Taschen mit dem Firmen-Logo von Galeria hängen in einer Filiale

Warenhauskette Galeria droht ohne neuen Kredit die Pleite

Stand:

Die Geldnot bei der angeschlagenen Kaufhauskette Galeria soll dramatisch sein. Derzeit wird über einen Millionenkredit verhandelt - im Gegenzug für noch gravierendere Einschnitte als bisher schon.

Wir wollen deine Meinung hören!

Jetzt mitdiskutieren

Der heutige Galeria-Konzern entstand aus der Fusion der traditionsreichen Kaufhausketten Kaufhof und Karstadt. Seit 2020 hat die Warenhauskette Galeria drei Insolvenzverfahren durchlaufen. Gebessert hat sich die Lage dennoch nicht. Im Mai lockte die Rabattaktion "25 Prozent auf alles" potenzielle Kunden an. Weil das laut "Bild" den Umsatz etwas ankurbelte und die Gehälter der 12.000 Mitarbeiter sicherte, soll jetzt angeblich die nächste Rabattaktion die Juni-Gehälter sichern.

Galeria Kaufhof bestätigt Verhandlungen mit Betroffenen

Nach Medienberichten wird derzeit über eine Finanzspritze in Höhe von 160 Millionen Euro durch den US-Investor Gordon Brothers verhandelt. Der organisiert den Abverkauf, wenn Einzelhändler Filialen schließen. Galeria-Pressesprecherin Melanie Oosterhof bestätigte dem WDR Verhandlungen mit "entsprechenden Stakeholdern".

Galeria-Sanierung könnten weitere Stellen zum Opfer fallen

Mehr als 50 aufgegebene Standorte von Kaufhof und Karstadt haben Gordon Brothers begleitet - derzeit existieren noch 83 in Deutschland, 17 in NRW. Der neue Kredit soll an einen harten Sanierungsplan geknüpft sein, dem weitere Stellen und Standorte zum Opfer fallen könnten. Ob neben der Tilgung von Altlasten dann noch Kapital für tatsächliche Investitionen in Filialen und Sortiment übrigbleibt, ist fraglich.

Umsatzeinbrüche und Schwankungen der Liquidität

Die Lage ist offenbar brenzlig wie nie: Die "Bild"-Zeitung berichtete, Galeria leide unter dramatischen Umsatzeinbrüchen, seit Wochen werde kaum noch neue Ware bestellt. Die Geldnot scheine so groß, dass der amtierende Geschäftsführer Tilo Hellenbock die Mieten für die verbliebenen Warenhäuser nur mit Verzögerung zahlen könne. Mehrere Vermieter der Galeria-Gebäude hatten im April und Mai über nicht oder nur teils gezahlte Mieten geklagt.

Galeria verhandelt erneut mit Vermietern

Nach WDR-Informationen laufen derzeit Verhandlungen mit allen Vermietern über neue Modalitäten, Einzelheiten sind nicht bekannt. Tatsächlich ist die Miethöhe für die Warenhäuser eine wichtige Kosten-Stellschraube. Kürzlich war bekanntgeworden, dass Galeria zahlreiche Vermieter um eine Stundung der Mietzahlungen gebeten hat. Das Unternehmen begründete dies mit Schwankungen der Liquidität.

Handelsexperte Roeb: Skeptisch für Galeria

Wie soll es nun weitergehen? Thomas Roeb von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg untersucht seit Jahrzehnten die Entwicklung im Handel. Heute wiederholt er gegenüber dem WDR sein Mantra über Jahre für ein erfolgreiches Warenhauskonzept: "Stärkere Regionalisierung der Sortimente, stärkere Fremdvergabe der Flächen - das ist seit 20 Jahren bekannt. Das wird auch immer wieder von den jeweils neuen Eigentümern propagiert, aber nie umgesetzt."

"Fakt ist: Die aktuellen Eigentümer haben bisher nicht eigenes Geld in erheblichem Umfang investiert. Man erwartet, aus dem Cashflow irgendwie die laufenden Kosten zu decken. Das funktioniert nicht. Dafür ist das Unternehmen viel zu stark heruntergewirtschaftet." Thomas Roeb, Handelsexperte

Galeria will im Online-Handel aktiver werden

Als weitere Maßnahmen für Kosteneinsparungen rät Roeb dazu, externe Mieter in die Warenhäuser zu holen - zum Beispiel Hersteller von Schuhen, Spielzeug oder Schmuck, die ihre eigenen Verkaufsstände betreiben. "Bild" berichtet, dass der Konzern insgesamt schlanker werden, die Aktivitäten im Online-Handel aber wachsen sollen - von fundamentalen Veränderungen der Struktur ist die Rede. US-Investor Gordon Brothers wolle, dass Galeria bereits 2028 operativ wieder Gewinn macht.

