Immer mehr Kommunen planen das Gasnetz abzuschalten

Aktuelle Stunde 24.10.2025 32:38 Min. UT Verfügbar bis 24.10.2027 WDR Von Fritz Sprengart

Heizen: In vielen Kommunen ist die Zukunft der Gasnetze noch offen

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Öl und Erdgas ade: Bis 2045 will Deutschland klimaneutral mit Fernwärme, Wärmepumpen oder grünen Gasen heizen. Doch bei vielen Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern steht noch nicht fest, was künftig mit ihren Gasnetzen geschehen soll. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

Kuschelig-warm, so soll es im Winter in den Innenräumen sein. Für den Zensus 2022, eine der wichtigsten Bevölkerungsbefragungen in Deutschland, wurde damals erstmals vollumfänglich erfasst, wie in NRW geheizt wird. Die Erkenntnis: In den knapp 400 Gemeinden läuft der Großteil der Heizungen noch mit Gas oder Heizöl.

In den drei Jahren seit der Befragung dürfte sich daran nicht viel geändert haben. Zwar verkündete der Bundesverband Wärmepumpe (BWP), dass im ersten Halbjahr 2025 in Deutschland knapp 140.000 Wärmepumpen eingebaut wurden. Demgegenüber stehen aber auch 133.000 neue Gasheizungen. 2024 lag der Verkauf von Gasthermen sogar deutlich vor allen anderen Heizarten.  

Ab 2045 soll es beim Heizen klimafreundlich zugehen

Doch mit Gas und Heizöl ist es auf lange Sicht vorbei. Bis 2045, also in 20 Jahren, soll es hierzulande in Sachen Heizen klimafreundlich zugehen – geplant ist, dass dann Fernwärme, Wärmepumpen oder grüne Gase für Behaglichkeit in Innenräumen in der kalten Jahreszeit sorgen. Aber was passiert mit den Gasnetzen der Stadtwerke und kommunalen Energieversorger, wie bauen sie die Infrastruktur um?

Umfrage: Bei 46 Prozent ist Zukunft der Gasnetze noch unklar

Eine jetzt veröffentlichte Branchenumfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) ergab, dass für 46 Prozent der Stadtwerke und kommunalen Energieversorger noch nicht feststeht, was mit ihrem Gasnetz passiert. Mehr als jedes fünfte Stadtwerk (23 Prozent) plant eine Mischung aus Stilllegung und Umrüstung auf grüne Gase wie Wasserstoff. 19 Prozent streben eine Stilllegung des Gasnetzes und 4 Prozent eine Umrüstung auf grüne Gase an. Der VKU hatte 609 Stadtwerke und kommunale Energieversorger in Deutschland befragt.

Klare Regeln für geordneten Ausstieg aus der Erdgasversorgung gefordert

Damit es zu einem geordneten Ausstieg aus der Erdgasversorgung kommen kann, sind aus Sicht des VKU klare Regeln nötig. Der Verband verweist darauf, dass Gasnetze ursprünglich für den Dauerbetrieb gebaut wurden - für einen Ausstieg fehlten die rechtlichen Grundlagen. Und: Versorger seien sogar grundsätzlich verpflichtet, weiter Kunden anzuschließen und zu versorgen. Unklar sei oftmals auch, wer die Kosten für die Stilllegung übernehmen muss.

Je näher das Jahr 2045 mit dem Ende der Erdgasversorgung rückt, desto größer ist aus Sicht des VKU die Gefahr eines Flickenteppichs und erheblichen Verunsicherungen bei den Verbrauchern. Die Bundesregierung könne dies verhindern, indem sie klare Regeln für einen geordneten Ausstieg aus dem Erdgas aufstellt.

Einige Gemeinden in NRW haben schon Pläne, wie künftig geheizt werden soll

Christopher Tittmann, Klimaschutzmanager der Stadt Kamp-Lintfort

Christopher Tittmann

In Nordrhein-Westfalen haben einige Gemeinden bereits Pläne, wie künftig geheizt wird. Dazu zählen neben anderen Ahaus, Mönchengladbach, Coesfeld, Aachen und Bergisch Gladbach. Die Stadt Mönchengladbach beispielsweise weist die Gebiete um den Hauptbahnhof und das Zentrum der ehemaligen selbständigen Stadt Rheydt als Wärmenetz aus. In Kamp-Lintfort kommt es bereits im Jahr 2040 zu einem Ausstieg aus der Erdgasversorgung, wie der Klimaschutzmanager der Stadt, Christopher Tittmann, dem WDR sagte.

Gaspreise werden steigen

Solange in einer Kommune die Wärmeplanung nicht in Kraft getreten ist, bleibt Hausbesitzern die freie Wahl ihrer Heizanlage. Was sie in Sachen Gas wissen sollten: "Der Gaspreis wird auf jeden Fall steigen", sagt Thomas Zwingmann, Energieberater der Verbraucherzentrale NRW, dem WDR.

Thomas Zwingmann, Energieberater bei der Verbraucherzentrale NRW

Thomas Zwingmann

Grund für die Preissteigerung sei, dass die Netzkosten nach oben gingen, weil weniger Netzkunden vorhanden seien. Deshalb müssten die gesamten Netzkosten auf die wenigen Kunden verteilt werden. Zudem hätten die Gasnetz-Betreiber jetzt die Möglichkeit, die Netzkosten schneller abzuschreiben - dementsprechend stiegen die Kosten. Wie hoch die Preissteigerungen für Verbraucher ausfallen werden, sei schwer vorherzusagen, so Zwingmann. Er empfiehlt, jetzt keine Gasheizung mehr zu kaufen, weil neben neben den steigenden Netzkosten die CO2-Umlage das Gas zusätzlich verteuern wird.

Unsere Quellen:

  • Pressemitteilung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU)
  • Klimaschutzmanager der Stadt Kamp-Lintfort, Christopher Tittmann, gegenüber dem WDR
  • Thomas Zwingmann, Energieberater der Verbraucherzentrale NRW, gegenüber dem WDR
  • Bisherige Berichtertattung des WDR zu Gasnetzen in NRW

Über dieses Thema berichten wir im WDR am 24.10.2025 auch im Fernsehen: Aktuelle Stunde, ab 18:45 Uhr.

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