"Boom" steht laut Duden für "Hochkunjunktur oder ein plötzlich gesteigertes Interesse". Ob also ein Boom beim VfL Gummersbach in der Handball-Bundesliga vorliegt, darf bezweifelt werden. Denn das Zuschauerinteresse am HBL-Bundesligisten steigt nicht plötzlich an, sondern seit Jahren stetig - vor allem nach der Rückkehr im Sommer 2022 wuchs die Anhängerschaft deutlich.
Neuer Dauerkartenrekord in Gummersbach
Schon in der letzten Saison vermeldete der VfL einen Dauerkartenrekord von 3.016 verkauften Tickets, nun wurde dieser nach nur fünf Verkaufstagen für die Saison 25/26 schon weit übertroffen. Sogar so weit, dass Gummersbach den Verkauf stoppen musste - bei 3.200 Karten.
"Wir haben uns dazu entschieden bei 3.200 Karten den Verkauf zu schließen, um auch noch möglichst vielen Menschen zu gewährleisten, Spiele des VfL Gummersbach zu sehen, selbst wenn sie nicht jedes Spiel dabei sein können. Aktuell hätten wir ca. 250 Dauerkarten mehr verkaufen können und die Anfragen werden täglich mehr", erklärte Geschäftsführer Christoph Schindler in einer Mitteilung des Klubs.
Geschäftsführer Schindler: "Kapazität unserer Arena zu gering"
Für den Kontext muss man wissen, dass die Arena in Gummersbach nur Platz für 4.132 Zuschauer bietet. Ausverkauft war sie in der vergangenen Saison immer. Für ein Heimspiel an Weihnachten gegen die Füchse Berlin zog der VfL sogar ins gut 50 Kilometer entfernte Köln und die dortige große Arena mit 19.000 Sitzplätzen um - am Ende prangte auch dort der Schriftzug "ausverkauft".
VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler
Wie insgesamt bei den letzten 30 Heimspielen in Folge. Deswegen beschäftigt sich Gummersbach auch mit der Zukunft und stellt Überlegungen an, wie diese aussehen könnte. Schindler betonte: "Die Arena in Gummersbach bietet die optimalen infrastrukturellen Voraussetzungen, die Kapazität ist aber zu gering. Damit einhergehend müssen wir uns langfristig damit beschäftigen, welche alternativen Möglichkeiten es für uns gibt."
Hohes Interesse auch bei Lemgo Lippe
Doch das große Interesse ist kein alleiniges Gummersbacher Problem. Schaut man zum anderen NRW-Bundesligisten der letztjährigen HBL-Saison, dem TBV Lemgo Lippe, sind die Zahlen ähnlich gut. In Lemgo fasst die Halle etwas mehr Zuschauer - 4.800, um genau zu sein. Die Auslastung der vergangenen Saison lag laut Geschäftsführer Jörg Zereike durchschnittlich bei 95 Prozent. "4.300 Menschen verwandelten die Halle jedes Heimspiel in einen Hexenkessel", lässt sich der Verein in einer Pressemitteilung zitieren. In der Vorsaison waren es durchschnittlich noch 3.880 Fans.
Und zur neuen Saison? Da hat der TBV bereits 2.300 Dauerkarten verkauft. Am Dienstag starteten sowohl Gummersbach als auch Lemgo Lippe nun den Einzelticketverkauf für ihre ersten Heimspiele. Bei Lemgo Lippe konnte man Karten für den Auftakt gegen Magdeburg erwerben, einen Tag später gibt es dann Tickets für das NRW-Duell gegen ebenjenen VfL Gummersbach. Der startete am Dienstag direkt mit dem Verkauf für die ersten fünf Heimspiele.
GWD noch nicht wieder in eigener Halle
TBV und der VfL als etablierte Vereine verzeichnen hohes Interesse - wie sieht es bei den Aufsteigern Minden und BHC aus? "Die Euphorie nach dem Aufstieg in die 1. Handball-Bundesliga war groß und das gestiegene Interesse ist nach wie vor spürbar. Bei den Dauerkarten haben wir eine deutliche Steigerung zum Vorjahresniveau hinlegen können", erklärte Geschäftsführer Nils Torbrügge auf WDR-Anfrage.
Kampa-Halle Minden im Jahr 2016
Dennoch wurde die Aufstiegs-Euphorie getrübt - denn die Rückkehr in die frisch sanierte Kampa-Halle verzögert sich. Der Klub warf dem Vermieter Kreis Minden-Lübbecke vor: "Uns wurde bis zuletzt signalisiert, dass der Zeitplan steht. Dass nun, so kurz vor dem ursprünglich genannten Übergabetermin, solch eine gravierende Verzögerung bekanntgegeben wird, ist für uns nicht nachvollziehbar." So verliere der Klub durch die Verschiebung bis Dezember "sechsstellige Einnahmen im Ticketing". Für die Übergangszeit bis Dezember spielt GWD nun wie bisher auch in der Kreissporthalle Lübbecke.
BHC vorerst weiter in Wuppertaler Unihalle
Auch den Bergischen HC plagen Hallenprobleme. Seit Jahren gibt es keine wirklich gut ausgebaute Turnhalle im "Bergischen Dreieck" zwischen Wuppertal, Solingen und Remscheid. 2013 gab es Überlegungen zum Neubau einer Arena. Passiert ist seitdem nichts, der BHC stieg sportlich sogar ab.
Letzte Saison spielte der BHC den Großteil der Partien in der Unihalle in Wuppertal, für vier Partien zog der Klub in die Mitsubishi-Electric-Halle in der Landeshauptstadt Düsseldorf. An diesem Plan möchte man vorerst festhalten. Mit dem Aufstieg keimte aber neue Hoffnung auf.
Hoffen auf Hallen-Neubau
"Für die Stadt Wuppertal und das gesamte Bergische Städtedreieck hat dieser Aufstieg eine hohe Symbolkraft. Dadurch rückt auch die Frage nach einer angemessenen Halle für den BHC wieder ins Zentrum", hatte Oberbürgermeister Uwe Schneidewind im April nach dem Aufstieg erklärt. Der Wuppertaler Stadtrat stimmte Anfang Juli einer Unterstützung für den Bau einer neuen Arena mit mindestens 5.000 Plätzen einstimmig zu. Vielleicht wäre das der Auftakt zu einem "Boom" beim BHC.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung des VfL Gummersbach
- Pressemitteilung und WDR-Nachfrage beim TBV Lemgo Lippe
- WDR-Anfrage GWD Minden
- Statement des GWD Minden auf der Webseite
- Stadtratsbeschluss Wuppertal
- Ergebnis und Statistikseiten der HBL & Sportschau