Rheinmetall: Warum sind Rüstungsunternehmen plötzlich die Guten?
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Es läuft bei Rheinmetall. Das Unternehmen hat sich attraktiv gemacht als Arbeitgeber, der Aktienkurs steigt und steigt. Warum konnte die Düsseldorfer Waffenschmiede ihr Image offenbar deutlich verbessern?
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Jetzt mitdiskutierenRheinmetall boomt. Und Rheinmetall expandiert. Das Düsseldorfer Rüstungsunternehmen ist mit dem neuen Standort in Weeze in den militärischen Flugzeugbau eingestiegen. Am Niederrhein werden künftig Rumpfmittelteile für die strategisch wichtigen F-35–Kampfjets hergestellt.
Ministerpräsident Wüst mit Rheinmetall-Chef Papperger (l.) im Rheinmetall-Werk in Weeze
Zur Eröffnung des Werks kam auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Das verdeutlicht: Die Rüstungssparte hat ihr Image aufpolieren können. Nicht nur, dass der Aktienkurs von Rheinmetall in schwindelerregende Höhen abgehoben ist, das Unternehmen ist mittlerweile auch ein Job-Motor in der Industriesparte.
Waffenproduktion hat ihren Schrecken verloren
Die Mitarbeiterzahl soll binnen zwei Jahren um ein Viertel auf 40.000 steigen. "Es geht hier auch um eine Standortfrage", ordnet WDR-Wirtschaftsexperte Ulrich Ueckerseifer ein: "NRW hat im Wesentlichen nur Rheinmetall als Rüstungsbetrieb im Land." Es gehe also hier um Industriepolitik, Ansiedlung von Unternehmen und "am Ende um Steuereinnahmen. Mir scheint die Landesregierung da sehr offen. Die Grünen sind ja auch nicht mehr die Friedensbewegung der 1980er Jahre", so Ueckerseifer. "Sie haben sich beim Thema Waffenlieferung in die Ukraine sehr offen gezeigt."
Angesichts eines Krieges in Europa, einer offensichtlichen Bedrohung durch Russland und des nicht mehr verlässlichen großen Bruders aus den USA hat die Rüstungsindustrie einen erstaunlichen gesellschaftlichen Wandel vollzogen. Und nicht nur das: Der Börsenkurs von Rheinmetall ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 etwa um das 18-fache gestiegen. Das macht das Unternehmen natürlich auch für Kleinanleger attraktiv.
"Die Kurse sind deutlich gestiegen, vor allem in den letzten Monaten durch das deutsche Sondervermögen für das Militär und das 5-Prozent-Ziel der NATO bei den Rüstungsausgaben", erklärt Timo Halbe, Experte für Geldanlagen bei "Finanztip" im WDR.
Vorsicht: "An der Börse werden auch Erwartungen gehandelt"
Aber geht das so weiter? Kennt der Aktienkurs weiterhin nur eine Richtung, nämlich die nach oben? Halbe ist vorsichtig: "So klar lässt sich das nicht absehen, ob die Kurse weiter steigen. An der Börse werden auch Erwartungen gehandelt. Falls diese Erwartungen enttäuscht werden, kann es passieren, dass die Kurse nicht weiter steigen. Bei Rheinmetall ging es jetzt sogar ein bisschen runter. Es ist schon eine Wette, die nicht unriskant ist", so der Analyst.
Derzeit geht es Rheinmetall gut. Im Jahr 2024 lag der Umsatz bei 9,751 Milliarden Euro. 2021, also vor Beginn des Krieges in der Ukraine, war es mit 5,658 Mrd. Euro nur gut die Hälfte. Das operative Konzernergebnis kletterte deutlich um 61 Prozent auf einen Spitzenwert von knapp 1,5 Mrd. Euro. Rheinmetall profitiert offensichtlich enorm von dem Krieg vor unserer Haustür.
Profitiert auch NRW? Ueckerseifer erklärt, dass in NRW Rüstungsunternehmen keine große Rolle spielten. Es gebe Zulieferer, aber keine puren Rüstungsunternehmen - außer Rheinmetall. Das Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie liege in Süddeutschland. "Die Rüstungshauptstadt Deutschlands ist eindeutig München", so Ueckerseifer.
Gerade deshalb spielt Rheinmetall für das Industrieland NRW eine so wichtige Rolle. Am strukturschwachen Niederrhein entstehen in Weeze auf rund 60.000 Quadratmetern nun mehr als 400 Arbeitsplätze.
