Coach Arnor Gunnarsson sucht noch die Balance im Spiel des Bergischen HC.

Coach Arnor Gunnarsson sucht noch die Balance im Spiel des Bergischen HC.

Arnor Gunnarsson: BHC ist trotz schlechten Starts fit für die HBL

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Aufsteiger Bergischer HC steht nach fünf Spielen in der HBL noch ohne Punkt da. Deshalb ist aber längst nicht alles schlecht gelaufen, erklärt Trainer Arnor Gunnarsson im WDR-Gespräch.

Von Christian Zelle

Es gibt nicht viel, was Gunnarsson in Deutschland als Spieler im Handball nicht erlebt hat: Zwei Aufstiege und ein Abstieg mit dem Bergischen HC, für den er von 2012 bis 2023 gespielt hat, mehr als 1.000 geworfene Tore in der Handball-Bundesliga (HBL) und mehr als 300 für die isländische Nationalmannschaft. Von dieser Erfahrung profitiert der BHC seit der vergangenen Saison auf der Trainerbank.

Gunnarsson kennt den Unterschied zwischen 1. und 2. Liga

Den Abstieg aus der HBL konnte der 37-Jährige in der Spielzeit 2023/2024 nach seinem Karriere-Ende als Assistent und Interims-Coach im Saisonendspurt zwar nicht verhindern, aber gemeinsam mit Markus Pütz hat er den Club sofort wieder aus der 2. Liga in die höchste Spielklasse zurückgeführt.

Während sie in der Aufstiegssaison mit 10:0-Punkten gestartet waren, rangieren sie eine Klasse höher vor dem Gastspiel beim TBV Lemgo Lippe am Donnerstag mit 0:10-Zählern am Tabellenende. Weil er selbst in beiden Klassen gespielt hat, kennt Gunnarsson den Unterschied: "Die Zweite und die Erste Liga kann man nicht vergleichen. In der Ersten hat man viel mehr Qualität, das Spiel ist viel schneller, und die Spieler sind körperlich stärker."

Wir müssen die Balance finden - in Angriff und Abwehr. Das ist unsere Aufgabe. BHC-Trainer Arnor Gunnarsson

Der BHC sei mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren und wenig Bundesliga-Erfahrung noch in einer Findungsphase. An der Bundesliga-Tauglichkeit hat das Trainergespann - Gunnarsson ist vor allem für den Angriff zuständig, Pütz für die Abwehr - keinen Zweifel: "Wir müssen noch die Balance finden", so Gunnarsson. Man habe in Angriff wie Abwehr gute Phasen gehabt, aber dies eben noch zu selten gleichzeitig und in der auf Topniveau nötigen Konstanz.

"Wir brauchen gute Phasen mit 10 bis 20 Minuten. Das mal fünf Minuten nicht alles gut läuft, ist im Handball normal, aber eben nicht 19 Minuten", sagt der Isländer. Damit spielt der Coach auf die bittere Niederlage gegen Mitaufsteiger Minden an, als den Bergischen bis zur Pause nach dem Treffer zum 7:7 (11. Minute) nur noch ein weiteres Tor gelang.

Schmerzliche Niederlage gegen Mitaufsteiger Minden

"Das ist für dieses Niveau einfach zu wenig", ärgert sich Gunnarsson. Es ist klar, warum er die Niederlage gegen Minden als "besonders schmerzlich" empfindet. Man muss in der Handball-Bundesliga bis in die Saison 2007/2008 zurückblicken, um keinen Aufsteiger auf einem direkten Abstiegsplatz wiederzufinden - oft waren es gleich mehrere Aufsteiger, für die es direkt wieder abwärts ging. Spielen gegen Mitaufsteigern kommt also eine besondere Bedeutung zu.

Natürlich sind wir von dem Spiel gegen Minden enttäuscht. Das ist nicht, was der BHC bieten möchte. Arnor Gunnarsson

Erschwerend komme hinzu, dass er sein Team stärker einschätze: "Wir sind besser als Minden. Deswegen ist das doppelt schmerzhaft." Er habe in den bisherigen fünf Spielen allerdings auch viel Gutes von seiner Mannschaft gesehen. So hätten die Füchse Berlin am 1. Spieltag rund 40 Minuten gezittert, ehe sie sich letztlich deutlich absetzen konnten.

Auch gegen Erlangen und mit zuletzt immerhin 33 Toren gegen Titelanwärter SG Flensburg-Handewitt gab es positive Signale. "Wenn man die Spiele gegen Berlin und Erlangen nimmt, sieht man, dass wir eine Bundesliga-Mannschaft sind", so Gunnarsson. Allerdings eine, die den Punkte-Nachweis noch erbringen muss.

BHC-Coach schließt "Panikkäufe" aus

Potsdam musste in der vergangenen Saison bis zum 20. Spieltag warten, ehe die ersten Punkte eingefahren wurden, und stieg als Aufsteiger letztlich sang- und klanglos ab. Dass den BHC ein ähnliches Schicksal ereilen könnte, glaubt der Isländer nicht. Das realistische Ziel bleibe der Klassenerhalt. Nur müsse man dafür mit so einer jungen, unerfahrenen Mannschaft eben viel mehr investieren als andere Bundesligisten.

Wir müssen mehr investieren als alle anderen, weil wir weniger Erfahrunge haben. Arnor Gunnarsson

Deswegen habe sein Team in den vergangenen zwei Wochen viel trainiert und in vielen Videos Positives wie Negatives aufgearbeitet. Eine intensive Vorbereitung mit Fehleranalyse ist für Gunnarsson ähnlich wichtig wie das Vertrauen in die Mannschaft. Und Letzteres hat der Isländer, weshalb er "Panikkäufe" von Spielern auch ausschließt. Klar gebe es Positionen, auf denen er sich mehr Optionen wünscht, aber Spieler zu finden, die einem helfen, sei nicht einfach.

Stand jetzt ist auch fraglich, ob dem BHC am Donnerstag gegen Lemgo alle seiner bereits unter Vertrag stehenden Spieler helfen können. So plagen Torhüter Christopher Rudeck derzeit Hüftprobleme, die ihn schon bei der Niederlage gegen Flensburg zum Zuschauen zwangen.

Rezept gegen Lemgo: Geduldige Abwehr und Tempospiel

Da Torhüterparaden in der Abwehr immer helfen und Rudeck als Nummer eins schmerzlich vermisst werden dürfte, ist das keine gute Nachricht. Aber die Lücken vorm BHC-Tor können letztlich auch die Feldspieler klein halten und so Lukas Diedrich und Louis Oberosler ihren Job erleichtern, wenn sie Rudeck vertreten müssen.

Die Marschroute gegen den TBV Lemgo Lippe, der laut Gunnarsson "eine richtig gut eingespielte Mannschaft" habe, ist unabhängig von Rudeck klar: "Wir müssen geduldiger in der Abwehr stehen und Fehler provozieren. Dann können wir unsere Stärke nutzen - das Tempospiel."

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit BHC-Trainer Arnor Gunnarsson
  • Handball- Bundesliga (HBL)

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