Riesiger Solarpark geplant - trotz Hindernissen
WDR. 02:13 Min.. Verfügbar bis 11.03.2037. Von Kay Bandermann.
Kamener Kreuz : Riesiger Solarpark geplant - trotz Hindernissen
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Das Kamener Kreuz ist einer der Hotspots des deutschen Autobahnnetzes. Rund 160.000 Fahrzeuge passieren täglich das Kunstwerk mit dem Hubschrauber. In zwei Jahren könnte es eine weitere Landmarke geben. Einen der größten Solarparks in NRW. Doch das Projekt könnte noch scheitern.
Die geplanten Ausmaße sind gigantisch: 120.000 Module sollen eine Fläche von 81 Hektar bedecken. Dort kann mehr Strom produziert werden, als die Menschen in Kamen üblicherweise verbrauchen. Ein wichtiger Beitrag zum Ziel der Klimaneutralität, die Kamen 2040 erreichen will.
Autobahnen bevorzugt
Alina Schatke und Herbert Muders planen den Solarpark am Kamener Kreuz.
Die Genehmigung geht an dieser Stelle schneller, denn im Baurecht sind die Grundstücke direkt neben Autobahnen und Bahnlinien "privilegierte Flächen." Genau genommen: ein 200-Meter-Streifen rechts und links der Trasse. "Dafür reicht ein einfacher Bauantrag. Ein mehrjähriges Bebauungsplan-Verfahren ist nicht notwendig", sagt Alina Schatke, Planerin von Trianel.
Der Kamener Umweltausschuss hat dem Projekt kürzlich zugestimmt. Widerstand in der Bevölkerung ist in Kamen nicht erkennbar. Es scheint alles gut zu laufen. Trotzdem: Das Projekt ist noch nicht sicher. So ergeht es auch anderen Solarparks in NRW. Denn es gibt für Investoren einige Hürden.
Hürde 1: Bürgerproteste - Streit um Solarparks
Etwa im münsterländischen Telgte, wo sich eine Bürgerinitiative gegen den Solarpark "Wöste" gebildet hat. Errichtet werden soll er auf einer 13,3 Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche. Die Kritik von Anwohnern und Landwirten: Der von OnEnergy geplante Solarpark würde gutes Ackerland versiegeln.
Die Politik hat in der Sache Wind rausgenommen, indem die Bürgerschaft mitgenommen wurde. Rund 35 Prozent der Fläche und damit auch etwa 35 Prozent der PV-Anlagen sollen durch die Telgter Bürgerenergie betrieben werden. Der Planungsausschuss der Stadt Telgte hat jedenfalls Anfang Dezember 2025 mit deutlicher Mehrheit grünes Licht für den Solarpark gegeben.
Auch in Nachrodt-Wiblingwerde gibt es Streit um einen dort geplanten Solarpark.
Solarparks an Autobahnen - meist ohne Bürgerproteste
Am dünn besiedelten Kamener Kreuz ist die Lage anders, heißt es bei der Stadtwerke-Gesellschaft Trianel. Doch hier zeigen sich andere Probleme von Investoren. Eines davon ist NRW-eigen: Trianel hat schon mehr als ein Dutzend solcher Freiflächen-Solarparks gebaut - allerdings überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Dort allein acht Anlagen entlang der Autobahn A60.
In ihrem Stammland NRW dagegen bisher nur einen: im nördlichen Münsterland an der Autobahn A1 bei Lengerich. Denn NRW mache es Solarpark-Investoren nicht gerade leicht, meint der Landesverband Erneuerbare Energien NRW in Düsseldorf (LEE).
Hürde 2: NRW-Forderung nach Ausgleichsflächen
Denn es gibt in NRW nicht nur Bürgerproteste. Auch die Behörden machten es den Projektbetreibern schwer, sagt Christian Vossler, Geschäftsführer des Landesverbands LEE. Im Kern seiner Kritik steht das Landesamt für Umwelt, Natur und Klima (LANUK) in Recklinghausen. Genauer gesagt das "Arbeitsblatt Nr. 61", das im vergangenen Sommer erschien.
Darin werden die Böden unter Solarmodulen in ihrem ökologischen Wert mit Schotterboden gleichgesetzt. Das Gegenteil sei jedoch der Fall, findet Christian Vossler. "Man weiß aus Erfahrung, dass hier kleine Biotope mit seltenen Pflanzen und Tierarten entstehen."
NRW für Solarpark-Investoren uninteressant?
In NRW aber gilt: Solarpark-Investoren müssen Ausgleichsflächen finanzieren - wegen Arbeitsblatt Nr. 61. Kurzum: Es entstehen Kosten, die in anderen Bundesländern nicht auftreten. Am Ende kann das dafür sorgen, dass Investoren Solarparks lieber woanders bauen, so Vossler: "Wir haben in NRW weniger Sonneneinstrahlung und höhere Pachten. Wenn dann noch behördliche Restriktionen dazukommen, werden die Projekte unwirtschaftlich und die Investoren wandern ab."
Diese Sorgen wurden jetzt in Düsseldorf gehört. Auf WDR-Anfrage teilt das Umweltministerium mit: "Da sich der fachliche und wissenschaftliche Erkenntnisstand ständig weiterentwickelt, überarbeiten wir derzeit die Arbeitshilfe." Die Aktualisierung werde in Kürze veröffentlicht.
Hürde 3: Grundsteuer
Das alles schade den Klimaschutz-Zielen der schwarz-grünen Landesregierung, meint auch Dieter Röttger vom Solarpark-Entwickler Entegro aus Fröndenberg (Kreis Unna). Er kennt die Stolpersteine aus eigener Erfahrung.
Zum Beispiel beim Finanzamt: Für einen Acker muss ein Landwirt die niedrige Grundsteuer A zahlen. "Steht ein Solarkraftwerk an der gleichen Stelle, wird es bei der Grundsteuer als Gewerbefläche besteuert. Das kostet ein Vielfaches" - und macht das Projekt unwirtschaftlicher.
Bauanträge im kommenden Jahr
Trianel mit Sitz in Aachen will im Kamener Kreuz seinen Solarpark bauen - trotz aller Hindernisse. Der Solarpark in Kamen würde alle anderen Parks des Unternehmens in den Schatten stellen und wäre im Heimat-Bundesland ein Prestige-Projekt. 2028 könnte der erste Strom fließen.
Unsere Quellen:
- Veröffentlichung der Stadt Kamen (Umweltausschuss)
- Pressemitteilung der LEE-NRW
- WDR-Gespräch mit Landwirt Jan Schulte-Böing
- WDR-Interview mit Trianel-Mitarbeitern Alina Schatke und Herbert Muders
- WDR-Gespräch mit Entegro-Geschäftsführer Dieter Röttger
- Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell 12:45, Riesiger Solarpark geplant - trotz Hindernissen, 26.05.2026, 12:45 Uhr