Wirtschaftsministerin Reiche will Solarförderung kürzen

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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Einspeisevergütung für kleine, neue Photovoltaik-Anlagen streichen.

Von Ute Schyns

Bestehende PV-Anlagen sollen von der Kürzung nicht betroffen sein. Das hat Wirtschaftsministerin Reiche der "Augsburger Allgemeinen" gesagt. Der Vorstoß war offenbar auch in der Regierungskoalition nicht abgestimmt. Die SPD zeigt sich davon wenig begeistert. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Nina Scheer, kritisiert im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass die Ministerin sich mit den Kürzungsplänen gegen den Koalitionsvertrag stellen würde.

Was bringen PV-Anlagen tatsächlich?

WDR Studios NRW 12.08.2025 05:54 Min. Verfügbar bis 12.08.2027 WDR Online

Zurzeit sind auf den Dächern in NRW 757.200 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 11.972.000 kW installiert, schreibt der Landesverband Erneuerbare Energien NRW. Da sind allerdings auch gewerbliche Dachanlagen auf Hallendächern mitgerechnet. Der Verband schätzt, dass rund 700.000 davon private PV-Anlagen sind.

Wie begründet Katherina Reiche ihren Vorstoß?

Das Problem entsteht vor allem dann, wenn im Sommer mittags die Sonne scheint und die Solaranlagen viel Strom produzieren. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) warnt davor, dass es dadurch im schlimmsten Fall zu regional begrenzten Stromausfällen kommen könne.

Außerdem sind die Preise für PV-Anlagen und für die Stromspeicher für Zuhause deutlich gesunken, argumentiert Reiche. Deswegen würden sich Solaranlagen auch ohne staatliche Förderung lohnen.

Wie hoch sind zurzeit die Fördersätze für Solaranlagen?

Zurzeit sieht die Rechnung so aus: Wer eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert, kann Strom selbst erzeugen und muss weniger aus dem öffentlichen Stromnetz vom Stromerzeuger kaufen. Das spart Geld. "Eine Kilowattstunde selbst produzierter Solarstrom kostet rechnerisch oft nur zehn Cent", sagt Benjamin Weigl, Energieexperte vom Verbraucherportal Finanztip. Im Vergleich dazu kostet Strom aus dem öffentlichen Netz etwa 30 Cent.

Dazu kommt die staatliche Förderung. Hausbesitzer können überschüssigen Strom ins Netz einspeisen und erhalten dafür eine feste Einspeisevergütung. Sie liegt für kleinere PV-Anlagen aktuell bei 7,86 Cent pro Kilowattstunde. Wird der komplette Strom eingespeist, sind es sogar 12,60 Cent. Die Höhe der Vergütung ist jeweils für die Laufzeit von 20 Jahren fix.

Übrigens: Für Balkonkraftwerke ändert sich nichts. Denn sie bekommen generell keine Einspeisevergütung.

Lohnen sich Solaranlagen denn auch ohne Förderung noch?

Was sich sicher sagen lässt, ist, dass neue Photovoltaik-Anlagen dadurch finanziell weniger attraktiv werden. Benjamin Weigl von Finanztip schätzt, dass sich private PV-Anlagen dann nur noch für Hausbesitzer mit hohem Stromverbrauch und in Kombination mit einem Stromspeicher lohnen.

Finanztip rechnet für dieses Beispiel bereits mit einem günstigen Kaufpreis von insgesamt 19.000 Euro. Der jährliche Stromverbrauch des Haushaltes mit Wärmepumpe und E-Auto liegt bei insgesamt 8.000 Kilowattstunden. Würde der Haushalt dagegen nur 3.000 kWh im Jahr verbrauchen, sieht die Rechnung für dieselbe PV-Anlage mit Speicher noch schlechter aus: "Statt nach 17 Jahren hätte sie sich ohne Einspeisevergütung erst nach über 31 Jahren abbezahlt", erklärt Weigl. "Lässt man den Speicher weg, amortisiert sich die Anlage gar nicht mehr."

Laut einer Umfrage unter Solar-Installateuren würden sich nur vier von zehn Hausbesitzern eine Solaranlage auch ohne Förderung aufs Dach setzen.

Für den weiteren Solarausbau wäre das ein drastischer Einschnitt. Denn etwa die Hälfte der installierten Photovoltaik-Leistung entfällt auf private Anlagen. Insgesamt hat der Anteil des Solarstroms am gesamten Stromverbrauch bei 14 Prozent (2024) gelegen.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Verbraucherportal Finanztip
  • Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V
  • Süddeutsche Zeitung (12.08.2025)
  • Tagesschau.de

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