Wenn Rhonice Carson Walter über Suriname spricht, schwingt viel Wärme mit. Sie lebt heute in Neuss, kam als Kind mit ihrer Familie in die Niederlande und zog später – mit 25 – wegen ihres Mannes nach Deutschland.
Suriname kennt hier kaum jemand, sagt sie. Dabei ist das Land geprägt von Kolonialgeschichte, von erzwungener Migration, von Kulturen, die sich über Jahrhunderte vermischten. Das sieht man überall – vor allem auf dem Teller.
Rhonice Cerson Walter
"Suriname ist hunderte Jahre koloniales Gebiet gewesen. Es sind versklavte Menschen und Arbeiter hingebracht worden, die ihre eigenen Kulturen mitgebracht haben. Auch Esskulturen", sagt Rhonice. "Deshalb bezeichnet man surinamisches Essen manchmal als indisch, chinesisch oder indonesisch. Es ist alles da."
Eines der Gerichte, das für sie am stärksten nach Zuhause schmeckt, ist Moksi Alesi, wörtlich "gemischter Reis". Moksi Alesi ist ein typisches Alltagsgericht. Entstanden in Haushalten, in denen man mit dem kochte, was greifbar war.
In ihrer Kindheit war es immer eine Überraschung, was an diesem Tag im Topf landet. Der Grundstock ist schlicht: Reis, optional Hülsenfrüchte, dazu ein Gemüse, und ein Protein, das gerade verfügbar ist. Im tropischen Suriname oft haltbar gemachte Zutaten wie getrockneter oder geräucherter Fisch oder gepökeltes Fleisch, weil frische Produkte früher nicht immer zu bekommen waren.
In Suriname hat gemeinsames Essen einen hohen Stellenwert. Gekocht wird nie nur für die eigene Familie. Die Töpfe sind bewusst groß: Menschen sollen jederzeit mitessen können. Das hat historische Gründe. In vielen Familien gab es kaum etwas, das man verschenken konnte, nichts Materielles. Was man geben konnte, war Essen. Und genau das wurde zum Ausdruck von Nähe, Fürsorge und Respekt.
Diese Haltung prägt auch Rhonice. Für sie gehört es dazu, immer so zu kochen, dass eine Portion mehr kein Problem ist. Essen ist das, was man teilt, wenn man sonst nichts hat. Und gerade deshalb ist es in der surinamischen Kultur so zentral: Man gibt das Wertvollste weiter, das man zuverlässig hat, eine warme Mahlzeit, ein Platz am Tisch, ein Moment von Gemeinschaft.
Moksi Alesi – Gemischter Reis in Rhonices Version
Rezept für 4 Portionen
Zutaten
- 300 g Reis
- 250 ml Kokosmilch
- 200 ml Wasser
- 350 g geräucherte Makrele oder getrocknete Krabben
- 1 Zwiebel
- 2 Knoblauchzehen
- 1 Tomate
- 2 EL Tomatenmark
- 2 EL Sojasauce
- 1 Brühwürfel
- 1/2 Spitzkohl
- ggf. eine Madame Jeanette-Chili
- Optional können dazu: Hülsenfrüchte wie Spargelbohnen, schwarzäugige Erbsen oder Saubohnen
Zubereitung:
Die Zwiebel fein würfeln und den Knoblauch fein hacken. Die Haut von der Makrele entfernen und den Fisch in kleine Stücke zerteilen. Die Tomate in Würfel schneiden.
Etwas Öl in einem Schmortopf erhitzen. Zwiebel und Knoblauch darin anschwitzen, bis die Zwiebel glasig wird. Dann Tomatenmark, Tomate, Sojasauce und Brühwürfel zugeben. Kurz umrühren und anschließend die Makrele einrühren. Zwei bis drei Minuten anbraten. Dann Kokosmilch und Wasser hinzufügen.
Den Reis in einem Sieb unter kaltem Wasser abspülen. Zum Topf (optional mit Hülsenfrüchten nach Gusto) geben und fünf bis zehn Minuten leise köcheln lassen, bis das meiste Wasser verdampft ist. Den Topf erst mit einem sauberen Geschirrtuch und dann mit dem Deckel abdecken. Auf der niedrigsten Stufe etwa 20 Minuten dämpfen, bis der Reis gar ist. Darauf achten, dass nichts anbrennt, bei Bedarf etwas Wasser nachgießen.
Währenddessen den Spitzkohl in feine Streifen schneiden. Wenn der Reis fast gar ist, den Kohl separat kurz in etwas Öl im Wok oder in der Pfanne anbraten, bis er warm, aber noch knackig ist.
Wenn der Reis fertig ist, den Spitzkohl untermischen.
Moksi Alesi mit etwas eingelegtem Gemüse (zuurgoed) oder einem Salat aus Gurke und roter Zwiebel servieren.
Autorin: Ana Romas
Redaktion: Valentina Dobrosavljević
Ana Romas ist Foodbloggerin und schaut für "WDR 5 Neugier genügt" ihren Nachbarn in den Topf.
Service Essen und Trinken ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort mittwochs zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.