Ein Gärtner beim Besprühen von Bäumen mit Insektiziden gegen Schädlinge und Krankheiten im Garten mit einer Sprühflasche (Symbolbild)

Pestizide im Job Wann Parkinson als Berufskrankheit gilt

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Bestimmte Pflanzenschutzmittel können das Parkinson-Risiko deutlich erhöhen. Deshalb gilt Parkinson jetzt unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit. Welche Berufsgruppen besonders im Fokus stehen, wie viele Menschen betroffen sein könnten und was die neue Regelung für Betroffene bedeutet.

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Nina Magoley

Seit Ende Mai ist Parkinson offiziell als Berufskrankheit anerkannt. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass bestimmte Pestizide bei direktem Kontakt die Nervenkrankheit auslösen können.

Voraussetzung für die Anerkennung als Berufskrankheit ist, dass Betroffene mindestens 100 Tage lang mit bestimmten Pestiziden gearbeitet haben müssen. Anerkannt werden Anträge von Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten oder gearbeitet haben:

  • Landwirtschaft
  • Garten- und Landschaftsbau
  • Forstwirtschaft
  • Straßenunterhaltung durch Bauhöfe, Straßen- und Autobahnmeistereien
  • Bewuchsbeseitigung auf Bahnstrecken
  • Schädlingsbekämpfung in Städten und Gebäuden

Was bringt die neue Parkinson-Regelung für Betroffene?

Wer an einer anerkannten Berufskrankheit leidet, hat Anspruch auf besondere Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Dazu gehört beispielsweise eine lebenslange Unfallrente, die auch für Hinterbliebene gilt, wenn die erkrankte Person stirbt.

Parkinson als Berufskrankheit anerkannt

WDR 10.06.2026 01:40 Min. Verfügbar bis 09.06.2028 WDR Online

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Betroffene haben Anspruch auf Reha-Maßnahmen und weitere medizinische, therapeutische und psychologische Behandlung. Auch am Arbeitsplatz müssen Unfallversicherungen einspringen: Zum Beispiel durch Schutzvorrichtungen, den Austausch gefährlicher Arbeitsstoffe und persönliche Schutzausrüstungen wie Handschuhe oder Atemschutzmaske.

Parkinson durch Pestizide: Wie groß ist die Gefahr?

Ein Trecker fährt auf einem grünen Feld, hinter ihm bildet sich Staub.

Wolken aus Pflanzenschutzmitteln

Laut Parkinson-Stiftung verdopple ein häufiger Kontakt mit Pestiziden das Risiko, an Parkinson zu erkranken. Aber: Nicht jeder Mensch, der regelmäßig Kontakt zu Pestiziden hat, erkrankt an Parkinson. Individuelle Faktoren wie etwa Erbanlagen spielen eine zusätzliche Rolle.

Besonders gefährdet seien Landwirte und Weinbauern, die den Giftstoffen regelmäßig direkt durch Haut- und Atemwegskontakt ausgesetzt sind oder waren. Viele dieser Stoffe seien inzwischen EU-weit verboten oder nur noch unter Auflagen zugelassen. Dennoch sei auch in den nächsten Jahren mit weiteren Parkinson-Fällen in Zusammenhang mit Pestiziden zu rechnen.

Schnittblumen

Schnittblumen: Oft pestizidbelastet

Aber auch Floristen, die mit pestizidbeladenen Blumen umgehen müssen, tragen ein Risiko. Vor allem Blumen aus den großen Anbauländern in Südamerika und Afrika seien oft noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, deren Einsatz in der EU gar nicht zugelassen ist, sagt Andrea Latz-Hoffmann, Vizepräsidentin des Floristenverbands NRW.

Seit 46 Jahren verkauft sie in ihrem Geschäft in Düsseldorf Blumen. "Früher hat man sich darüber gar keine Gedanken gemacht, heute achten wir viel stärker auf die Herkunft." Inzwischen lege sie viel Wert darauf, Blumen aus der Region zu kaufen - oder von Betrieben aus Übersee, die nachweislich keine in der EU verbotenen Mittel benutzen.

Wie viele könnten in NRW betroffen sein?

In NRW sind laut AOK-Gesundheitsatlas 0,66 Prozent der Bevölkerung von einer Parkinsonerkrankung betroffen. Die meisten Erkrankten in NRW gibt es in Köln und im Kreis Recklinghausen. Dort sind es jeweils rund 3000 Betroffene.