Und Rheinmetall lockt junge Arbeitskräfte mit attraktiven Konditionen. Erfolgsbeteiligung, ein Aktienkaufprogramm, betriebliche Altersvorsorge und ein umfassendes Gesundheitsmanagement mit vielen Sportangeboten machen die Firma attraktiv.
"Früher war Rüstung so verpönt wie Pornografie"
Prof. Dominik Enste vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln
"Unsere Wertvorstellungen verändern sich im Laufe der Zeit", so kommentiert Prof. Dominik Enste vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im Gespräch mit dem WDR die aktuelle Situation: "Nehmen wir die Sexualmoral, die hat sich im Laufe der Zeit sehr gewandelt. In den 1960er Jahren war Homosexualität zum Beispiel noch tabu", so der Wirtschaftsethiker. "Und bis vor kurzem war in Rüstung investieren so verpönt wie Glücksspiel oder Pornografie", sagt Enste.
"Aber seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich die Realpolitik gewandelt. Rheinmetall ist zu einem Unternehmen geworden, mit dem die öffentliche Freiheit und die Demokratie verteidigt werden." Dieser Wandel sei in vielen Bereichen spürbar: "Muss man nur die Grünen nehmen, da haben auch viele Politiker den Wandel vollzogen. Und diesen 'Wind of Change' hat Rheinmetall gut genutzt."
"Moral verändert sich, ist aber nicht willkürlich"
"Die Moral hat sich einfach verändert", so Enste. "Sie ist einem Wandel unterworfen, aber nicht willkürlich. Es gibt ja gute Gründe, warum Rüstungsunternehmen nun anders wahrgenommen werden", sagt der Experte. Enste schränkt aber ein: Der Blick auf die Rüstung müsse weiter differenziert bleiben. Es sei schon ein Unterschied, ob Streubomben hergestellt würden oder Flugzeugteile.
Unsere Quellen:
- WDR5-Morgenecho: Interview mit Timo Halbe, Experte für Geldanlagen bei Finanztip
- WDR5-Morgenecho: Interview mit WDR-Wirtschaftsexperte Ulrich Ueckerseifer
- Gespräch mit Prof. Dr. Dominik Enste, Wirtschaftsethiker vom Institut der Deutschen Wirtschaft
- Rheinmetall als Arbeitgeber: Informationen von rheinmetall.com
- Statista: Bilanzen von Rheinmetall
- Agentur dpa

17 Kommentare
Kommentar 17: Überspannung schreibt am 03.07.2025, 12:10 Uhr :
Lieber Stromsteuer für private Haushalte senken als die Rüstungsausgaben so extrem in Höhe treiben. Alle Haushalte egal ob öffentlich oder privat stehen unter Spannung und mit Geld drucken verlagert man die Probleme nur. Stromsteuer steht hier nur als Beispiel für einen lange Liste. Die Bedrohung durch Russland oder andere hatte sich nie geändert und ist nur aus einem ganz bestimmten reduzierten Blickwinkel „offensichtlich“. Was sich vor einem Jahrzehnt geändert hatte war Obamas Drang auf der ganzen Welt unliebsame Regierungen auszutauschen, was heute nicht mehr so als Rezept für mehr Sicherheit angesehen wird sondern eher im Gegenteil. Bei mir hat sich das Image von Waffenschmieden nicht verbessert, dafür braucht man ein Weltbild das ich nicht habe.
Kommentar 16: Franziska 1 schreibt am 02.07.2025, 20:41 Uhr :
Waffenproduktion bei der Rüstungsindustrie hat seine Schrecken verloren?Ja, wenn es ums Geld geht, dann frisst der Teufel sogar Fliegen. Rheinmetall &Co schafft mehr Arbeitsplätze? Leider sind diese Produktionsstätten nicht so ganz moralisch astrein. Der Konzern will was gutes produzieren, wenn das Material jedoch zerstört ist, dann reißt das Projekt auch Soldaten und Zivile mit ins Grab. Dafür kaufe ich kein Aktien, ich würde für den Rest meines Lebens mir Vorwürfe machen. Politiker haben sich so in Waffen verliebt, dass es ohne sie keinen Frieden mehr geben wird? Was haben nur die Generationen vor uns gemacht, dass sie 80 Jahre trotz mancher brenzlicher Situation auf der Welt, Frieden halten konnten? Die KI ist eine Meisterleistung, leider auch für Krieg. Ohne Waffen geht nichts mehr? Ohne Vernunft auch nicht! Da fehlt es bei Putin und der Ukraine. Lieber opfert man Menschen für ihre eigenenVisionen in Zukunft. Ich schwimm gegen den Strom?Dafür denk ich als Mensch human!
