Die Bundesregierung hat sich auf eine Reform des Gebäudemodernisierungsgesetzes geeinigt.
Wird mein Haus ans Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen oder muss ich mir selbst eine klimafreundliche Heizung zulegen? Vor dieser Frage stehen aktuell viele Hausbesitzer in den großen Städten. Sie erhoffen sich Planungssicherheit und sind gespannt auf die kommunalen Wärmepläne.
Nach dem Ampel-Streit um das Gebäudeenergiegesetz – das sogenannte Heizungsgesetz - des damaligen Klimaschutzministers Robert Habeck (Grüne) wurde Ende 2023 das Wärmeplanungsgesetz verabschiedet. Es verpflichtet Städte und Kommunen, Wärmepläne zu erstellen, um die Klimaneutralität im Gebäudesektor voranzubringen.
Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen diese bis Ende Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommen haben dafür zwei Jahre länger Zeit. Die Pläne sollen aufzeigen, welche klimafreundliche Wärmeversorgung für welche Stadtgebiete voraussichtlich geeignet ist und damit Hauseigentümern eine Orientierung bieten.
Wärmepläne sollen Orientierung geben, doch vielerorts fehlen sie noch
Nach einer Abfrage des WDR-Magazins Westpol bei den 30 großen Städten in NRW hat bislang erst die Hälfte von ihnen einen Wärmeplan veröffentlicht. Dazu gehören unter anderem Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach und Bielefeld. Die anderen 15 Städte – wie zum Beispiel Münster, Dortmund, Bochum und Paderborn - sind noch nicht so weit. Ob sie die Frist bis zum Sommer einhalten können, ist ungewiss.
Die Stadt Neuss war besonders schnell. Sie hat ihren Wärmeplan schon im vergangenen Sommer vorgelegt. Er teilt die Stadt in 114 Zonen auf. Nur in 41 von ihnen könnte aufgrund von dichter Bebauung Fernwärme wirtschaftlich betrieben werden. Doch ob sie am Ende dort wirklich kommt, muss erst geprüft werden.
Romo Arroba, Neuss mit Reporterin Jule Zentek
So auch für den Neusser Stadtteil Reuschenberg. Hier wohnt Romo Arroba mit seiner Frau. Sie haben eine 20 Jahre alte Gasheizung. Noch läuft sie - doch was, wenn nicht mehr, fragen sich die beiden. Können sie mit Fernwärme rechnen oder müssen sie in eine Wärmepumpe investieren? Darauf hat der aktuelle Wärmeplan von Neuss keine endgültige Antwort: Der Plan "hilft mir überhaupt nicht", kritisiert Arroba, "und anderen wahrscheinlich noch weniger".
Gebäudeenergiegesetz verpflichtet Hausbesitzer zum Einbau klimafreundlicher Heizungen
Dabei verpflichtet das novellierte Gebäudeenergiegesetz diejenigen, die in Großstädten nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen werden, neu eingebaute Heizungen spätestens ab dem 30. Juni zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. In der Regel kommen da Wärmepumpen oder Hybridheizungen in Frage.
Arroba findet, um wirklich bei der Entscheidung zu helfen, welche neue Heizung in Frage kommt, wenn die alte kaputt geht, müssten die Wärmepläne klarer ausweisen, wo Fernwärme angedacht ist und wo nicht.
Dr. Matthias Welpmann, Umweltdezernent von Neuss
Der Umweltdezernent von Neuss, Matthias Welpmann, weist allerdings darauf hin, dass es nicht die Aufgabe der Städte war, sich bereits für einzelne Straßenzüge auf konkrete Heiztechnologien festzulegen. Der Plan sei "keine verbindliche Aussage darüber wann, wo, bei wem ein Fernwärmenetz angeschlossen wird, sondern das ist eine strategische Leitlinie."
