Ana Romas in Nachbars Küche : Challah – traditionelles Schabbat-Brot
Goldbraune Challah-Brote duften süßlich und warm – allein das Kneten des Teigs ist mehr als Backen, es ist gelebte Identität. Das Brot ist traditionell parve – also weder milchig noch fleischig –, damit es zu allen Mahlzeiten passt, egal ob Fleisch- oder Milchgericht.
Die goldbraunen Brote duften süßlich und warm, wenn sie aus dem Ofen kommen. "Ich finde, alleine schon das Kneten macht die Challah aus", sagt Mascha. Für sie ist das Backen ein Stück Identität, das sie sich im Erwachsenenalter erarbeitet hat.
Mascha ist 28 Jahre alt, lebt in Dortmund mit ihrem Mann, ihrem kleinen Sohn und dem Familienkater. Sie arbeitet als Antidiskriminierungsberaterin und studiert im Master Geschichte. In ihrer Küche knetet sie regelmäßig einen Teig, der seit Jahrhunderten zum jüdischen Schabbat gehört: Challah, das festliche Zopfbrot.
"Jetzt, wo ich eine Familie habe, einen Sohn, ist bei mir der Anreiz und die Motivation größer, mir Dinge anzueignen – vor allem was die jüdische Küche angeht. So ein bisschen seine eigenen Wurzeln zu suchen und selber entstehen zu lassen, auch irgendwo weiterzugeben." Mascha (28)
Challah ist vom jüdischen Schabbat und von Festtagen nicht wegzudenken. Das Brot ist traditionell parve – also weder milchig noch fleischig –, damit es zu allen Mahlzeiten passt, egal ob Fleisch- oder Milchgericht. Gebacken wird es meist als Zopf, klassisch mit drei Strängen, aber auch mit vier, sechs oder in runden Formen. Gerade zu Rosh ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, symbolisiert die runde Form den Kreislauf des Jahres.
Heute backen auch viele Menschen Challah, die nicht religiös leben – weil das Teilen eines frisch gebackenen Zopfs in der Mitte des Tisches einfach verbindet. Und weil kaum etwas so einladend wirkt wie der Duft von ofenwarmem Hefeteig, der das Zuhause erfüllt.
Challah-Rezept für 3 Zöpfe, etwa 10-12 Portionen
Zutaten:
1 kg Mehl (Weizenmehl, Type 550 ist gut geeignet)
2 EL Trockenhefe oder 40 g frische Hefe
¾ Tasse Zucker (ca. 150 g)
2 Tassen lauwarmes Wasser (ca. 480 ml)
½ Tasse Öl (ca. 120 ml, z. B. Sonnenblumen- oder Rapsöl)
1 EL Salz
Zum Bestreichen:
1 Eigelb, mit 1 EL Wasser verrührt
Optional: Sesam, Mohn oder Chiasamen zum Bestreuen
Zubereitung:
Vorteig ansetzen (bei frischer Hefe): Hefe mit etwas Zucker und 100 ml lauwarmem Wasser verrühren, 10 Minuten stehen lassen, bis es schäumt. Bei Trockenhefe direkt ins Mehl geben.
Teig herstellen: Mehl in eine große Schüssel geben. Zucker, Salz, Öl und die Hefe-Mischung (bzw. Trockenhefe) dazugeben. Nach und nach das restliche Wasser einarbeiten. Alles 10 Minuten lang zu einem glatten, weichen Teig kneten.
Erste Gehzeit: Teig in eine geölte Schüssel legen, abdecken und 1–1,5 Stunden gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat.
Flechten: Teig in 2–3 Portionen teilen (je nach gewünschter Brotlänge). Jede Portion in Stränge rollen und zu einem Zopf flechten (klassisch 3 Stränge, möglich sind aber auch 4 oder 6). Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.
Zweite Gehzeit: Die geflochtenen Zöpfe abgedeckt 30–45 Minuten gehen lassen.
Backen: Den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Challot mit Eigelb-Wasser-Mischung bestreichen, nach Wunsch mit Sesam oder Mohn bestreuen. Auf mittlerer Schiene 30–35 Minuten backen, bis die Brote goldbraun sind und beim Klopfen hohl klingen.
Autorin: Ana Romas
Redaktion: Valentina Dobrosavljević
Ana Romas ist Foodbloggerin und schaut für "WDR 5 Neugier genügt" ihren Nachbarn in den Topf.
Service Essen und Trinken ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort mittwochs zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.