Landwirt wehrt sich gegen Solarpark in Sprockhövel
WDR. 07:00 Min.. Verfügbar bis 12.05.2028.
Die Fläche, um die es geht, liegt in Sprockhövel an der Grenze zu Gevelsberg und unmittelbar an der A1 bei Klosterholz. Und genau das macht die gepachtete Kuhweide von Landwirt Stefan Jacobi zu einer sogenannten baurechtlich privilegierten Fläche - für den Ausbau erneuerbarer Energien, etwa einem Solarpark, wie er aktuell dort geplant wird.
Die Eigentümerin der Kuhweide hat Jacobi schon vor längerer Zeit gekündigt, der Pachtvertrag läuft am 30. September aus. Der Grund: Stellt sie die Fläche für einen Solarpark zur Verfügung, verdient sie damit ein Vielfaches mehr, bestätigt sie dem WDR auf Anfrage.
Ruf nach Alternativen
Dafür haben Stefan Jacobi und sein Sohn Robert Reick Verständnis - auch gegen die Energiewende sei grundsätzlich niemand. Und doch werfen sie die Frage nach Alternativen auf.
"Wenn wir diese Kuhweide verlieren, können wir die Kühe nicht regelmäßig auf die letzte verbliebene Fläche schicken - wir müssten zufüttern und könnten deutlich weniger Kühe halten. Das funktioniert wirtschaftlich nicht. Und dann verschwindet auch der letzte Milchviehbetrieb aus Haßlinghausen", erklärt Stefan Jacobi.
"Es gibt so viel ungenutztes Potenzial, wir haben alleine schon 1000 Quadratmeter Dachflächen - man könnte PV auf Reitanlagen, überdachten Supermarktparkplätzen bauen, bevor man der Landwirtschaft essentielle Flächen dafür entzieht." Robert Reick, unterstützt den Betrieb seines Vaters
Am Landringhauser Weg soll der Solarpark entstehen.
Die "green sws GmbH" plant den Solarpark am Landringhauser Weg. Diese kann den Unmut des Landwirts Jacobi zwar verstehen – ein Sprecher aber betont, dass "angesichts der Energie- und Klimaziele Deutschlands die Bebauung von Dachflächen langfristig kaum ausreichen wird, [...] auf durchdachte Freiflächen-Konzepte schon deshalb nicht verzichtet werden könne." Es gehe nicht um die Verdrängung der Landwirtschaft, sondern um die sinnvolle Nutzung einer ohnehin durch die Autobahn geprägten Fläche.
Solarpark am Landringhauser Weg
- Entstehen soll der Solarpark auf einer Fläche von 3,77 Hektar
- Damit soll eine Leistung von 5,4 Megawatt-Peak erwirtschaftet werden
- Durch einen großen Batteriespeicher soll das Stromnetz zusätzlich entlastet werden
"Wir haben Herrn Jacobi auch einen Teil der Ausgleichflächen von rund 26.000 qm angeboten, wo zudem etwa Obstbäume gepflanzt werden, und da wäre natürlich auch noch Platz für einen nicht unbeachtlichen Teil seiner Kühe - das Angebot wurde bislang nicht angenommen." Sprecher der green sws GmbH
Jacobi sieht in dem Angebot nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Er und sein Sohn haben eine Petition gestartet, mittlerweile mehr als 1000 Unterschriften auch von Anwohnern gesammelt und hoffen damit "die Politik wachzurütteln".
Sprockhövels Bürgermeisterin Sabine Noll erklärte im WDR Fernsehen, dass sie die Lage des Landwirts keineswegs kalt lasse - doch rechtlich habe der Stadtrat aufgrund der Lage der Fläche keine Handhabe. Der Stadtrat von Sprockhövel habe die Bauvoranfrage auch deshalb positiv entschieden, weil er es rechtlich musste und damit den Weg zum Solarpark zunächst geebnet. Nur die untere Naturschutzbehörde muss noch zustimmen.
Unsere Quellen:
- Gespräche mit dem Landwirt und Anwohnern vor Ort
- Projektentwickler green sws GmbH
- Stadt Sprockhövel
- WDR-Studiointerview mit Bürgermeisterin Sabine Noll
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 12.05.2026, 19.30 Uhr