Harte Konkurrenz durch Temu, Shein und Joybuy aus China

Roeb ist da skeptisch. Schon vor der Fusion von Karstadt und Kaufhof habe man mit dem stationären Handel nicht mithalten können, sagt er. Und damals habe es noch keine Online-Wettbewerber wie Temu und Shein gegeben. Mit nunmehr verschärfter Konkurrenz aus China wie Joybuy, die stärker als Amazon an den Markt drängen, hält Roeb die Lage für Galeria sogar für aussichtslos.

Galeria in der Krise

WDR 15.06.2026 03:02 Min. Verfügbar bis 14.06.2028 WDR Online

Download

Wie geht es weiter bei Galeria in Bonn, Bochum und Dortmund?

In NRW betreibt Galeria noch 17 Filialen. Die Belegschaft insgesamt ist pessimistisch, beobachtet Marcel Schäuble, Verdi-Verhandlungsführer für den Handel in Hessen und Landes-Fachbereichsleiter: "Die Beschäftigten sind aus der Erfahrung so leidgeprüft, dass sie keine großen Hoffnungen mehr haben."

Auch wenn jetzt nochmal Geld investiert werden sollte in die restlichen rund 80 Standorte, glaubt Handelsexperte Roeb, dass der Weg wieder in die Insolvenz führt. "Galeria - das ist wie der Timmy des Einzelhandels. Nach dem letzten Rettungsversuch hat der Wal noch fünf Tage gelebt. Bei Galeria ist das so ähnlich. Da reden wir dann von fünf Jahren vielleicht – oder von fünf Monaten."

Unsere Quellen:

  • Melanie Oosterhof, Galeria-Pressesprecherin
  • WDR-Informationen
  • Marcel Schäuble, Verdi-Verhandlungsführer für den Handel
  • Thomas Roeb, Handelsexperte
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters
  • Berichterstattung der Bild-Zeitung

Sendung: WDR Wirtschaftsmagazin 15.06.2026, WDR 5, 13.40 Uhr, Mittagsmagazin WDR2, 14:40 Uhr

Hinweis der Redaktion, 16.6.2026, 12.30 Uhr:

In einer vorherigen Version haben wir die Anzahl der noch in NRW geöffneten Galeria-Filialen an verschiedenen Stellen unterschiedlich angegeben. Richtig ist, dass noch 17 Filialen geöffnet sind. Dies haben wir korrigiert und auch die NRW-Karte im Beitrag angepasst.

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

Unsere Netiquette

* Pflichtfelder

31 Kommentare

  • 31 Thomas aus Detmold 17.06.2026, 15:30 Uhr

    „Die Wirtschaft in ihrem heutigen Zustand ist ein an chronischem Völlegefühl leidender Herz- und Hirnpatient, der wegen der Arbeitsplätze seiner Pflegekräfte künstlich am Leben erhalten werden muss. Wäre der Markt nicht übersättigt, so bestünde kein Bedarf an Werbeagenturen, Messestand-, Schaufenster- und Internetseitengestaltern, Bewerbungshelfern und theatralisch geschulten Verkaufsförderungspredigern.“ Sprich: wir haben Alles, den zweiten Fernseher, das dritte Auto, das vierte Smartphone... Vielleicht lässt der Patient sich noch retten, würde man die Warenimporte aus dem Billiglohn-Ausland unterbinden.

  • 30 Sascha 17.06.2026, 13:33 Uhr

    Es ist eine Schande immer mehr Innenstädte sterben zu sehen. Ich sehe es hier bei mir hautnah was der Online- Handel alles kaputt macht. Meine Frau bestellt (fast) alles online- und schickt dann viel zu viel davon zurück. Was mit zurückgesendeten Waren im Großteil passiert ist ja bekannt- vieles wird vernichtet. Ich schätze den kommunalen Einzelhandel und jeder Einkauf ist auch mit einem gewissen Spaß verbunden. Klar, ich vergleiche auch Preise aber die Zeiten wo der Onlinehändler alles grundsätzlich günstiger anbietet ist längst vorbei- inzwischen greift man doch gleich zum Handy und bestellt ohne sich Gedanken zu machen. Das Warenhaus darf nicht sterben. Und jeder ist hier gefordert sein Handeln zu überdenken. Stärkt den kommunalen Einzelhandel und schiebt den dem Bezos nicht noch mehr Kohle in den Hals.