Experte kritisiert lasche Bundesvorgaben: Pläne oft unkonkret
Dr. Frederik Digulla, Stiftung Klimaneutralität
Frederik Digulla von der Stiftung Klimaneutralität, einem gemeinnützigen Thinktank in Berlin, bestätigt das. Er kritisiert aber, dass die Vorgaben des Bundes für die Wärmepläne viel zu lasch seien und keine klaren Kriterien festlegten.
Deshalb hätten die Städte qualitativ sehr unterschiedliche Pläne vorgelegt, die "eben auch für die Menschen die Orientierung nicht geben, die sie eigentlich erwarten". Positive Ausnahmen seien zum Beispiel Rostock, Mannheim oder Hannover. Diese Städte hätten bereits verbindlich ausgewiesen, in welchen Stadtteilen Fernwärme zur Verfügung gestellt wird.
Für eine bundesweite Studie hat Experte Digulla bereits 15 Wärmepläne aus acht Bundesländern analysiert. Für Westpol hat er sich zusätzlich exklusiv drei NRW-Wärmepläne angeschaut: die von Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach.
Sein Fazit: Sie seien zum Teil analytisch stark – vor allem der Plan aus Köln – aber "in der Konkretheit und der Verbindlichkeit für die Menschen in der Umsetzung ausbaufähig". Es fehlten belastbare Zeitangaben und rechtskräftige Zusagen, denn umsetzen müssen den Ausbau der Fernwärme die örtlichen Energieversorger. Die entscheiden aber in erster Linie nach Wirtschaftlichkeit.
Digulla bemängelt: "Die ganze Unsicherheit landet am Ende beim Haushalt, der nicht weiß, was er tun soll, der aber gezwungen ist, zu handeln", weil ihm das Gebäudeenergiegesetz ab Juni konkrete Vorgaben macht.
Klimaschutzministerin Neubaur gibt zu: Unverbindliche Pläne sind keine Hilfe
Mona Neubaur, Ministerin für Klimaschutz und Energie
Auf Westpol-Anfrage räumt NRW-Klimaschutzministerin Mona Neubaur ein, dass Wärmepläne "in denen eine Konjunktivformulierung drin ist", nicht wirklich bei der Heizungswahl helfen. Sie empfiehlt den Bürgerinnen und Bürgern, sich von Fachleuten beraten zu lassen.
Forderung nach Reform des Wärmeplanungsgesetzes
Die Westpol-Umfrage bei den Städten zeigt, dass die meisten ihre Fernwärmenetze mehr oder weniger stark ausbauen und dabei zukünftig auf Gas oder andere fossile Quellen verzichten wollen. Stattdessen setzen sie künftig auf klimafreundliche Wärme aus Gewässern, Abwärme aus der Industrie und Müllverbrennungsanlagen, sowie auf Geothermie.
Für den Großteil der Haushalte wird es aber in den meisten Kommunen sogenannte "dezentrale Lösungen" geben. Das bedeutet, dass Hausbesitzer sich selbst um eine klimafreundliche Heizung kümmern müssen. Wer sich die finanziell nicht leisten kann, kann von einer Ausnahmeregel Gebrauch machen. Außerdem gibt es Übergangsfristen.
Der Experte Frederik Digulla von der Stiftung Klimaneutralität kritisiert, dass die Städte in ihren Wärmeplänen nicht aufzeigen, wie sie den klimafreundlichen Heizungsumbau erreichen wollen. Es werde zu wenig berücksichtigt, ob sich die Menschen überhaupt eine Wärmepumpe leisten könnten. Er fordert deshalb eine Reform des Wärmeplanungsgesetzes, in dem diese sozio-ökonomischen Aspekte stärker berücksichtigt und die Planungsvorgaben für die Städte strenger gefasst werden. Denn das, sagt Digulla, müsse "eine kommunale Wärmeplanung eigentlich leisten."
Unsere Quellen:
- Stiftung Klimaneutralität
- eigene Recherche
- Westpol-Umfrage unter den 30 großen Städten in NRW
- Stadt Neuss
Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 11.01.2026, 19:30 Uhr

