Katharina Beyer hat mit Mitte 30 die Diagnose Parkinson bekommen.
WDR. 07.06.2026. 04:01 Min.. Verfügbar bis 07.06.2028.
Die Sonne scheint zwischen den Ästen der Bäume, ein leichter Wind weht durch den Wald. Der Boden ist noch etwas matschig vom Regen der letzten Tage. Der Tönsberg in Oerlinghausen im Kreis Lippe ist für Katharina Beyer ein wichtiger Ort. Seit ihrer Parkinson-Diagnose ist sie hier regelmäßig unterwegs.
"Ich bin immer, wenn ich nachts nicht schlafen konnte, ganz früh morgens hier hingekommen und habe mir den Sonnenaufgang angeguckt", erzählt die heute 44-Jährige. "Daraus ist mein Motto entstanden: Die Sonne geht jeden Tag auf und egal was am Tag vorher passiert ist: Es beginnt immer ein neuer Tag."
Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der nach und nach Zellen im Gehirn absterben. Sie führt zu einer verlangsamten Bewegung, steifen Muskeln und unkontrollierbarem Zittern. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen betroffen – weltweit über 6 Millionen Menschen. Bei den meisten wird die Erkrankung im Alter zwischen 55 und 60 Jahren diagnostiziert.
Die Diagnose war ein Schock
Alles beginnt mit einem Tremor, also einem Zittern, in der rechten Hand. Beyer hat es selbst erst gar nicht bemerkt, sie wird von anderen darauf hingewiesen. Sie geht zum Arzt und nimmt damals noch an, sie habe lediglich einen Vitaminmangel. Doch es kommt anders. Nach mehreren Untersuchungen dann die Diagnose: Parkinson. "Die Diagnose kam wie ein Schwert von oben und hat mein Leben in das 'Davor' und 'Danach' eingeteilt."
Katharina Beyer am Tönsberg in Oerlinghausen. Seit ihrer Diagnose hat der Ort für sie eine besondere Bedeutung.
Noch nie habe ihr Arzt eine so junge Parkinson-Patientin gehabt, erzählt sie. Beyer ist verzweifelt, überfordert und weiß zunächst nicht, wie die Krankheit ihr Leben verändern wird. Alles, was sie im Internet dazu findet, macht ihr Angst.
Akzeptanz der Parkinson-Erkrankung
"Am Anfang habe ich versucht, die Krankheit zu ignorieren und versucht, einfach normal weiterzuleben, die Symptome zu unterdrücken und zu verheimlichen." Doch dann entscheidet sie sich, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen und ihre Geschichte zu erzählen.
"Es muss ja nicht jedem so gehen wie mir - dass er sich so allein damit fühlt. Sondern wenn es andere junge Patienten gibt, wäre es schön, wenn die irgendwo einen Anker finden, an dem sie sich festhalten können." Katharina Beyer
Katharina Beyer hat ein Buch über ihre Erkranung geschrieben.
Sie schreibt ein Buch und lernt dadurch tatsächlich andere jung an Parkinson erkrankte Menschen kennen. Der Austausch mit den anderen gibt ihr Kraft.
Kreativität und Bewegung
Heute ist Katharina Beyer in Frührente. Sie schreibt viel, gibt Musik-Workshops. Sie hat schon mehrere Gedichtbände veröffentlicht und macht eigene Musik. Die 44-Jährige sprudelt vor Kreativität: "Das gibt mir viel Kraft und ist etwas, das ich geschenkt bekommen habe durch die Krankheit. Es macht mir unheimlich viel Freude und gibt mir auch viel von dem Selbstwertgefühl, das man sich vielleicht sonst über Berufstätigkeit erarbeitet."
Sport ist aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Seit zehn Jahren geht sie mehrmals die Woche zur Ergotherapie. Trainerin Nina Altekrüger hilft ihr dabei, fit zu bleiben. "Bewegung ist bei Parkinson sehr wichtig, damit sie beweglich bleibt und im Alltag gut zurechtkommt", erklärt die Ergotherapeutin. "Wir haben schon sehr viel zusammen erreicht."
Katharina Beyer mit Trainierin Nina Altekrüger bei der Ergotherapie
Beyer ist stolz auf ihre Fortschritte und trainiert gerne mit Nina Altekrüger, auch wenn sie nicht immer hochmotiviert ist. Sie sagt: "Auch an schlechten Tagen, wo der Parkinson mal sagt: 'Eigentlich will ich mich gar nicht bewegen und mich einfach ins Bett legen.' Dann komme ich trotzdem fast immer her."
Verschiedene Symptome
Vor einem Jahr wird sie am Gehirn operiert. Dadurch werden die meisten Symptome gut unterdrückt und sie muss weniger Medikamente nehmen als zuvor. Heute geht es ihr deutlich besser.
"Die Symptome, die man sieht, sind eigentlich nur die Spitze des Eisbergs." Katharina Beyer
"Mit der Zeit wird einem das immer bewusster, dass man langsamer ist, dass man weniger Antrieb hat", sagt Beyer. "Ich habe immer wieder depressive Phasen, in denen es schwer für mich ist, positiv nach vorne zu gucken."
Familie und Kinder
Das Wichtigste für sie sind ihre Kinder. Die beiden sind - wie sie selbst sagt - ihr Motor: "An Tagen, wo es mir nicht so gut geht, sind die Kinder der Grund, warum ich aufstehe und versuche, alles so gut wie möglich zu schaffen." Sie will ein Vorbild für ihre Kinder sein. "Ich will zeigen, dass es im Leben auf andere Dinge ankommt, als immer nur zu funktionieren."
Katharina Beyer und Rainer Weiß heiraten im Juli.
Vor zwei Jahren lernt Beyer ihren Partner Rainer Weiß in einer Klinik kennen. Er hat ebenfalls Parkinson. Die beiden sind verlobt und wollen im Juli heiraten.
"Mein Weg war kein steiles Bergab. Sondern es gab immer wieder Täler, durch die ich gehen musste, aber danach ist auch immer wieder etwas Schönes passiert und was, mit dem ich vorher gar nicht gerechnet habe." Deswegen blickt Katharina Beyer positiv nach vorne und hat gelernt, ihre Parkinson-Erkrankung zu akzeptieren und anderen Menschen Mut zu machen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Katharina Beyer
- Gespräch mit Ergotherapeutin Nina Altekrüger
- Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen
Sendung: WDR.de, Katharina Beyer hat mit Mitte 30 die Diagnose Parkinson bekommen, 07.06.2026, 05:00 Uhr
