Sparpläne bei Thyssenkrupp Steel
WDR. 03:17 Min.. Verfügbar bis 19.05.2028.
Raphael Taverna hat sein ganzes Berufsleben für Thyssenkrupp Steel gearbeitet. Und er will auch nichts Anderes. Aber das bedeutet für den 28-Jährigen: permanentes Bangen um seine Zukunft.
"Die Lage ist sehr schwierig. Wir hören wenig Positives, mehr Negatives. Wir wissen alle nicht, was mit unseren Arbeitsplätzen passiert, egal ob jung oder alt."
Raphael Taverna, Verwaltungsmitarbeiter Thyssenkrupp Steel
Seit Jahren ist der Ruhrgebiets-Traditionskonzern in der Krise. 40% der zur Zeit noch 18.000 Arbeitsplätzen im Ruhrgebiet will Thyssenkrupp Steel in den nächsten sechs Jahren ausgliedern oder abbauen. Und eigentlich soll die Sparte auch verkauft werden. Nur: Immer wieder scheitern Gespräche mit möglichen Investoren - erst vor Kurzem setzte Thyssenkrupp die Verhandlungen mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel aus.
Kritik: Infos für die Angestellten - oder nur aus den Medien
Für die Angestellten bedeutet das große Unsicherheit. Taverna kritisiert: "Wir sind die Allerletzten, die dann irgendwie was davon mitbekommen." Oft erfahre er richtungsweisende Nachrichten selbst nur aus den Medien.
Schon als Azubi demonstrierte Raphael Taverna 2020 für den Erhalt der Stahlsparte
Das erste Mal getroffen haben wir Raphael Taverna 2020. Damals war er noch Azubi - und bei einer großen Demonstration in Düsseldorf. Schon damals sagte er: "Wenn wir verkauft werden, fürchten wir, dass das Werk geschlossen wird."
Liebe für den Job, trotz ständigem Bangen
Raphael Taverna 2024 an der Mahnwache
Vier Jahre später, 2024: Raphael Taverna ist bei der Mahnwache der Gewerkschaft, mit der sie damals dauerhaft vor Werkstor 1 in Duisburg demonstrierten. Im Konflikt um immer neue Sparvorgaben, war gerade der frühere Bundesminister Sigmar Gabriel (SPD) als Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel zurückgetreten.
Raphael Taverna, damals bereits in Duisburg im Einkauf für den Stahlkonzern tätig, sagte uns: "Ich liebe diesen Job. Aber man hat jeden Tag Angst, ihn zu verlieren."
Konzern: Zu viele Mitarbeiter pro Tonne Stahl
Raphael Taverna (l.) mit Dzenan Kurspahic vom Gesamtbetriebsrat
So geht es ihm heute, zwei Jahre später, noch immer. Und nicht nur ihm. Die Zahl der Mitarbeiter pro Tonne Stahl sei zu groß um international konkurrenzfähig zu sein, argumentiert der Konzern. Taverna berichtet von Stundenkürzungen und damit verbundenen Gehaltseinbußen. Auch der Betriebsrat sagt: Mittlerweile hätten viele das Vertrauen in die Vorstände des Gesamtkonzerns verloren - und wären zum Teil sogar für einen Verkauf.
"Wenn man die Kolleginnen und Kollegen hier fragt, wie sie sich von der Thyssenkrupp AG, von der Mutter behandelt fühlen, dann wird man nicht das Ergebnis hören, man fühlt sich wohl in den Händen der Thyssenkrupp AG. Ganz im Gegenteil." Dzenan Kurspahic, Geschäftsführer Gesamtbetriebsrat Thyssenkrupp Steel
Die Pressestelle von Thyssenkrupp Steel schreibt uns: Das Unternehmen nehme die Sorgen der Belegschaft ernst. Die Transformation zur klimaneutralen und konkurrenzfähigen Stahlproduktion, sei eine große Herausforderung. Aber man versuche, sie sozialverträglich und mit individuellen Beratungsangeboten für Mitarbeitende zu meistern. Das Ziel sei: "Duisburg und das Ruhrgebiet als starken Industriestandort zu erhalten".
Hat Stahl aus dem Ruhrpott noch eine Chance?
Raphael Taverna hofft auf Zukunft für den Traditionskonzern
Raphael Taverna würde sich genau das wünschen. "Weil Stahl einfach zu Duisburg gehört!" Sein Vater war Bergmann. Er möchte nicht der nächste in der Familie sein, der das Ende einer ganzen Industrie erlebt.
Unsere Quellen:
- Mehrere Treffen mit Raphael Taverna über sechs Jahre
- Interview mit Dzenan Kurspahic, Geschäftsführer Gesamtbetriebsrat Thyssenkrupp Steel
- Stellungnahme Thyssenkrupp Steel
Sendung: WDR.de, Sparpläne bei ThyssenKrupp Steel, 21.05.2026, 05:02 Uhr
