CDU-Wirtschaftsflügel gegen Teilzeit

Aktuelle Stunde 25.01.2026 34:57 Min. Verfügbar bis 25.01.2028 WDR Von Dorothea Schluttig

CDU-Wirtschaftsflügel will Recht auf "Lifestyle-Teilzeit" abschaffen

Stand:

Darf künftig nur unter Umständen Teilzeit gearbeiten werden? Der CDU-Wirtschaftsflügel will den Gesetzesanspruch einschränken.

"Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" - so heißt der Antrag, den die Mittelstands- und Wirtschaftsunion auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart Ende Februar einbringen will. Damit will der CDU-Wirtschaftsflügel den gesetzlich festgeschriebenen Rechtsanspruch auf Teilzeit abschaffen - er soll nur noch bei "Vorliegen einer besonderen Begründung" gelten, heißt es im Antrag.

Dazu zählen zum Beispiel Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen oder Weiterbildungen. Außerdem soll nicht besonders begründete Teilzeit weiter möglich sein. Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten sie dann einvernehmlich vereinbaren - allerdings ohne gesetzlichen Anspruch auf eine Rückkehr in Vollzeit. Damit soll der Fachkräftemangel bekämpft und der Sozialstaat entlastet werden.

Vergleichsweise wenig Teilzeit in Nordrhein-Westfalen

Bundesweit lag die Teilzeitquote laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im dritten Quartal 2025 bei 40,1 Prozent. In NRW ist der Anteil deutlich geringer. Laut statistischem Landesamt arbeiteten zuletzt knapp über 30 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Teilzeit. Über die vergangenen Jahre ist dieser Anteil aber immer weiter gewachsen: 2008 lag er in NRW noch bei rund 18 Prozent.

Etwas gesunken ist in dieser Zeit der Anteil der Frauen an Teilzeit - von über 82 auf 75 Prozent. Zu den Hauptgründen für Teilzeitarbeit zählen in NRW laut Mikronzensus 2024 vor allem die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Verwandten - die sogenannten "Care"-Arbeit, die vor allem von Frauen übernommen wird. Ein weiterer Grund für Teilzeit sind berufsbegleitende Aus- und Fortbildungen.

Kritik vom CDU-Arbeitnehmerflügel

Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Dennis Radtke, kritisierte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, man zäume mit diesen Forderungen das Pferd so von hinten auf. Der Bochumer Europaabgeordnete sagte, er wünsche sich stattdessen, die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege zu verbessern, damit mehr Menschen überhaupt die Möglichkeit hätten, von Teil- in Vollzeit zu wechseln.

Das fordert auch die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge. Sie kritisiert außerdem den Begriff "Lifestyle-Teilzeit". Er zeichne ein falsches Bild der Lebensreatlität von Frauen und älteren Menschen. Linken-Fraktionschef Sören Pellmann nannte den Vorschlag "dreist". Er zeige, dass relevante Teile der CDU Beschäftigte in Deutschland "zu Bittstellern degradieren und ihnen ein mühsam erkämpftes Recht nach dem anderen nehmen wollen".

Derzeit gibt es unter diesen Voraussetzungen einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Teilzeitarbeit: Arbeitnehmer müssen mehr als sechs Monate beschäftigt sein und der Betrieb in der Regel mehr als 15 Beschäftigte haben. Auch für die Rückkehr von Teil- auf Vollzeit gibt es gesetzliche Regelungen.

Diskussion um "Lifestyle-Teilzeit"

WDR Studios NRW 25.01.2026 02:17 Min. Verfügbar bis 25.01.2028 WDR Online


Unsere Quellen:

Sendung: WDR 4, Tag um Sechs, 25.01.2026, 18:00 Uhr

Sendung: Aktuelle Stunde, 25.01.2026, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

33 Kommentare

  • 33 Belgian 27.01.2026, 18:13 Uhr

    Anyone ever thought of just keeping account of hours worked in a year for progressive taxes. Then just correct those taxes for things like caring for parents, health issues etc. Thus net-income drops more significantly going from fulltime to parttime. Unless done for reasons for which a correction kicks in.

