Familie mit Pilzvergiftung in Uniklinik Essen
Aktuelle Stunde . 16.10.2025. 17:53 Min.. UT. Verfügbar bis 16.10.2027. WDR. Von Uwe Dietz.
Wer aktuell durch die Wälder in NRW spazieren geht, sieht an vielen Stellen Pilze sprießen und auch immer wieder Menschen, die die Pilze sammeln. Spätestens durch Influencer ist das Hobby auch bei jüngeren Menschen angekommen. Sie schließen sich etwa Pilzwanderungen an, oder machen sich alleine auf den Weg und nutzen etwa spezielle Apps zur Bestimmung der Pilze. Immer wieder kommt es dabei aber auch vor, dass Menschen zu giftigen Pilzen greifen und später im Krankenhaus landen. So gerade in der Stadt Essen.
Pilzsachverständiger Bernhard Demel
Aus Sicht von Experten gibt es dafür gleich mehrere Gründe, sagt etwa der Pilzsachverständige Bernhard Demel aus Essen. Er hat sich jahrelang zu Pilzen fortgebildet und ist nun geprüfter Pilzkenner. "Meines Erachtens liegt das daran, dass die Menschen sich auf Apps verlassen und immer unvorsichtiger werden." Außerdem würde oft einfach ein Bewusstsein dafür fehlen, wie gefährlich Pilze sein können, so der Sachverständige weiter.
Bestimmung durch Apps reicht oft nicht aus
Wer bei der Bestimmung von Pilzen etwa auf Apps zurückgreift lädt dort meist ein Foto hoch. Die App untersucht innerhalb von Sekunden das Bild und gibt eine prozentuale Einschätzung, um welchen Pilz es sich handeln könnte. Doch diese Einschätzung sei oft falsch, so Bernhard Demel: "Pilze sind einfach so vielfältig, dass sie oft nur mit Hilfe mikroskopischer Merkmale bestimmt werden können. Da muss man die Sporen messen und bestimmte Zellen - und das kann so eine Kamera natürlich nicht."
Solche Bestimmungs-Apps würden meist nur eine grobe Richtung geben. Für eine genaue Bestimmung sollten Sammler hingegen auf einschlägige Bücher zurückgreifen, oder sich an Experten etwa in Pilzvereinen wenden. Das rät auch Stefan Fischer von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Sie ist der Dachverband aller deutschen Pilzexperten. "Verzehren kann ich nur die Pilze, die ich zu 100 Prozent bestimmen kann."
Gefahr auch durch Verwechslungspartner
Problematisch seien auch immer wieder genießbare Pilze, die man leicht mit giftigen Exemplaren verwechseln könne. Hierbei fällt immer wieder auch der giftige grüne Knollenblätterpilz auf. Pilzsachverständiger Bernhard Demel: "Knollenblätterpilze erkennt man grundsätzlich daran, dass die eine Knolle am Stil haben. Und zusätzlich haben die einen deutlich ausgeprägten Ring."
Der giftige grüne Knollenblätterpilz
Damit ähnele er grundsätzlich auch essbaren Pilzen wie Täublingen oder Champignons. Der Verzehr des Knollenblätterpilzes sei aber gefährlich, so Demel weiter: "Der Knollenblätterpilz enthält einige gefährliche Giftstoffe. Nämlich die sogenannten Amatoxine und die Phallotoxine und Phalloidine. Und die zerstören die Leber."
Verwechslungen gibt es auch immer wieder beim Spitzgebuckelten Raukopf, der dem Pfifferling ähnlich sieht. Aufpassen sollten Pilzsammler auch beim Pantherpilz, der zu Schwindel, Rausch und Atemlähmungen führt. Der Kahle Krempling kann sogar zu Multiorganversagen führen.
Regionale Unterschiede Grund für Verwechslungen?
Immer wieder heißt es nach Vergiftungen auch, dass hier giftige Pilze harmlosen Pilzen in anderen Regionen ähneln würden. Experte Demel: "Natürlich gibt es im Ausland Pilze, die unseren sehr ähnlich sehen und mit denen man die verwechseln kann. Ich glaube aber nicht, dass das der ausschlaggebende Grund ist. Ich denke eher, dass es die Leichtfertigkeit und Unkenntnis ist."
Beide Pilzexperten raten deshalb zu Vorsicht und zu mehr Bewusstsein für die möglichen Gefahren. Der beste Weg etwas über Pilze zu lernen sei etwa in Begleitung von fachkundigen Sammlern, rät Stefan Fischer von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Pilzsachverständigen Bernhard Demel
- Gespräch mit Stefan Fischer von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e. V.
- Bisherige WDR-Berichterstattung über die Pilzvergiftungen in der Stadt Essen
Über dieses Thema berichten wir am 16. Oktober 2025 auch im WDR Fernsehen: WDR Aktuell 21.45 Uhr.