmt ihre Handtasche an sich - lässt aber möglicherweise eine Spur zurück, die den Ermittlern heute Hoffnung macht.
Was ist passiert?
Es ist Mittwoch, der 27. August 1997. Hilferufe hallen durch eine Straße in Essen-Burgaltendorf. Es sind vermutlich die letzten Rufe von Lieselotte Hohlmann. Rund 24 Stunden später wird die 78-jährige Witwe tot in ihrem Haus gefunden.
Jutta F. (Name geändert), eine Bekannte Hohlmanns, versucht immer wieder, die Millionärin telefonisch zu erreichen. Als sie auch am frühen Donnerstagabend scheitert, wird sie unruhig. Dass Hohlmann sich nicht meldet, ist ungewöhnlich. Nach der Arbeit fährt sie zu dem Anwesen der Rentnerin. Am schmiedeeisernen Tor klingelt und klopft sie - keine Reaktion. Gemeinsam mit einem Nachbarn klettert Jutta F. schließlich über das Tor. Durch ein gekipptes Fenster im hinteren Bereich gelangt sie in das Haus.
Drinnen macht sie eine Entdeckung, die sie bis heute verfolgt: Hohlmann liegt im Morgenmantel leblos auf der Treppe. "Dieses Bild hat sich eingebrannt. Für immer", sagt sie.
Die Polizei spricht von Übertötung. Der Täter habe mehrfach zugeschlagen, um sicherzugehen, erklärt Kriminalkommissar Dustin Wisnewski, Leiter der Essener Cold-Case-Ermittlungen. Wie es zu der Tat kam, ist bis heute ungeklärt. Zwei mögliche Szenarien stehen im Raum.
Theorie 1: Der Täter war ein Bekannter
Eine zentrale Frage treibt die Ermittler um: Wie gelangte der Täter ins Haus? Einbruchspuren gibt es keine. Möglich also, dass Hohlmann selbst die Tür öffnete.
Allerdings beschreiben Bekannte und Angestellte die Millionärin als zurückgezogen und äußerst vorsichtig. Unangemeldete Besucher ließ sie nicht ein. Bevor sie öffnete, prüfte sie durch ein Fenster am Eingang, wer vor der Tür stand. Zudem führte sie akribisch Buch: In einem Notizheft hielt sie sämtliche Besuche fest. Dieses Notizbuch ist verschwunden.
Hat Hohlmann darin etwas festgehalten, das den Täter hätte belasten können? Und nahm er das Heft deshalb an sich? Eine offene Frage, die bis heute nicht beantwortet ist.
Gehstock mit Pferdekopf: So könnte die mögliche Tatwaffe ausgesehen haben
Vor dem Haus entdeckten Beamte einen Holzsplitter, der zu einem Gehstock mit Pferdekopf gehört haben soll. Der Stock selbst ist bis heute verschwunden.
Theorie 2: Ein Einbruch mit tödlicher Eskalation
Hohlmanns Bekannte Jutta F. und Nachbar Rainer Lorenz halten ein anderes Szenario für plausibel. Drei Jahre vor ihrem Tod hatte Hohlmann einen schweren Unfall erlitten. Seitdem musste sie sich morgens den Fuß verbinden. Den alten Verband entsorgte sie täglich in der Mülltonne vor dem Haus. Kurz vor der Tat war die Mülltonne von der Müllabfuhr geleert worden - der Verband war das einzige, was sich darin befand.
Luftaufnahmen des Anwesens von Lieselotte Hohlmann in Essen-Burgaltendorf
Die Theorie: Der Täter könnte sich im Garten versteckt haben, bis die Witwe das Haus verließ, um den Müll hinauszubringen. Den Moment der offenen Haustür nutzte er, um unbemerkt ins Haus zu gelangen. Möglicherweise ging er direkt in den Keller, wo sich hinter Regalen ein Safe befand. Um jedes Geräusch wahrzunehmen, könnte er Kühlschränke und Truhen ausgeschaltet haben.
Vielleicht hörte Lieselotte Hohlmann doch etwas. Ging die Treppe hinunter. Traf im Eingangsbereich auf den Täter. Dort kam es zum Angriff. "Ist auch durchaus denkbar", sagt Ermittler Dustin Wisnewski.
Mehrere Zeugen berichten, dass sich in den Tagen vor der Tat ein Mann im Alter zwischen 50 und 60 Jahren im Ortsteil Essen-Burgaltendorf nach Hohlmann erkundigt haben soll. Er sei mit einer Limousine unterwegs gewesen, möglicherweise einem Daimler oder Audi. Er habe angegeben, ein alter Freund zu sein und sie besuchen zu wollen. Weder das Fahrzeug noch der Mann konnten identifiziert werden. Sicher ist nur: Er stammte nicht aus Essen.
Dem Mörder auf den Fersen?
Im August 2024 greift die Polizei Essen den Fall in einer Folge ihres Podcasts "Pottcast Ungelöst - Der Krimi-Podcast der Polizei Essen" auf. Ermittler Wisnewski sagt dort einen Satz, der aufhorchen lässt: "Wenn ich der Mörder wäre, würde ich jetzt nervös werden."
Der Grund: Asservate aus dem Jahr 1997 wurden erneut untersucht. In der Nähe der Leiche fanden sich drei DNA-Spuren. Zwei konnten Personen zugeordnet werden, die berechtigt vor Ort waren. Eine Spur jedoch bleibt unbekannt. Ein DNA-Profil existiert - bislang ohne Treffer in den Datenbanken. Wisnewski hofft, dass sich das ändert. Etwa dann, wenn der Täter erneut straffällig wird und seine DNA erfasst wird. Bis dahin setzt die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung. Jeder Hinweis werde geprüft.
Dieser Beitrag liefert Informationen zum YouTube-Film von WDR Lokalzeit MordOrte "Ermittler sind dem Täter auf der Spur" vom 02.02.2026, 17 Uhr.
