Die Forderung der Mittelstandsunion der CDU nach einer Reform des Teilzeitrechts sorgt für hitzige Debatten. „Lifestyle-Teilzeit“ - von dieser Unterstellung aus der eigenen Partei hält Ina Scharrenbach nichts. Im Westblick-Interview ordnet sie als Vorsitzende der Frauenunion in Nordrhein-Westfalen und NRW-Heimatministerin die Diskussion ein und spricht über Lebensrealitäten, Fehlanreize und politische Konsequenzen.
Frau Scharrenbach, Sie sagen, die Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“ gehe an der Lebensrealität vorbei. Was meinen Sie damit?
Als ich diesen Begriff zum ersten Mal gehört habe, musste ich an ein Lied von Max Giesinger denken – geschrieben vor dem Hintergrund seiner alleinerziehenden Mutter. Viele Frauen haben mit „Lifestyle“ in ihrem Alltag nichts zu tun. Teilzeit ist für sie keine Komfortentscheidung, sondern Ausdruck von Verantwortung für Kinder, Familie oder Pflege. So, wie die Debatte geführt wurde, wird sie der Lebensrealität vieler Frauen schlicht nicht gerecht.
Sind Familie und Care-Arbeit die Hauptgründe, warum Frauen in NRW in Teilzeit arbeiten?
Ja, ganz eindeutig. Nach wie vor ist es so, dass mit dem ersten Kind häufig eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit einhergeht. Viele Frauen steigen zwar früher wieder ein, aber bleiben oft in Teilzeit hängen. Das hat allerdings erhebliche Nachteile: geringere Aufstiegschancen und langfristig ein hohes Risiko für Altersarmut. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass unfreiwillige Teilzeit – also der Wunsch nach Vollzeit ohne entsprechendes Angebot – vergleichsweise selten ist.
Wie sollte Politik mit Teilzeit umgehen, statt sie grundsätzlich infrage zu stellen?
Der Ton macht die Musik, und der war in dieser Debatte zu schrill. Die entscheidende Frage ist doch: Lohnt sich mehr Arbeit überhaupt? Das gilt für den Übergang von Teilzeit in Vollzeit genauso wie für den Weg aus dem Sozialleistungsbezug. Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie von Beruf und Pflege verbessern und Vertrauen in individuelle Lebensentscheidungen haben. Weniger Detailsteuerung, mehr klare Ziele – das hilft Beschäftigten wie Unternehmen gleichermaßen.
Sendung: WDR 5, Westblick, 03.02.2026, 17:04 Uhr