  • 29 Claus 17.06.2026, 13:01 Uhr

    Ich habe auch einen kleine Betrieb in einem Vorort von Dortmund. Es ist nun mal so, dass System Geschäft hat ausgedient. Wir bekommen auch immer nur zu hören, "Ihr seid meine letzte Rettung", bzw. "Ich war schon überall". Somit hat der Endverbraucher entschieden, dass er keine Geschäfte mehr braucht. Auf den Lückenfüller für das Internet haben wir schon lange kein Bock mehr. Deswegen sind wir jetzt nur noch Dienstleister.

  • 28 W.Kopatsch 17.06.2026, 09:00 Uhr

    Wieviel Geld soll denn noch in dieses Unternehmen fließen ? Es ist doch eindeutig dass nichts mehr zu retten ist. Auf die 4. Insolvenz wird eine 5. folgen. Lieber ein schreckliches Ende als ein Schrecken ohne Ende.

    • Marielle Marillenlikör 17.06.2026, 12:46 Uhr

      Mich regt eher diese Duldungsstarre und Bequemlichkeit der Leute auf. Klar ist, die Mieten sind zu hoch! In der Gastronomie gilt dasselbe. Auch hier sind Mieten zu hoch, deshalb sind die Arbeitsbedingungen u. Löhne schlecht, dann wird über Fachkräftemangel geklagt. Wieso kapiert das kaum jemand?

  • 27 W.Kopatsch 17.06.2026, 09:00 Uhr

    Wieviel Geld soll denn noch in dieses Unternehmen fließen ? Es ist doch eindeutig dass nichts mehr zu retten ist. Auf die 4. Insolvenz wird eine 5. folgen. Lieber ein schreckliches Ende als ein Schrecken ohne Ende.

  • 26 Tina 17.06.2026, 07:44 Uhr

    Ich arbeite im Galeria Warum die Situation ist , wie sie ist , das ist ja nun bekannt. Was mich aber immer wieder wundert ist aber der Anteil an Kunden denen es völlig egal ist , das dort Menschen arbeiten die ihre Arbeit verlieren könnten. Seid bekannt ist das es wieder schlecht um die galeria steht, ist die erste frage die Kunden stellen , wann schließt ihr und wieviel Rabatt gibt es dann. Also nicht ,das tut mir leid das es so schlecht steht ich hoffe sie verlieren ihre arbeit nicht , sondern es geht vielen nur darum , so wie es schon lange der Fall ist , Alles so billig wie möglich zu kaufen.oft reichen 20% sale nicht , nein es könnten ruhig 25 % sein. Dabei wird natürlich erwartet das immer genügend Personal da ist . Ohne sich evt. Gedanken zu machen , wie sollen Gehälter bezahlt werden wenn aufgrund von Rabattaktionen die ja andauernd laufen weniger Umsatz gemacht wird. Ach ja u. Dann sind da ja noch die Leute, die sich sehr ausführlich beraten lassen,und dann online kaufen.

    • Marielle Marillenlikör 17.06.2026, 13:06 Uhr

      Die bedauerliche Schließung des Kaufhofs in Mönchengladbach hat auch viele Schnäppchenjäger angezogen. Das Kassenpersonal und die Security habe ich jedoch zuvor nie im Kaufhof gesehen. Was soll uns das sagen? In Mönchengladbach ist nun auf einer Teilfläche der Filialist Sinn eingezogen. Die Textilien wirken aber nicht mehr so wie in der ehemaligen repräsentativen Filiale von Sinn in Nähe Alter Markt. Ich denke, dass es auch für die Nachnutzung keine stimmigeren Konzepte gibt. Atmosphärisch hat sich die Fußgängerzone von Mönchengladbach so nachteilig entwickelt, dass man lieber fern bleibt. Das gleiche Bild übrigens in Rheydt, wo die Filialschließung von Karstadt dem Kern der Innenstadt die Seele nahm. Im ehemaligen Kaufhof Siegburg ist jetzt Tedi eingezogen. Das sagt auch einiges aus.

  • 25 Käptn Jörg 17.06.2026, 07:42 Uhr

    Beim Onlinehandel muss es verboten sein öfter als 1 x Ware zurückzusenden. Kleidung darf garnicht mehr verschickt werden - die muss man anfassen und vor Ort anprobieren !

    • Marielle Marillenlikör 17.06.2026, 12:40 Uhr

      Zustimmung. Was ich nicht verstehe, dass Leute lieber ihre Pakete zur Retour schleppen, als Produkte im Warenhaus bewusst einzukaufen. Passt der Schuh, steht mir der Pullover, wie ist die Haptik?

