Olympia: NRW gegen Bayern
Aktuelle Stunde . 20.04.2026. 43:17 Min.. Verfügbar bis 20.04.2028. WDR. Von Daniela Rüthers-Becker.
Sie haben beide im nationalen Wettbewerb um die Olympischen Sommerspiele kräftig die Werbetrommel gerührt: Hendrik Wüst (CDU) und Markus Söder (CSU) sind von Spielen in ihren Bundesländern überzeugt. "Wir machen das beste Angebot", betonte Hendrik Wüst - wie auch sein Amtskollege Markus Söder. München sei Deutschlands führende Sportstadt.
Wir sind der Frage nachgegangen: Wer hat wirklich mehr zu bieten?
- Rückhalt in der Bevölkerung
- Wie wichtig ist welcher Faktor bei der Olympia-Entscheidung?
- Kategorien und Kriterien des DOSB
- Breites Bündnis und dadurch mehr Konflikte in NRW?
- Zahl der Tickets als Erfolgsfaktor?
- Vorhandene Sportstätten und Nachnutzung
- Infrastruktur in beiden Regionen gut
- In NRW mehr Hotelbetten
- Internationale Strahlkraft
- Fazit
Rückhalt in der Bevölkerung
Die Bürgerentscheide in 17 Kommunen in NRW am Sonntag haben gezeigt: Die Mehrheit wünscht sich Olympia in ihrer Stadt. In allen Kommunen stimmten die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich mit "Ja", auch in Herten. Dort wurde jedoch das erforderliche Quorum verfehlt, Herten scheidet damit aus der Bewerbung aus.
Die Zustimmungsquoten lagen in mehreren Städten deutlich über 70 Prozent, etwa in Aachen, Gelsenkirchen oder Wuppertal. Die geringste Zustimmung gab es ausgerechnet in der "Leading City" Köln (57 Prozent), in der auch das olympische Dorf entstehen soll. Das vorläufige kumulierte Gesamtergebnis der Bürgerentscheide ergibt laut Deutschem Olympischem Sportbund (DOSB) eine Zustimmung von 66 Prozent. Herten ist dabei nicht mitgerechnet. In München hatten sich im November 66,4 Prozent für eine Olympia-Bewerbung ihrer Stadt ausgesprochen.
Die Wahlbeteiligung lag damals in München bei 42 Prozent und damit deutlich höher als in nahezu allen NRW-Städten (z.B. Herten 13 Prozent, Duisburg 28 Prozent, Essen 34 Prozent). Allein Pulheim übertraf den München-Wert knapp, mit 43 Prozent Wahlbeteiligung. Zusammengerechnet lag die Wahlbeteiligung in allen NRW-Städten ohne Herten bei 32,9 Prozent.
Wie wichtig ist welcher Faktor bei der Olympia-Entscheidung?
Trotzdem: Der Rückhalt in der Bevölkerung ist da. Das allein reicht nur nicht, um vom Deutschen Olympischen Sportbund für die Ausrichtung der Spiele ausgewählt zu werden. Der DOSB bewertet die Regionen nach einer umfangreichen Matrix.
Kategorien und Kriterien des DOSB:
Breites Bündnis und dadurch mehr Konflikte in NRW?
Wie stark welches Kriterium vom DOSB bewertet wird, ist nicht bekannt. NRW setzt politisch vor allem auf die Breite seines Bündnisses. Hinter dem Konzept "KölnRheinRuhr" stehen neben der Landesregierung zahlreiche Kommunen, Sportverbände und Betreiber großer Arenen.
Das kann als Signal an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gewertet werden: In NRW wäre Olympia kein Projekt einer einzelnen Stadt, sondern einer ganzen Region. Allerdings sind bei 17 beteiligten Städten auch mehr Konfliktlinien programmiert. Die Organisation der Spiele wäre in München hingegen leichter. Hier ist nur eine Stadtverwaltung Ansprechpartnerin neben dem Freistaat und dem Bund.
Zahl der Tickets als Erfolgsfaktor?
Damit die Kosten der Spiele aufgefangen werden können, spielt auch der Ticket-Verkauf eine wichtige Rolle. Was das Kontingent der Eintrittskarten betrifft, hat Nordrhein-Westfalen mehr zu bieten: 14 Millionen Menschen könnten die Olympischen und Paralympischen Spiele in NRW besuchen. Der Grund ist die große Zahl bestehender Großsportstätten.
Die Schalke Arena und viele andere könnten in NRW genutzt werden
Zwischen Köln, Düsseldorf, Dortmund und den weiteren Städten stehen bereits mehrere große Stadien, Arenen und Hallen, die schon heute regelmäßig Zehntausende Zuschauer aufnehmen. Das erhöht die Chancen auf große Zuschauermassen - und entsprechend mehr Einnahmen. In München gäbe es weniger Sportstätten und deshalb wohl deutlich weniger Tickets.