  • 32 Karin 27.01.2026, 17:58 Uhr

    Ich habe in der Pflege als Fachkraft gearbeitet! Die Pflegeassistenten wären gern auf Vollzeit umgestiegen, was aber nicht möglich war. Ich bin nach Rentenantritt auf 20 Stunden runter gegangen. Da die Firma unterbesetzt und ich noch fit, um die Firma zu unterstützen! Dies wurde mir aber dann vorgehalten, das die Firma keine Fachkraft für 20 Stunden einstellen kann. Also habe ich gekündigt und bin zu Hause geblieben! Noch ne Fachkraft weniger!!!!

  • 31 Täuschung 27.01.2026, 13:28 Uhr

    Der sogenannte "Fachkräftemangel" liegt keineswegs daran, dass es nicht genug Fachkräfte am Arbeitsmarkt gäbe! Gleiches gilt für "Lehrermangel". Auch geeignete Pädagogen gibt es jede Menge. Das Problem wird völlig falsch dargestellt, denn Ursache für die angeblichen Vakanzen sind miserable Personalentwicklungskonzepte und fehlende Investitionen der Unternehmen in eine niveauvolle Personalgewinnung. Ich habe noch nie eine einzige Lehrerstelle in der Jobbörse der Agentur für Arbeit ausgeschrieben gesehen! Überall werden meist outgesourcte Online-Bewerbungssysteme eingesetzt und die Arbeitgeber bedienen sich dann gerne aus den Massen, die sich in diesen Pools angesammelt haben. Oder auch nicht, weil dort ja angeblich nie geeignete Bewerbungen vorliegen. Das kann allerdings nicht sein. Also liegt es definitiv nur rein ausschließlich an den Arbeitgebern. Die meisten von ihnen sind ja noch nicht mal in der Lage, Bewerbungskosten zu bezahlen. Und Langzeitarbeitslose will niemand. So ist es.

  • 30 Dorota 27.01.2026, 10:30 Uhr

    Eine Reduktion der Teilzeit verstärkt den Fachkräftemangel. Ich will arbeiten, kann aber nur Teilzeit und bekomme keine Anstellung. Von Arbeitgebern wird Flexibilität verlangt, aber die Arbeitgeber bleiben starr? Lieber doppelt so viele Leute mit Teilzeit einstellen, als keine zu bekommen, zudem sind Teilzeit-Arbeitende erholter und effektiver, machen mehr freiwillige Überstunden wenn nötig als Vollzeitler, die eh am Anschlag sind. Die Lösung ist mehr Teilzeit statt weniger. Kommt außer Menschen mit sozialen Verpflichtungen auch denen entgegen, die gesundheitliche Probleme haben.

  • 29 Melanie 27.01.2026, 08:27 Uhr

    Guten Morgen. Es ist ein demokratischer und menschenrechtlicher Fauxpass das Recht auf Teilzeit begrenzen zu wollen. In einer Gesellschaft, in der Arbeitssicherheit und psychische Hygiene einen immer höheren Stellenwert bekommen, wir von work-life-balance reden und immer mehr Menschen ausfallen und erkranken, weil die Arbeit sie erdrückt, soll ein Recht geändert werden was aktiv genau diesen Tatsachen bearbeite? Ich denke, dieses Recht hat sich die Gesellschaft hart eekämpft. Es zu begrenzen ist ein Rückschritt in die Vergangenheit. Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob aus grundgesetzlicher Sicht Art. 2 und Art. 12 das überhaupt zulässig ist. Was bitteschön sollen kranke Menschen machen? In die Arbeitslosigkeit gehen? Der Fisch stinkt vom Kopf. Fachkräftemangel bekämpfe ich so nicht sondern bewirke nur, dass noch mehr Fachkräfte wegfallen, weil sie in Teilzeit noch gearbeitet hätten, in Vollzeit aber nach wenigen Monaten ausfallen. Geistiger Durchfall, mehr nicht.

  • 28 Kalle 26.01.2026, 19:11 Uhr

    Wo sollen die dann Vollzeit arbeiten? In den Firmen die gerade alle den Bach runtergehen?

  • 27 Martina 64 Jahre 26.01.2026, 16:54 Uhr

    Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Ich habe 46 Jahre gearbeitet. Davon über 20 Jahre Vollzeit und dann über 20 Jahre Teilzeit, da ich meine Tochter(24 J.) alleine groß gezogen habe und gleichzeitig die letzten Arbeitsjahre zusätzlich meine Mutter betreut habe. Ich wäre ohne Kind nicht auf die Idee gekommen auf Teilzeit zu gehen. Jetzt musste ich (wegen plötzlicher Erkrankung) früher in Rente gehen. Mit dem Hintergrund kann ich viele Menschen verstehen die, wenn die Arbeit nicht nur ihr Leben ist, in Teilzeit gehen und vielleicht weniger Geld dafür mehr Lebensqualität haben. Aber die Politik kann ich auch verstehen, nur müssten die Anreize andere sein. Unter Zwang ist noch nie etwas Gutes bei rausgekommen.