Kommentar 15: Paul S. schreibt am 02.07.2025, 18:09 Uhr :
Die Positionen zum Frieden für die Ukraine- Kriegsparteien liegen weit auseinander, von Einigkeit keine Spur. Die Schokoladenseite verbucht Rheinmetall und andere Rüstungsunternehmer. Wir haben so viele Kriegsexperten, welcher schafft es das die Waffen beim UKR- Krieg mal schweigen? Keiner zuständig? Somit liegt es an Putin und Selenskyj, die kein Ende finden um den Krieg zu beenden. Verhandlungsvorschläge von außerhalb sind für die Katz, wenn keiner von Beiden ernsthaft Frieden will. Somit bleibt nur die Rüstungsindustrie die ihre Gewinne verbuchen können.
Kommentar 14: Anonym schreibt am 02.07.2025, 15:51 Uhr :
Jahrelang hat sich Rheinmetall von der Automotiven Sparte die Rüstung subventionieren lassen. Jetzt wo Automotive kriselt, soll diese Sparte verkauft werden.
Kommentar 13: Brigitta S. schreibt am 02.07.2025, 11:50 Uhr :
Deutschland macht sich mobil, wobei es Schulden macht während Rheinmetall mit Gewinn profitiert. „Der Börsenkurs von Rheinmetall ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 etwa um das 18-fache gestiegen“. Zitat. Denkt keiner mehr daran das schon mal in dieser Zeit von einem Skandal mit Korruptheit gesprochen wurde? Für wen, für welche Partei wurde Geld gesponsert von der Rüstungslobby? Gras wächst darüber? Es entwickelt sich eine Massen- Herdenmentalität für die Rüstungsindustrie, der Tod durch Waffen wird unbezahlbar, wenn der Ukraine- Krieg nicht mehr zu stoppen ist. Die Rüstungsunternehmer nennt man plötzlich die Guten? Eine Schande, wenn bei dem Leid, Elend und viele Tote was der Krieg hervorruft gesagt wird: „Rheinmetall ist zu einem Unternehmen geworden, mit dem die öffentliche Freiheit und die Demokratie verteidigt werden". Zitat. Man rechnet evtl. mit Krieg in X- Jahren, muss dafür viel Aufrüsten? Bis dahin wird weiter gekämpft bis zum bitteren Ende?
Antwort von K-H R. , geschrieben am 02.07.2025, 12:19 Uhr :
Vor 1990 lagen die Verteidigungsausgaben bei 2,5-3,00% des BIP, somit im Rahmen. Durch die Wiedervereinigung 1990 wurde durch diese Kosten, der Wehretat bis Ende der 90 er, auf 1,4% des BIP zurück gefahren,weil das Geld woanders gebraucht wurde. Um die BW. wieder Friedenstüchtig (nicht Kriegs tüchtig) muss jetzt leider viel Geld in die Hand genommen werden, das geht nur über Kredite, der Bund hat kein Festgeldkonto worauf er zurück greifen kann. Ob Rheinmetall oder andere Rüstungskonzerne in Deutschland, kann man nicht als die Guten bezeichnen, sie sollen der Republik nur helfen sich gegen Aggressoren zu verteidigen und davon gibt es einige auf der Welt!
Kommentar 12: Kat schreibt am 02.07.2025, 10:00 Uhr :
Sie sind ja nicht die Guten. Das behaupten nur gewisse Medien. Bitte weltweit sämtliche Rüstungsindustrie abschaffen!!!
Antwort von K-H R. , geschrieben am 02.07.2025, 15:16 Uhr :
Deutschland hat Anfang 1990 er Jahren mit der Reduzierung der Verteidigungsausgaben begonnen, von 60 Mrd. US-Dollar bis zum Ende der 90 er Jahre auf unter 40 Mrd.US-Dollar. Im gleichen Zeitrahmen stiegen die weltweiten Militärausgaben von 1Billion US-Dollar bis zum Ende der Dekade auf über 1,1 Billion US-Dollar. Wären alle Länder der Reduzierung damals gefolgt, würde wir heute nicht da stehen, wo wir jetzt sind und man wäre ihrer Bitte vielleicht ein Stück näher gekommen, so bleibt es nur eine Bitte, die nicht erfüllt wird.
