Das Rheinmetall-Werk in Neuss steht vor dem ersten militärischen Großauftrag der Bundeswehr. Dort sollen in den nächsten Jahren rund 40 sogenannte Low-Earth-Orbit-Satelliten gefertigt werden.
Zuerst hatte das Handelsblatt darüber berichtet. Die Satelliten dienen vor allem zur erdnahen Beobachtung und Aufklärung.
Geschätzter Auftragsumfang: Drei Milliarden Euro
Der Großauftrag für das Neusser Werk soll bereits unterschriftsreif sein und Schätzungen zufolge einen Umfang von rund drei Milliarden Euro haben.
Bereits heute werden in Neuss Teile für Militärfahrzeuge gefertigt
Der Haushaltsausschuss des Bundestags muss diesen allerdings noch absegnen. Der Konzern baut seinen Standort in Neuss gerade von ziviler auf militärische Produktion um. Einige Schutzkomponenten für militärische Fahrzeuge werden dort bereits heute gefertigt.
Produktion von Aufklärungsatelliten
Neben den Low-Earth-Orbit-Satelliten sollen nach Angaben eines Rheinmetall-Sprechers künftig auch sogenannte SAR-Satelliten für das Militär in Neuss gebaut werden. Das sind hochauflösende Aufklärungssatelliten, die bei nahezu allen Wetterbedingungen klare Bilder etwa vom Gelände auf der Erdoberfläche liefern können. Deshalb sind sie auch gut zur Erkennung von Truppenbewegungen geeignet.
Im Mai hatte Rheinmetall ein Joint Venture mit dem finnischen Satellitenhersteller Iceye gegründet. Als Teil des "Rheinmetall Space Clusters" sollen dabei auch Satelliten im Werk in Neuss hergestellt werden. Im kommenden Frühjahr soll die Produktion starten.
Weltraum ein Zukunftsmarkt für Rheinmetall
Rheinmetall-Chef Armin Papperger
Für Rheinmetall-Chef Armin Papperger ist der Weltraum ein Zukunftsmarkt, in dem er den Konzern als wichtigen Player etablieren will: "Wir reagieren damit nicht nur auf den bei Streit- und Sicherheitskräften weltweit gestiegenen Bedarf an weltraumgestützter Aufklärungsfähigkeit, sondern tragen auch zum Erhalt und Ausbau des Technologiestandorts Deutschland bei."
Damit sollen auch die derzeit rund 1.500 Beschäftigten in Neuss eine "zukunftsträchtige neue Perspektive" bekommen. Ob durch die Umstellung des Werks zusätzliche Jobs entstehen, hängt nach Angaben eines Konzernsprechers vor allem von der künftigen Auftragslage ab.
Großauftrag wichtig für regionale Wirtschaft
Die örtliche IHK sieht in dem möglichen Großauftrag eine wichtige Stabilisierung für die derzeit kriselnde Wirtschaft am Niederrhein. "Zudem profitieren viele regionale Zulieferer von den Aufträgen, die die Rüstungsindustrie akquiriert", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.
Unsere Quellen:
- Antwort von Rheinmetall auf WDR-Anfrage
- Pressemitteilung Rheinmetall vom 08.05.2025
- IHK Mittlerer Niederrhein
- Bericht des "Handelsblatts"
