Wie blicken Sie auf die Täter-Opfer-Logik?
Die Gesellschaft ändert sich mit Blick auf Opfer und Täter. Verletzlichkeit steht zunehmend im Zentrum des Interesses und damit Schutzbedürftigkeit. Selbstverantwortung und Autonomie rücken dafür allerdings in den Hintergrund. Was bedeutet diese Entwicklung für unser Zusammenleben?
Die Philosophin Maria-Sybilla Lotter
Der Blick auf die Opfer von Willkür, Ungerechtigkeit oder Vorverurteilung ist zweifellos richtig und wichtig. Allerdings hat diese Perspektive eine Wirkmacht erlangt, die viele auch befremdet. Kritiker sprechen gar von einem “Opferkult“. Was ist da dran? “Diese Entwicklung ist ambivalent“, sagt die Philosophin Maria-Sibylla Lotter. Einerseits gebe es viele Verbesserungen und Errungenschaften. Andererseits verschiebe sich der Fokus zunehmend von Selbstermächtigung zu Schutzansprüchen. “Das erzeugt eigene Probleme der Fairness und Gerechtigkeit.“ Der moralische Anspruch auf Schutz vor Verletzlichkeit drängt möglicherweise andere wichtige Werte in den Hintergrund: Autonomie, Freiheit, Fairness, Selbstverantwortung.
Reden wir zu schnell oder zu viel von Opfern? Wie konfliktfähig sind wir eigentlich? Besteht die Gefahr, dass eine “Tyrannei der Werte“ entsteht? Wie blicken Sie auf die Täter-Opfer-Logik?
Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de.
Redaktion: Jonas Klüter-Tovar
Literaturhinweis: Lotter, Maria-Sybilla (2026). Opfer: Über Verwundbarkeit als Selbstbild. Hanser Verlag.
WDR 5, Das philosophische Radio, 23.03.2026, 19:04 Uhr