Antwort von Joachim Krupp , geschrieben am 02.07.2025, 21:46 Uhr :
Träumen Sie weiter.🙈🙊🙉
Kommentar 11: FünfVorZwölf schreibt am 02.07.2025, 09:39 Uhr :
Notwendig bitte nicht mit Gut verwechseln! Hätten wir keinen größenwahnsinnigen Kriegsverbrecher im Osten und den neuen orangen Idioten im Westen, wäre alles viel friedlicher. Die Zeiten sind leider vorbei.
Kommentar 10: Elena - 1984 schreibt am 02.07.2025, 09:15 Uhr :
Rüstungsunternehmen sind nicht die Guten sondern im Hinblick auf Erhaltung und Verteidigung der Freiheit leider die Notwendigen. Phantasien von einer Welt ohne Waffen sind schön, aber in Zeiten von machtgeilen Autokraten unerreichbar. Und wenn unsere letzten drei Regierungen sich nicht hätten blenden lassen hätten wir diese Diskussion jetzt nicht. Aber man musste ja alle funktionierenden Strukturen für viel Geld abbauen und jetzt für noch mehr Geld wieder aufbauen.
Kommentar 9: Eley schreibt am 02.07.2025, 08:48 Uhr :
Hm, anscheinend hat man die Skandale um illegale Waffenlieferungen und überhöhte Preise für Bundeswehrausstattungen vergessen. Mit letzterem schaffen wir locker die 5%. Eine Verbesserung der Bundeswehr ist ja letztendlich nicht notwendig: Hauptsache die Rüstungsindustrie fährt Gewinne ein. Es geht nur noch um mehr Waffen und mehr Personal. Bei der Diskussion fehlt mir schlicht und ergreifend - wie kann die Bundeswehr mit bestehenden Mitteln effizienter gestaltet werden?
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 02.07.2025, 23:48 Uhr :
Bundeswehr effizienter mit bestehenden Mitteln gestalten? Frage ist gut gedacht. Nur ein paar Beispiele! Zuerst sollte man den eigenen Resscourenverbrauch einschränken. Es sollte nicht sein, dass Soldaten vom Ausland in Deutschland ausgebildet werden, die mal zum Feind werden könnten, auch wenn es im Moment unwahrscheinlich einen erscheint. Dafür mehr eigenes Soldaten- Personal, mehr eigene Übungen. 1x im Jahr ein großes Manöver mit Soldaten vom Ausland langt zum Kennenlernen. Derjenige der schon mal privat mit fremde Soldaten Kontakt hatte der weis, interne BW- Dinge sollten besser geheim bleiben. Bleiben aber nicht immer. Deutschland geht damit zu lässig um, auch die Medien. Kein Unternehmer macht sich nackt. Sorry, die BW-muss es noch lernen zu verschweigen, wie groß ihr Waffenarsenal ist. Evtl. Feinde hören ebenfalls mit. Waffen verleihen geht nicht, man bekommt sie nie wieder. Waffen verschenken kann sich Deutschland bald nicht mehr leisten.
Kommentar 8: Johann Moritz schreibt am 02.07.2025, 07:41 Uhr :
Sie sind nicht die Guten. Sie bauen Waffen mit dem einzigen Zweck, zu zerstören und zu töten, und verdienen daran sehr, sehr, sehr gut. Sie werden von ihren Freunden in der Politik zu den Guten hochstilisiert, und die Propaganda dazu wirkt ausgezeichnet. Aber sie bleiben doch Helfershelfer des Todes. Wie könnten sie dann die Guten sein?
Kommentar 7: Tom schreibt am 02.07.2025, 00:27 Uhr :
Warum sind Rüstungsunternehmen plötzlich die Guten? Rüstungsunternehmen waren und sind notwendig. Sie wurden und werden nur von politischen Kreisen schlecht geredet, die der Meinung sind, alles ließe sich mit Händchenhalten im Stuhlkreis erledigen. Deswegen ist die Bundeswehr auch in so einem miserablen Zustand. Von Landesverteidigung sind wir weit entfernt.