Gezählt werden Fälle bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr. Der größte Teil der Betroffenen ist allerdings 80 Jahre oder älter. Wie viele davon berufsbedingt erkrankt sind, darüber liegen bislang keine Zahlen vor. Im bundesweiten Vergleich liegt NRW bei den Erkrankungen auf Platz 7. Die meisten Erkrankten verzeichnen prozentual Thüringen und das Saarland.

Die Zahl der Todesfälle durch Parkinson ist laut Landesstatistikamt IT.NRW in den letzten zehn Jahren um mehr als 66 Prozent gestiegen. Neben Luftverschmutzung und dem Einfluss von Pflanzenschutzmitteln rückt nach Angaben der Experten zunehmend auch die Ernährung als Ursache in den Fokus.

Was genau ist Parkinson?

Bei Parkinson wird im Gehirn zu wenig Dopamin hergestellt. Das führt dazu, dass Nervenreize schlechter übertragen werden. Neben Bewegungsstörungen treten oft Schlafstörungen, Geruchsverlust, Verdauungsprobleme oder kognitive Veränderungen auf.

Typische Symptome sind unkontrollierbares Zittern, verlangsamte Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen. Meist tritt die Krankheit erst im Alter auf. Die Hirnveränderungen aber beginnen oft Jahrzehnte vor dem ersten Zittern.

In Deutschland sind laut Deutscher Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörung aktuell fast 400.000 Menschen betroffen, weltweit über zehn Millionen.

Parkinson als Berufskrankheit: Wie sind die Reaktionen?

Bereits seit Sommer 2024 konnten Parkinson-Betroffene ihre Erkrankung als "Wie-Berufskrankheit" anmelden, erklärt Marc Wiens, Sprecher der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Die SVLFG hatte damals alle Versicherten der Landwirtschaftlichen Krankenkasse angeschrieben, die in den vergangenen Jahren aufgrund einer Parkinsondiagnose behandelt wurden. Viele Betroffene hätten aber davor zurückgeschreckt, ein Antragsverfahren zu starten, sagt Wiens. 967 der Parkinson-Fälle seien bislang als Berufskrankheit anerkannt, 1.676 befänden sich noch in Bearbeitung (Stand 31.05.2026). Die SVLFG rechnet mit regelmäßigen Neumeldungen.

Der Deutsche Bauernverband sagt in einer Stellungnahme, die dem WDR vorliegt, es sei "selbstverständlich, dass durch die Berufsausübung verursachte Erkrankungen von der gesetzlichen Unfallversicherung getragen und die an Parkinson Erkrankten eine bestmögliche Versorgung erhalten". Allerdings bestünden Zweifel, ob ein Pflanzenschutzmittel beim Menschen tatsächlich schon nach 100 Tagen eine Parkinsonerkrankung auslösen könne.

Es gebe prozentual nicht mehr Parkinsonerkrankungen in der Landwirtschaft als in der Gesamtgesellschaft. Auch gebe es keine auffällige Häufung bei Versicherten, die sehr viel in Bereichen mit Pflanzenschutzmitteln tätig sind oder waren.

Sowohl Bauernverband als auch SVLFG rechnen mit höheren Kosten durch die Anerkennung. Laut Deutscher Presse-Agentur aber hat die Bundesregierung die Zuschüsse zur Beitragssenkung in der Unfallversicherung um 20 Millionen Euro erhöht - ausdrücklich, um die Behandlungskosten für Parkinson-Erkrankte abzufangen. Nach Ansicht des Bauernverbands werde dieses Geld "vermutlich nicht ausreichen", um die Kosten zu decken.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In Italien und Frankreich gilt Parkinson schon seit mehr als zehn Jahren als Berufskrankheit im landwirtschaftlichen Bereich. Gerade im Weinanbau ist die Zahl der Erkrankten offenbar höher als anderswo.

Ethischer Weinbau

Hohe Belastung für Weinbauern

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung zeigten Studien aus dem Weinland Frankreich schon vor Jahren, dass Beschäftigte im Weinbau häufiger an Parkinson erkranken als Personen, die etwa in der Viehzucht oder im Ackerbau tätig sind.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Berufskrankheit Parkinson: Was das für Betroffene heißt, 10.06.2026, 17:22 Uhr

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