Rekord bei der Neu-Installation von Windenergie in Nordrhein-Westfalen: Noch nie wurde so viel Leistung neu ans Netz gebracht wie 2025. Das geht aus Zahlen des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE NRW) hervor.
Rekord von 2017 übertroffen
259 Windräder sind demnach im vergangenen Jahr in Betrieb gegangen, ihre Leistung beträgt 1.346 Megawatt (MW). Das ist weit mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017, als 881 MW installiert wurden. Dass es einen neuen Allzeit-Jahresrekord geben würde, hatte sich bereits im Herbst abgezeichnet.
Branche zeigt sich erfreut
Christian Vossler (LEE NRW)
Der LEE NRW, der die Interessen der Unternehmen in der Ökostrom-Branche vertritt, zeigte sich erfreut: "Die Zahlen sehen in der Tat super aus", sagte Geschäftsführer Christian Vossler. "Der letztjährige Zuwachs beweist eindrucksvoll, was beim Windenergieausbau möglich ist, wenn Politik, die Windenergiebranche und die Genehmigungsbehörden ein gemeinsames Ziel haben." Die Zahlen mit Stichtag 31.12.2025 sind vorläufig, sie können sich wegen Nachmeldungen im Markstammdatenregister bis Ende Januar noch leicht verändern.
In Nordrhein-Westfalen wurden jahrelang nur wenige neue Windräder gebaut. Doch das hat sich inzwischen geändert. Im bundesweiten Vergleich liegt NRW jetzt nach 2024 das zweite Jahr in Folge ganz vorn. Auf den Plätzen zwei und drei folgen 2025 Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Grüne Neubaur: "klare Prioritäten"
Mona Neubaur (Grüne)
"Dieser Rekordausbau ist kein Zufall, sondern Ergebnis verlässlicher Planung, klarer Prioritäten und eines engen Zusammenspiels aller Beteiligten", sagte Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne). "Daran werden wir uns messen lassen: dass aus diesen Erfolgen dauerhaft Klimaschutz, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit für Nordrhein-Westfalen werden."
SPD: "langer Weg" zum Kohleausstieg
André Stinka (SPD)
Bislang stammt lediglich ein Drittel des in NRW erzeugten Stroms aus klimafreundlicher erneuerbarer Erzeugung. "Während der Strommix im Bund 2025 mit mehr als 57 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist wurde, waren es in NRW nur knapp 30 Prozent. In jedem Monat lag in NRW die Erzeugung von Kohlestrom über der Erzeugung von Wind- und Solarenergie", betonte André Stinka, der energiepolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, in einer Reaktion auf die aktuellen Zahlen. "Diese Platzierungen verdeutlichen den langen Weg, der noch zu gehen ist, um den Kohleausstieg wirklich zu schaffen", so der Oppositionspolitiker.
Kreis Paderborn hat die meisten Windräder in NRW
Innerhalb von Nordrhein-Westfalen ist der Kreis Paderborn weiter der absolute Windrad-Hotspot. Mit insgesamt 510 installierten Anlagen liegt er weit vor den Kreisen Höxter (346) und Borken (309). Im Kreis Paderborn gab es im vergangenen Jahr auch den größten Zubau mit 34 Windrädern, gefolgt vom Kreis Düren (28) und dem Hochsauerlandkreis (22).
Neues Jahr, neuer Rekord?
Für das neue Jahr rechnet der LEE NRW mit dem nächsten Rekord in NRW: 2026 seien "durchaus über 1.500 MW" drin, das entspricht 1,5 Gigawatt (GW). Dieses Tempo ist auch weiter nötig, damit das Land seine selbst gesetzten Ziele erreicht.
Bereits in vier Jahren, bis 2030, sollen "mindestens 13 bis 15 GW" Windstrom-Leistung in ganz NRW installiert sein. So sieht es die Energie- und Wärmestrategie des Landes vor. Im Moment sind knapp 9,1 GW am Netz, die durch 3.850 Windräder erzeugt werden können.
Klimaneutralität 2045 ist das Ziel
Die Windräder werden gebaut, um Ökostrom zu erzeugen - dieser soll den klimaschädlichen Strom aus Kohle und Gas Stück für Stück ersetzen. Bis 2045 hat sich NRW verpflichtet, klimaneutral zu sein. In diesem Jahr sollen dann "mindestens 18 GW bis zu 23 GW" Windenergie in NRW am Netz sein. Auch für Solarzellen, Biomasse und Wasserkraft hat sich das Land entsprechende Ausbauziele gesetzt.
Problem langsamer Stromnetz-Ausbau
Dass diese Ziele erreicht werden, ist aus Sicht des LEE nicht ausgemacht. Der langsame Ausbau der Stromnetze sei das "Haupthindernis" für einen noch flotteren Ausbau der Windenergie, betonte der Verband. "Was nutzen uns die vielen, mittlerweile immer schneller erteilten Genehmigungen, wenn die Netze nicht vorhanden sind, um den Strom aufzunehmen?", fragte Steffen Lackmann, Geschäftsführer der Hellwegwind GmbH mit Sitz in Paderborn.
Der Netzausbau sei "komplett verschlafen worden", kritisierte er. Beispielsweise in Ostwestfalen-Lippe seien Engpässe seit zehn Jahren bekannt, bessere Netze seien aber erst für 2030 vorgesehen. "So kann die Energiewende nicht funktionieren", so Lackmann. Investitionen in Milliardenhöhe seien in Gefahr.
Die oppositionelle SPD teilt diese Kritik: "Wir müssen dieses Problem anpacken und den Netzausbau forcieren. Gleichzeitig müssen die Kosten dafür fair verteilt werden", sagte André Stinka. "Hierfür muss die Landesregierung auf den Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur entsprechend einwirken und ihre Anstrengungen für einen schnelleren Ausbau der Verteilnetze verstärken."
Bald Fortschritte beim Netzausbau?
Ministerin Neubaur versprach, dass es beim Netzausbau bald Fortschritte gebe. "Klar ist aber auch: Noch stärker als beim Ausbau der Windenergie hängt der Erfolg von verlässlichen Regelungen auf Bundesebene ab", betonte sie.
Auch die maroden Brücken und Straßen, die die Transporte der Windradteile erschweren, machen der Branche nach Angaben des LEE NRW zu schaffen. Für Unsicherheit sorge darüber hinaus die in diesem Jahr erwartete Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.
Unsere Quellen:
- Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW)
- Statement Mona Neubaur
- Statement André Stinka
- Energie- und Wärmestrategie NRW
Sendung: WDR.de, "2025 war Windenergie-Rekordjahr für NRW", 12.01.2026, 10:30 Uhr
