Vogelgrippe: Impfen wäre möglich, ist aber verboten

Aktuelle Stunde 25.10.2025 36:52 Min. UT Verfügbar bis 25.10.2027 WDR Von Sebastian Galle

Vogelgrippe: Warum Geflügel nicht geimpft wird, obwohl es möglich wäre

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Viele Wildvögel sterben an Vogelgrippe. Geflügel könnte gegen die Viren geimpft werden. Doch das geschieht nicht überall.

Kraniche verbreiten derzeit die Vogelgrippe in Deutschland. Das hat massive Folgen für das Geflügel: Zehntausende Hühner, Gänse und Puten müssen gekeult werden. Um das zu verhindern, wurden Impfstoffe entwickelt.

Doch in Europa wird noch nicht flächendeckend geimpft. Ein Umstand, der Fragen aufwirft.

Gibt es spezielle Impfstoffe gegen die Vogelgrippe?

"Ja, solche Impfstoffe gibt es", sagte Dr. Kristian Düngelhoef, Fachtierarzt für Geflügel, am Samstag dem WDR. "Es sind verschiedene Impfstoffe entwickelt worden." Es seien alles inaktive Impfstoffe, die keine lebenden Krankheitserreger enthalten.

Dr. Kristian Düngelhoef, Fachtierarzt für Geflügel

Dr. Kristian Düngelhoef, Fachtierarzt für Geflügel

"Es gibt da welche, die auf mRNA-Basis funktionieren, einer Technik, die man vom Coronavirus-Impfstoff kennt", sagte Düngelhoef, der in Hamminkeln in einer Nutztierpraxis arbeitet. Zudem gebe es sogenannte Vector-Impfstoffe und grundsätzlich "auch ganz normale, klassische Tot-Impfstoffe" ohne aktiven Erreger.

Sind diese Impfstoffe in Europa erlaubt?

Die EU hat die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für die Zulassung solcher Impfstoffe geschaffen, das war lange nicht der Fall. Solche Impfungen waren innerhalb der EU nicht zugelassen. Das hat sich erst vor etwa zwei Jahren geändert. Mit der EU-Richtlinie 2023/361 sind mittlerweile Geflügel-Impfungen unter strengen Auflagen in den EU-Mitgliedsstaaten erlaubt, wie es in einer Information des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) heißt.

Gänse laufen auf einem Biohof über die Weide

Auch Gänse sind gefährdet

Um aber tatsächlich zu impfen, müsse jedes EU-Land erst einmal die nationalen Voraussetzungen schaffen. Derzeit werde noch viel experimentiert, wie der Tierarzt Düngelhoef dem WDR sagte: "So wie es Frankreich dann auch in einer bestimmten Situation für die Enten gemacht hat." In Italien seien Feldversuche an Puten gemacht worden und in den Niederlanden an Legehennen. In Deutschland werde an Gänsen getestet, wie gut die Impfstoffe funktionieren.

Warum werden diese Tests durchgeführt?

Es muss zunächst die Wirksamkeit der Impfstoffe auf nationaler Ebene festgestellt werden. "Es ist möglich, dass einzelne Tiere trotz Impfung noch positiv werden können", sagte Geflügel-Experte Düngelhoef dem WDR. Der Tierkörper werde durch eine Impfung zwar darauf vorbereitet, mit einer hohen Viruslast zurecht zu kommen.

Bei einer sehr hohen Viruslast, könne es jedoch trotzdem prinzipiell zu einer Infektion kommen. "Geimpfte Tiere scheiden aber in der Regel wiederum weniger Viren selber aus als ungeimpfte Tiere." Dann gebe es natürlich auch noch die Gefahr von Impffehlern und dass kein ausreichender Schutz aufgebaut werde.

Da eine sogenannte sterile Immunität durch eine Impfung nicht unbedingt gegeben sei, schreibe der EU-Gesetzgeber darum auch ein "intensives Monitoring" vor, wenn in einem Land geimpft werde. Das bedeute, dass von staatlicher Seite einmal im Monat 60 Proben entnommen und die Tiere untersucht werden müssten. Und: "Von verendeten Tieren müssen einmal wöchentlich PCR-Untersuchungen durchgeführt werden."

Wie ist die Situation in Deutschland?

"Die Impfstoffe haben noch keine nationale Zulassung für Deutschland", sagte Geflügel-Fachtierarzt Düngelhoef. "Ich kenne viele Landwirte, die gerne impfen wollen, aber das dürfen sie halt nicht." Man komme auch nicht an den Impfstoff.

Wenn geimpft werden dürfte, dann müsste einmal im Monat vom Veterinäramt Proben genommen werden. Und diese Proben müssen dann in einem staatlichen Labor untersucht werden. "Solche Labore haben wir in NRW nur in Krefeld, Arnsberg, Detmold, Münster und Hürth."

Das Problem sei aber, dass es in Deutschland weder ausreichend Veterinärbeamte noch genügend staatliche Laborkapazitäten gebe, um die von der EU verlangte Überprüfung durchzuführen. "Das Wichtigste an dieser Impfung ist das Monitoring, das in geimpften Geflügel-Herden durchgeführt werden müsste", so Düngelhoef.

"Eine Lösung könnte sein, dass staatliche Aufgaben an die Privatwirtschaft übertragen würden." Deren Kapazitäten seien jedenfalls größer als die staatlichen Kapazitäten. "Dazu sind aber noch viele Details zu klären."

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In Frankreich impfen Entenzüchter bereits das dritte Jahr in Folge ihre Tiere gegen die Vogelgrippe. Frankreich ist damit der erste große Geflügelexporteur, der eine solche Impfkampagne landesweit eingeführt hat. Die Maßnahme soll laut Behörden in der Vergangenheit geholfen haben, die Krankheit einzudämmen.

Die Impfung von Nutztieren hat aber einen Haken: Drittstaaten können Handelsbarrieren aussprechen. So nehmen die USA aus Frankreich kein Fleisch von gesundem Geflügel ab, weil es geimpft ist. Die Befürchtung: Das Virus könnte unentdeckt importiert werden.

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