  • 24 Thomas 16.06.2026, 21:12 Uhr

    Ich bin noch sehr jung, gehe aber regelmäßig und gern zu GALERIA. Da die wunderschöne Filiale in meiner Stadt leider auch geschlossen wurde, nehme ich inzwischen weite Wege auf mich, um bei GALERIA einkaufen zu können. Sollten nun weitere Filialen schließen, ist das eine Katastrophe. Ich liebe das traditionelle Warenhaus und würde es sehr vermissen. Ich bin über jede geschlossene Filiale tief traurig. Schade, dass die Kaufhäuser nicht mehr wie früher gestürmt und genutzt werden. Wenn sie weg sind, merken die Leute erst, dass das letzte bisschen Flair für den Normalbürger aus den Innenstädten endgültig verschwunden ist. Sehr schade. Dann nur noch Lebensmittel, Döner, Barbiere und Drogerien in der Stadt. 😭

  • 23 Immobilienheino 16.06.2026, 19:41 Uhr

    Was hier komplett ausgeklammert wird sind die Immobilien. Für die Kommunen ist es sehr wichtig diese Giganten in den Innenstädten nicht leerstehen zu lassen, weswegen eine Fortführung des Betriebs, ungeachtet davon wie wirtschaftlich oder notwendig für die Versorgung das letztendlich ist, angestrebt wird. Für die einzelnen Warenhäuser sind die Mieten, die ja letztendlich arbiträr gesetzt werden und das Geld aus dem Betrieb zu den Investoren fließen lassen das größte Problem. Zu vernünftigen Mietpreisen wären sie wahrscheinlich in der Lage zu wirtschaften, aber so fließt alles was zur Sanierung nötig wäre ab. Und auch umziehen ist keine Option. Und für die Investoren, die wohl kaum am dreifachen Insolvenzfall interessiert sind, ist war schon immer der prime real estate in den Innenstädten das Ziel. Und wenn Kaufhof dann endlich Pleite ist, und die Kommunen verzweifelt genug, wird man sie dann am Ende auch Wohnungen entwickeln lassen.

  • 22 Marion. 49 Jahre Kaufhof/ 16.06.2026, 19:32 Uhr

    Ein großes Problem ist , dass die Konzernführung einfach vom Geschäft keine Ahnung hat. Man ist nicht am Kunden dran , man verpasst Trends und bewirbt Artikel die schon vor Jahren beworben wurden. Es gibt nichts Neues und hält immer noch an alten Zöpfen fest. Man ist nicht innovativ. Ausgebildet wird kaum noch. Fachpersonal ist Mangelware. Die wenigen Mitarbeitenden werden nicht wertgeschätzt. Man nimmt sie nicht ernste aber sie tragen die Konsequenzen der Konzernführung. (Die haben ihre Schäfchen ja im trockenen)Die Läden werden auf Gedeih und Verderb offen gehalten. Der onlineshop....da reden wir lieber nicht drüber. Ich könnte im Strahl ko... wenn ich sehe was da alles abgeht.

    • Thomas aus Detmold 17.06.2026, 18:05 Uhr

      „...dass die Konzernführung einfach vom Geschäft keine Ahnung hat....“ - Richtig. Manager, nach englischer Silbentrennung geteilt, sind Man-ager, zu deutsch Menschen-Altmacher. Hat man einen Man Ager über sich und will „ebbes denke beim Gschäft“ (schwäbisch!), so sieht man alt aus. Ein Vereinskamerad aus Stuttgart sagt in so einem Fal gerne, „Herr, lass Hirn raa“. (raa = herunter)

  • 21 King 16.06.2026, 19:25 Uhr

    Überdimensionierte Warenhäuser haben keine Zukunft mehr. Der Trend zeichnete sich bereits vor 20 Jahren ab. Die Gründe liegen auf der Hand. Es ist offensivhtlich, dass sich das Kaufverhalten fundamental verändert hat. Vorrangig wird das Gviereld für den Urlaub ausgegeben, wovon die Touristkbranche profitiert.

    • Mel 17.06.2026, 20:33 Uhr

      Das stimmt nicht! Wir haben in Münster beide Geschäfte halten können und beide sind wirtschaftlich erfolgreich! Das hängt auch mit den tollen Mitarbeitern, insbesondere beim früheren Karstadt, zusammen. Aber: Jetzt wurde anscheinend das Personal im ehemaligen Karstadt fast auf Null reduziert und auf andere Standorte verteilt. Sorry, aber ohne Personal können die Standorte alle nicht überleben! Oder war das ein Druckmittel? Jedenfalls ist das Sortiment top und Mitarbeiter auch. So kann es in Münster weiter gehen. Und ich bin sicher, dass viele Münsteraner und Touristen beide Standorte weiter stark nutzen werden.

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft

1 / 2