Landwirt Heinz-Georg Olligs aus Bedburg trotzt mit einem Bewässerungsverband der Dürre
So kämpfen Landwirte in Bedburg gemeinsam gegen die Dürre
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Heinz-Georg Olligs aus Bedburg stand vor einem großen Problem. Nach drei trockenen Sommern machte sich der Landwirt Sorgen um seine Existenz. Um dem Klimawandel und einem außergewöhnlichen zweiten Problem zu trotzen, fand er zusammen mit anderen Landwirten aus dem Rheinland diese Lösung.
Heinz-Georg Olligs steht in Bedburg-Kirchherten auf einer großen Erntemaschine. Der 58-Jährige fährt darauf über seinen Acker und erntet die ersten Frühkartoffeln des Jahres. Auf 100 Hektar baut der Landwirt im Rheinland Kartoffeln an. Konzentriert blickt er gerade auf das Förderband vor sich und sortiert Erdklumpen zwischen den frisch gerodeten Knollen aus. Olligs ist mit der Ernte zufrieden, das war vor ein paar Jahren noch anders.
"Du stehst vor deinem Feld und denkst: Hier wächst etwas Geiles ran. Und dann musst du mit ansehen, wie das vertrocknet, oder wie dir die Qualität aus den Händen gleitet", erinnert sich der Landwirt. Die drängende Frage, die viele landwirtschaftliche Betriebe in Zeiten des Klimawandels beschäftigt, lautete deshalb: "Wie kriegen wir Wasser auf die Felder?". Die Bedeutung dieser Frage machte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserforschung (IWW) 2024 in einem Fachgespräch im Bundestag deutlich: So könnte sich der Wasserbedarf in der Landwirtschaft bis 2100 verdreifachen.
Wassernot durch Dürre und Braunkohletagebau
Der Klimawandel ist allerdings nicht das einzige Problem in Bedburg. Die Region liegt in unmittelbarer Nähe eines Ortes, an dem die Zivilisation abrupt endet. Hinter einem steilen Abhang erstreckt sich ein riesiger, bis zu 200 Meter tiefer Tagebau. Es ist der Braunkohletagebau Garzweiler, betrieben von RWE, der das Landschaftsbild im westlichen Rheinland prägt.
Der Ausblick auf den Braunkohle Tagebau Garzweiler
Der Tagebau hat das Grundwasser stark abgesenkt. Während früher in 60 Metern Tiefe ausreichend Wasser zu finden war, sind heute Bohrungen bis zu 100 Meter notwendig. Hier an Wasser kommen? Ein echtes Problem und aufwendiger Kraftakt, den Olligs und seine Berufskollegen nicht länger hinnehmen wollten.
So meistern 20 Landwirte die Wasserkrise
"Wir haben uns im Wintergarten zusammengesetzt, meine Frau hat Kaffee gemacht und wir haben überlegt, was wir machen können", erzählt Olligs, während er einen weiteren Erdklumpen auf dem Sortierband entdeckt und ihn in eine Kiste fallen lässt. Die Landwirte gründen 2020 den ersten Bewässerungsverband der Region und stellen einen Förderantrag für ein gemeinschaftliches Bewässerungssystem. "Für die Behörden ging das in Rekordzeit. Für uns war es noch viel zu langsam."
- Viel zu trocken, viel zu nass: Hier erfährst du, wie andere Landwirte auf den Klimawandel reagieren
Die damalige Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in NRW nennt das Vorhaben ein "Leuchtturmprojekt zur Anpassung an den Klimawandel". Das Land fördert es mit 5,6 Millionen Euro. Weitere 2,4 Millionen Euro stemmen die Landwirte selbst. Die Landwirtschaftskammer NRW begleitet das Projekt des Bewässerungsverbands und prüft, ob es sich auch für andere Regionen anbieten könnte.
Kilometerlanges unterirdisches Bewässerungssystem
Das Ergebnis der jahrelangen Bemühungen liegt heute größtenteils unter der Erde verborgen: Auf einer Strecke von etwa 22 Kilometern verlaufen unterirdische Rohrleitungen. Über Hydranten direkt an den Feldern können die Landwirte so ihre Äcker mit Wasser versorgen, das aus sechs neu gebauten Brunnen stammt. Wie viel Wasser die 20 Landwirte aus der Tiefe holen dürfen, ist streng geregelt und wird kontrolliert.
Sechs dieser Brunnen sind das Herzstück des unterirdischen Bewässerungsnetzwerks
"Wir dürfen nur aus der Schicht Wasser entziehen, wo es auch natürlich von oben nachkommt", erklärt Olligs. Grundwasser bildet sich laut Landwirtschaftskammer NRW vor allem im Winter - dann sickert Regen in den Boden und füllt die natürlichen Speicher auf. Das können die Landwirte für den Sommer nutzen, wenn es zu trocken ist und Regen ausbleibt. Die natürliche Speicherung im Grundwasser sei außerdem sinnvoller als Regenrückhaltebecken: Der unterirdische Speicher ist deutlich größer und ermöglicht es, Wasser über mehrere Jahre hinweg ohne großen Aufwand zu speichern und nach Bedarf zu nutzen.
Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich wollen dem Bewässerungsverband dabei helfen, mit dem Wasser sparsam umzugehen. Mit Bodensensoren liefern sie genaue Angaben für die optimale Feldbewässerung. "Wenn man sieht, dass eine Sorte Wasser braucht, aber die andere Sorte nicht, habe ich das in der Hand und kann das dosieren. Das macht schon Spaß", sagt Olligs. Er und die anderen Landwirte sind zufrieden. Das Bewässerungssystem nehme auch den psychichen Druck, mit der Ernte hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, und somit auch finanzielle Sorgen.
