Ende des Solarbooms in NRW | WDR Aktuell

00:25 Min. Verfügbar bis 04.08.2027

Erstes Halbjahr: Weniger neue Solarzellen in NRW als zuvor

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In den vergangenen zwei Jahren gab es einen regelrechten Solar-Boom in NRW. Der scheint 2025 vorbei zu sein.

Nach zwei Boom-Jahren lässt der Neubau von Solaranlagen in NRW in diesem Jahr merklich nach. Das geht aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters hervor, die der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) durchgeführt hat.

NRW nun auf Platz drei im Ländervergleich

Demnach sind im ersten Halbjahr 2025 Solarzellen mit einer Leistung von 939 Megawatt (MW) neu in Betrieb gegangen. Das bedeutet ein Minus von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahlen werden heute veröffentlicht, sie liegen dem WDR vor. Im bundesweiten Vergleich rutscht NRW demnach einen Platz ab und steht nun hinter Bayern (1.943 MW Zubau) und Baden-Württemberg (1.039 MW) auf Platz drei.

Solar-Ausbau schwächelt bundesweit

Nordrhein-Westfalen liegt damit im bundesweiten Trend. Auch in den anderen Bundesländern gibt es im ersten Halbjahr 2025 eine Delle beim Solar-Zubau. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hatte ab Anfang 2022 zu teils drastisch steigenden Strompreisen geführt, in der Folge gab es einen regelrechten Boom bei Solaranlagen. Den sieht der Bundesverband des Solarhandwerks (BDSH) inzwischen als beendet.

Die Strompreise haben sich mittlerweile normalisiert. Außerdem trat Anfang des Jahres das Solarspitzen-Gesetz in Kraft, das dazu führt, dass Betreiber von Solaranlagen keine Vergütung mehr bekommen, wenn es im Netz ein Überangebot an Strom gibt. Beides führt dazu, dass neue Solaranlagen derzeit etwas weniger lukrativ sind als in den vergangenen zwei Jahren.

LEE: NRW hat vor allem auf Dachanlagen gesetzt

Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW

Christian Vossler (LEE NRW)

Aus Sicht von LEE NRW-Geschäftsführer Christian Vossler war zu erwarten, dass sich die Effekte dieser Entwicklung auch beim Solar-Ausbau in NRW zeigen würden. Dennoch kritisiert er die schwarz-grüne Landesregierung: NRW habe sich "bisher überproportional auf die privaten Investitionen auf Häuserdächern verlassen, um seine selbst gesteckten Ziele zu erreichen". Weil dieser Sektor derzeit nachgebe, müsse NRW andere Bereiche fördern, um die Ausbauziele zu erreichen. "Auf der Freifläche, bei Gewerbeanlagen und auch bei landeseigenen Liegenschaften muss zukünftig deutlich mehr passieren", so Vossler.

Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) sagte, der Solarzubau sei auch in diesem Jahr "bislang auf hohem Niveau." Man setze "auf den Ausbau in allen Segmenten". Bis 2030 wolle man das "Ausbauziel von mindestens 21 und bis zu 27 Gigawatt erreichen - und das mit breiter gesellschaftlicher Akzeptanz".

Nur zwölf Prozent Zubau in der Freifläche

Zu sehen ist der Solarpark.

Freiflächen-Solarpark bei Radevormwald

Den schleppenden Ausbau auf der Freifläche hatte der LEE NRW bereits im vergangenen Jahr moniert, damals lag der Anteil bei 7,5 Prozent. Freiflächen-Solaranlagen werden nicht auf Dächern, sondern mithilfe von Ständern am Boden installiert. Diese Solarparks haben wegen ihrer Größe wesentlich mehr Stromerzeugungs-Leistung. Zugleich sind sie billiger zu bauen als Dachanlagen. Deshalb ist der Strom daraus besonders günstig.

Eigentlich soll aus diesen Gründen bundesweit 50 Prozent der neuen Solarzellen auf der Freifläche entstehen - ein Ziel, das die NRW-Landesregierung teilt. Die Realität sieht jedoch anders aus: Im ersten Halbjahr kam lediglich zwölf Prozent der neu installierten Leistung in NRW von der Freifläche. Zum Vergleich: In Bayern beträgt der Freiflächen-Anteil im gleichen Zeitraum satte 57 Prozent.

Mona Neubaur (Grüne), NRW-Wirtschaftsministerin

Mona Neubaur (Grüne)

Auf Anfrage teilte ein Sprecher des Wirtschafts- und Energieministeriums mit, man gehe davon aus, "dass die zurückliegende Ausweitung der Flächenkulisse für Freiflächenanlagen über eine Änderung des Landesentwicklungsplanes im Jahr 2024 nun immer größere Wirkung entfalten wird." Der LEE NRW forderte vom Land darüber hinaus mehr Hilfe für die Kommunen bei Genehmigung und Planung der Solarparks, außerdem mehr Fördergeld. Der LEE NRW vertritt die Interessen der Unternehmen in der Erneuerbare-Energien-Branche.

Fröndenberg installierte meiste Leitung pro Einwohner

Bei genauerer Betrachtung von Nordrhein-Westfalen fällt auf, dass gemessen an der Einwohnerzahl vor allem kleine Orte weit vorn sind beim Solarzubau. Setzt man neu installierte Leistung und Bewohner ins Verhältnis, liegt Fröndenberg an der Spitze aller Kommunen, gefolgt von Extertal, Weeze, Nörvenich und Oelde.

Bei Betrachtung der absoluten Zahlen dreht sich das Bild: Weil 80 Prozent der neuen Solarleistung in NRW auf Hausdächern, Gebäuden und an Fassaden installiert wurde, liegen große Städte hier weit vorn - denn die weisen naturgemäß mehr Gebäude auf als kleinere Gemeinden. Mönchengladbach, Köln und Erftstadt bilden in diesem Ranking die Top 3.

Kleine Balkon-Solaranlagen sind in NRW weiter ausgesprochen beliebt: 46.000 Stück gingen im ersten Halbjahr neu in Betrieb, das sind noch einmal gut 4.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt gab es 89.177 neue Solaranlagen in den ersten sechs Monaten - Balkonkraftwerke machen also mehr als die Hälfte davon aus. Ihre Leistung ist aber auch besonders gering.

Viele neue kleine Stromspeicher

Viele Besitzer von Solaranlagen speichern ihren erzeugten Strom in Batterien, um ihn auch dann nutzen zu können, wenn die Sonne nicht scheint. 52.200 neuer solcher Speicher gab es im ersten Halbjahr, fast alle entstanden im privaten Bereich. Große Speicher, die zum Beispiel an großen Solarparks hängen, sind in NRW selten: Insgesamt gibt es 46 Batteriespeicher mit einer Leistung von mehr als 50 kW in NRW.

Aus Sicht der Branche soll sich das ändern: "Die Landesregierung wäre gut beraten, für einen schnelleren Ausbau von größeren Batteriespeichern, mehr Druck auf die Netzbetreiber auszuüben. Die Speicher sind ein unverzichtbarer Baustein, um mehr steuerbare, flexible Einheiten in das Stromversorgungssystem zu bringen. Nebenbei vergünstigen sie den Strompreis", so LEE-Mann Vossler.

Über dieses Thema berichten wir am 4. August 2025 auch im WDR Hörfunk: In den Nachrichten "WDR aktuell", ab 06.00 Uhr.

Unsere Quellen:

  • Pressemitteilung und Statistiken des LEE NRW
  • Stellungnahme Mona Neubaur
  • Stellungnahme Sprecher MWIKE
  • Eigene Recherche

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