In Neuss ist die Geschichte des Rheinmetall-Werkes am Neusser Hafen bekannt. Der Automobilzulieferer Pierburg hatte es dort 2014 nach seinem Wegzug aus Lobberich eröffnet. Und zwar unter Beifall der Öffentlichkeit. Denn die Alternative war damals, ins Ausland zu gehen.
Somit blieben die rund 400 Jobs in NRW - Pierburgs Mutterkonzern war damals schon Rheimetall. Die Stadt Neuss baute den Mitarbeitern damals sogar eine neue Fußgängerbrücke, über die sie ohne Umweg aus der Stadt zum Werk gelangen konnten.
70 Minuten Flugzeit, dann Sturz aufs Ziel
Doch mittlerweile kriselt die Automobil- und damit auch die Zuliefererbranche. Rheinmetall verabschiedet sich also allmählich aus diesem Geschäft und setzt komplett auf die gut laufende Rüstung.
Das Neusser Rheinmetall-Werk von oben
Im Werk in Neuss sollen neben Satelliten bald unter anderem auch Kamikazedrohnen gebaut werden. Rheinmetall-Chef Armin Papperger sagte am Dienstag bei der Online-Hauptversammlung des Unternehmens: "Mit diesem System gehen wir am Standort Neuss jetzt in die Serienproduktion." Bisher wird das Modell bereits in Braunschweig hergestellt.
Konkret soll die Drohne bis zu 70 Minuten fliegen können und sich spätestens dann auf ein Ziel stürzen, um zu explodieren. Die Drohnen haben den Angaben zufolge eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern, ihr Gefechtskopf wiegt inklusive Zündvorrichtung rund vier Kilo. Der Sprengkopf soll übrigens nicht in Neuss hergestellt werden, sondern in Italien. In Neuss wird also nur die unbewaffnete Drohne gebaut.
Käufer der Drohnen ist die Bundeswehr
Kürzlich hatte die Bundeswehr solche Flugkörper für 300 Millionen Euro bestellt, ein Rahmenvertrag ermöglicht weitere Bestellungen. Die ersten Auslieferungen sind für das kommende Jahr vorgesehen.
Rheinmetall habe die Drohne innerhalb weniger Monate entwickelt, sagte Firmenchef Papperger weiter. Die Konkurrenten Stark und Helsing haben ebenfalls Bestellungen der Bundeswehr für ähnliche Drohnen bekommen, Rheinmetall ist hierbei der Nachzügler. Das Rüstungsunternehmen hat seine Verwaltungszentrale in Düsseldorf und sein größtes Werk im niedersächsischen Unterlüß, wo rund 4.000 Menschen tätig sind.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Online-Hauptversammlung von Rheinmetall
Sendung: WDR.de, Wie Rheinmetall in Neuss bald Kamikazedrohnen bauen will, 12.05.2026, 14:00 Uhr
