Bei der nächsten Landtagswahl darf erstmal ab 16 gewählt werden
Landtagswahl : Wie manche Jungwähler schon jetzt vom neuen Wahlalter 16 profitieren
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Bei der Landtagswahl 2027 darf man zum ersten Mal schon ab 16 wählen. Innerhalb von Parteien hat das schon ein Jahr vor der Wahl Auswirkungen. Denn junge Mitglieder entscheiden auch mit über die Kandidaten für die Landtagswahl.
In einer Schulaula in Düsseldorf trifft sich die örtliche CDU zur Kreisvertreterversammlung. Hinter den Sitzreihen stehen mehrere Wahlurnen bereit. Denn die Christdemokraten in der Landeshauptstadt wollen heute ihre Direktkandidatinnen und Kandidaten für die Landtagswahl aufstellen.
Zum ersten Mal dabei ist der 16 Jahre alte Robert Sonnenschein. Denn innerparteiliche Wahlbestimmungen richten sich meist nach dem Landeswahlrecht, heißt: Wenn man mit 16 seine Stimme bei der Landtagswahl abgeben darf, darf man das mit 16 auch bei Wahlen innerhalb seiner Partei.
Junge Parteimitglieder freuen sich über neues Wahlrecht
"Aus meiner Sicht ist das total wichtig", kommentiert Robert das neue Wahlrecht ab 16. Man sei in dem Alter schließlich auch schon strafmündig und müsse Steuern zahlen - sofern man Geld verdient.
Dass er dank des neuen Wahlrechtes jetzt auch als Delegierter die Landtagskandidaten mit aufstellen darf, hatte Robert übrigens zuerst gar nicht auf dem Schirm. Jetzt freut er sich über die Möglichkeit.
Robert Sonnenschein (16) ist bei der CDU Düsseldorf
20 Autominuten entfernt treffen sich am selben Abend auch die Düsseldorfer Grünen, um ihre Direktkandidaten zu wählen. Unter den anwesenden Mitgliedern ist allerdings niemand in der Zielgruppe 16 bis 17. Dafür ist die 16 Jahre Paula Graf zu Besuch. Sie ist bei den Grünen in Mönchengladbach.
"Ich bin in der Klimabewegung aktiv, das steht bei mir an oberster Stelle", erzählt die Schülerin. Auch sie profitiert schon jetzt vom neuen Wahlrecht und freut sich darüber. Bei den Grünen in Mönchengladbach darf auch sie demnächst die Kandidaten für die Landtagswahl mit wählen.
Paula Graf (16) von den Grünen in Mönchengladbach
Grundsätzlich glaubt Paula, dass viele ihrer Altersgenossen das neue Wahlrecht bei der Landtagswahl nutzen werden. Sie kenne viele Jugendliche, die sehr interessiert an Politik sind. Rund 300.000 Menschen in NRW sind in der entsprechenden Altersgruppe 16 bis 17. Das ist für alle Parteien, die sich zur Wahl stellen, eine interessante neue Zielgruppe.
Absenkung des Wahlalters war in NRW lange politisch umkämpft
Das neue Wahlrecht ab 16 kommt also langsam ins Rollen. Darüber freut sich die grüne Landesministerin unter anderem für Jugend und Familie, Verena Schäffer.
Es sei wichtig, jungen Menschen eine Stimme zu geben: "Und das vor dem Hintergrund, dass Jugendliche inzwischen in Deutschland eine Minderheit darstellen und wir in der Politik ja Entscheidungen treffen, die zukünftige Generationen ja noch viel stärker betreffen als uns ältere Menschen.", so die Politikerin.
Übrigens: Auch die SPD ist seit vielen Jahren dafür gewesen, das Wahlalter abzusenken. Das Vorhaben scheiterte aber zunächst unter anderem an der CDU. Die konnte sich erst in der aktuellen Koalition mit den Grünen zu einer Änderung durchringen. Diese betrifft allerdings nur das aktive Wahlrecht und nicht das passive. 16 und 17 Jährige dürfen wählen, sich aber bei Landtagswahlen nicht als Kandidaten aufstellen lassen.
Sollten 16-Jährige auch Abgeordnete werden können?
Sollte man das ändern? Emil Liptow aus Ratingen ist 17 und bei der FDP. Er findet es eigentlich okay, dass man erstmal politische Erfahrung sammelt, bevor man um ein Mandat bewirbt, schränkt aber ein: "Gut, wenn jemand da ist, der viele Ideen hat, den viele mögen, dann könnte man ihn auch mit siebzehneinhalb oder wie alt er auch sein mag aufstellen lassen.“
Der 16-Jährige Robert von der CDU in Düsseldorf wird deutlicher. Er findet, dass man sich ab 16 auch für Wahlen aufstellen lassen können sollte: "Sonst ergibt das aus meiner Sicht keinen Sinn. Dass man Vertreter wählen darf, die für einen entscheiden sollen, aber nicht aus der eigenen Altersgruppe kommen.“
Zur politischen Debatte steht eine weitere Lockerung des Wahlrechtes allerdings gerade nicht. Es bleibt also erstmal dabei, dass man ab 16 jetzt in NRW zwar ein aktives – aber kein passives Wahlrecht hat.
Unsere Quellen:
- CDU Düsseldorf
- Grüne Düsseldorf
- Interviews mit jungen Parteimitgliedern
- Landesministerin Verena Schäffer (Grüne)
Sendung: WDR 5 Westblick, Wahlalter 16 gilt schon bei Kandidatenkür, 04.05.2026, 17.05 Uhr
