Herforder Brauerei schließt und Paderborner wird verkauft
WDR. 02:37 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Zwei Traditionsbrauereien in Ostwestfalen-Lippe stehen vor dem Aus: Die Herforder Brauerei soll bereits im August geschlossen und die Paderborner Produktion soll verkauft werden. In Herford sind laut Gewerkschaft NGG knapp 100 Arbeitsplätze, in Paderborn sogar 120 Arbeitsplätze betroffen.
Beispiellose Krise des deutschen Biermarktes
Eigentümer der beiden Produktionsstandorte ist die Warsteiner Brauerei. Die Haus-Cramer-Gruppe spricht von einer beispiellosen Krise des deutschen Biermarktes. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier sei seit dem Jahr 2000 von 125 Litern auf nur noch 88 Liter zurückgegangen. Man habe sich daher nach dem Prüfen aller wirtschaftlichen Optionen zu diesem Schritt entschlossen.
Das Gelände der Herforder Brauerei in Hiddenhausen.
Die beiden Biermarken "Herforder" und "Paderborner" sollen erhalten und zukünftig in Warstein abgefüllt werden. "Die Marken Herforder und Paderborner, lokale Partnerschaften und das Engagement in den Regionen bleiben auch künftig bestehen", heißt es in der Pressemitteilung. Es sei beabsichtigt, einen Teil der Belegschaft in Warstein zu übernehmen, so die Haus-Cramer-Gruppe. Sollte sich allerdings kein Käufer für die Paderborner Brauerei finden, werde der Betrieb dort zu Jahresende ebenfalls eingestellt.
Gewerkschaft spricht von "Wortbruch"
Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten wirft den Eigentümern Wortbruch vor. Es gebe einen Zukunftssicherungsvertrag, der eine Sicherung der Standorte Herford und Paderborn bis Ende 2028 vorsehe. Für diesen hätten die Beschäftigten seit 2021 auf Tariferhöhungen, Urlaubsgeld und einen Teil des Weihnachtsgeldes verzichtet. Die Haus-Cramer-Gruppe sagte dem WDR dazu, auch dies sei Teil der nun zu führenden Gespräche.
"Bis jetzt zum Schluss haben wir gekämpft und Überstunden gemacht und auf Gehalt verzichtet und es wurde nicht mit uns gesprochen. Jetzt ist die Bombe geplatzt." Daniel Strehl, Mitarbeiter der Herforder Brauerei
Um 13 Uhr am Donnerstag, 7. Mai 2026, hatten die Mitarbeiter der Herforder Brauerei von der Geschäftsführung über diese Entwicklung erfahren. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Mohamed Boudih, sagt: "Heute ist ein Katastrophen-Tag für das Bier-Land Nordrhein-Westfalen. Ein schwarzer Tag fürs Bier. Ein Horror-Tag für die Brauerei-Städte Herford und Paderborn. Und vor allem ein Schock-Tag für alle, die in Herford und Paderborn vom und für das Bierbrauen leben."
Stadt Paderborn: "Uns trifft der Verkauf"
"Das ist keine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort und auch für den traditionellen Brauereistandort Paderborn", sagt Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU). Jürgen Janke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Paderborn, ergänzt: "Die Marke Paderborner ist Teil des Images unserer Stadt, daher trifft uns der Verkauf." Das Brauereigelände biete aber Raum für eine starke Nachnutzung, erstes Interesse sei bereits vorhanden.
Auch zur geplanten Schließung der Herforder Brauerei gibt es kritische Stimmen aus der Politik. "Viele Menschen haben jahrzehntelang mit großem Einsatz für die Brauerei gearbeitet. Sie verdienen Respekt, Fairness und vor allem eine verlässliche Perspektive", so der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze. Für ihn ist die angekündigte Schließung nur schwer nachvollziehbar. Erst Anfang des vergangenen Jahres wurde eine der modernsten Abfüllanlagen Deutschlands am Standort Hiddenhausen eröffnet – auch, um den Standort und Arbeitsplätze langfristig zu sichern. "Dass jetzt plötzlich alles vorbei sein soll, ist schwer zu begreifen", sagt Schwartze.
Unsere Quellen:
- Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten
- Haus Cramer Gruppe Warstein
- Reporter vor Ort
- Pressemitteilung Stadt Paderborn
- Pressemitteilung MdB Stefan Schwartze (SPD)
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 07.05.2026, 19:30 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 07.05.2026