Vorhandene Sportstätten und Nachnutzung
Die Münchner bräuchten also mehr temporäre Anlagen, die extra gebaut werden müssen, z.B. für Basket- und Volleyball sowie fürs Bahnradfahren. Eine Studie der TU München geht von vier Milliarden Euro an Investitionen aus. Die Investition pro Ticketplatz dürfte in München höher als in NRW liegen. Weil hier weniger neu gebaut werden müsste, wäre das NRW-Konzept wohl nachhaltiger.
Zudem könnten in NRW viele neue Anlagen nach den Spielen weiter genutzt werden. Das Olympische Dorf und das temporäre Leichtathletikstadion, das im Kölner Norden entstehen soll, sollen nach dem Ende der Spiele die Basis für einen neuen Stadtteil bilden. Das Stadion soll zu einem grünen Park umfunktioniert werden, in den Tribünen sollen Büros, Geschäfte und Kitas entstehen.
Infrastruktur in beiden Regionen gut
Für den Deutschen Olympischen Sportbund ist wichtig, dass die Athleten schnell zu den Sportstätten kommen. Die Fahrt zwischen Unterbringung im Olympischen Dorf und den Sportstätten soll unter einer Stunde liegen. Das ist zum Beispiel auf der Strecke von Köln nach Dortmund alles andere als garantiert. Deshalb würde hier wohl eher München punkten.
Viele Autobahnen (und Staus) in NRW
NRW bringt zwar ein besonders dichtes Verkehrsnetz mit: viele Bahnverbindungen und Autobahnen, dazu gleich mehrere Flughäfen. Doch dieses Netz ist auch störanfällig, mit Staus auf den Straßen und Problemen bei der Pünktlichkeit auf der Schiene.
In NRW mehr Hotelbetten
"KölnRheinRuhr" mit mehr Hotelbetten
Auch wenn München schon aufgrund des Oktoberfests auf Großereignisse eingestellt ist, hätte es nicht genug Hotelbetten. Zwar ist auch das Umland touristisch gut erschlossen und für Gäste attraktiv. Aber in NRW verteilt sich das Angebot an Hotels, Pensionen und sonstigen Übernachtungsmöglichkeiten auf eine deutlich größere Region, weil sich das Konzept über mehrere Großstädte erstreckt.
In Köln stehen nach Angaben des Statistischen Landesamtes IT-NRW derzeit zwar "nur" 38.096 Schlafgelegenheiten zur Verfügung und damit deutlich weniger als in München mit 100.000. Insgesamt kommt die Region "KölnRheinRuhr" aber auf 128.300 Schlafgelegenheiten.
Internationale Strahlkraft
Hier kann eindeutig München punkten. Das Oktoberfest ist weltweit berühmt. Im Ausland wird Deutschland häufig mit Bayern gleichgesetzt. Außerdem hat München schon 1972 eine Olympiade ausgerichtet und konnte zumindest in den ersten Tagen bis zum Anschlag auf die israelische Mannschaft ein positives München-Image verbreiten. Die Region "KölnRheinRuhr" ist international dagegen kaum bekannt.
Fazit:
München punktet mit Kompaktheit, NRW bei den vielen bestehenden Spielstätten. Wie stark der DOSB die einzelnen Kriterien bei seiner Entscheidung im Herbst gewichtet, ist unklar. Die deutsche Region oder Stadt, die sich im September im nationalen Wettbewerb durchsetzt, kann aber trotzdem bei den Olympischen Spielen leerausgehen.
Denn die letzte Entscheidung trägt das Internationale Olympische Komitee. Es könnte auch sein, dass Deutschland nicht zum Zug kommt. Auch Indien, Katar und andere europäische Städte wollen sich bewerben.
Deshalb vergleichen wir NRW und Bayern
Bayern und Nordrhein-Westfalen sind die beiden größten Bundesländer, seit Jahrzehnten politisch tonangebend, wirtschaftlich dominant und kulturell durchaus unterschiedlich. In München wie in Düsseldorf schaut man gern auf den jeweils anderen und nimmt an ihm Maß. Dabei ist das Verhältnis immer wieder von einer freundlichen Rivalität geprägt.
Mehr zum Hintergrund: Deshalb beleuchten die landespolitischen Fachredaktionen unregelmäßig die Politik in beiden Ländern.
Unsere Quellen:
- Deutscher Olympischer Sportbund
- Landesregierung NRW
- eigene Recherhen
- Recherchen des BR
Sendung: WDR 5 Hörfunk-Nachrichten, NRW stimmt für Olympia, Konkurrenz aus Bayern, 20.04.2026, 0 Uhr