  • 26 Hajö 26.01.2026, 15:10 Uhr

    Die Wortwahl "Lifestyle-Teilzeit" geht völlig an der Realität vorbei. Herr Merz hat LEIDER recht, wenn er anmerkt, daß wir mehr arbeiten müssen und die 4-Tage-Woche derzeit nicht realistisch ist. Aber Tatsache ist doch auch, daß viele Teilzeitkräfte die Teilzeit als Falle empfinden wenn Ihnen anstatt eines Minijobs als Verkäuferin gar kein Vollzeitjob angeboten wird oder sie wegen Kinderbetreuung und mangelnden Kitas gar nicht Vollzeit arbeiten können. Tatsache ist auch, daß der Arbeitsdruck in den meisten Branchen heute so groß ist, daß viele gar nicht Vollzeit arbeiten können ohne gesundheitlich zusammenzubrechen. Das würde Folgekosten verursachen, die die "Kaffeerunden" der Büroarbeitenden Mittelstandsunion völlig vergessen. Solche Arbeitsbedingungen sind beim Käffchen in der Runde abseits der Realitätswahrnehmung der Mittelstandsunion. Geht mal in die Pflege eine Woche Praktikum machen und denkt erneut nach über Eure Worte.

  • 25 Tristan 26.01.2026, 13:22 Uhr

    Wir sind gerade in der KITA und Tagespflege Suche. Lieber Herr Merz, anstatt "Sound Bite" Politik um von den waren Problemen abzulenken zu betreiben, wie wäre es denn wenn Sie, vor allem Frauen, helfen auch wieder 100% arbeiten zu können. Wir Männer sind aber auch davon betroffen!! In den 80ern konnte man mit einem Haushaltseinkommen auskommen, jetzt müssen zwei Partner arbeiten, um sich Miete oder ein Immobiliendarlehen leisten zu können. Dann zahlt man viel Geld für den Kindergarten, damit man arbeiten darf und die Politiker kommen mit so einem absoluten "Bullshit". Zeigt wie sehr Sie nicht mehr in der waren Welt leben, in dem Normalsterbliche mittel-und gut Verdiener leben. Dann noch die Hebammen Krise und die CDU denkt nur an die Supereichen und die Rentner, dann wäre es doch gut, wenn die Superreichen auch die 50% der anderen Wähler mit Steuerabgaben mit versorgen. Vielleicht gibt es dann auch keine Marode Infrastruktur, weil man sie kaputt gespart hat. Sehr peinlich!

  • 24 SoziGM1970 26.01.2026, 13:01 Uhr

    Wieder ein unüberlegtes Konzept der Regierung. Wir haben z.B. in Krankenhaus Vorgaben, wie der Stellenanteil auf jeweiligen Station aussieht. Da kann ich nicht eben aufstocken, ebenso würde der AG sich nicht freuen noch mehr Geld auszugeben. Ich habe meinen Stellenanteil reduziert, aber die Arbeit ist gleich geblieben. Ich fand den Vorschlag schlau die Familienversicherung zu nivelleren.

  • 23 Friedrich 26.01.2026, 12:33 Uhr

    "Lifestyle-Teilzeit" ganz schlechter Begriff. Gibt der Markt es eigentlich her das die wieder in Vollzeit gehen? Widerspruch zu den Arbeitslosenzahlen der ganzen Jahre. Der Bundestag macht es doch vor sind ja auch nie vollzählig ausser wenn passend ein "Hamelsprung" möglich ist. Bei soviel Alimente arbeiten die noch in ihren Job anstatt sich um ihr Mandat zu kümmern. Ich musste als pflegende Person auf 30Std. reduzieren weil der Gesetzgeber es so vorschreibt wenn die Kk in meine Rente zahlen will. Was das ausmacht ist nicht klar erst wenn Regelaltersrente. Ob diese Erhöhung es ausgleicht wo ich auf 25% Lohn verzichtet habe? Dann sollen wir länger arbeiten aber keiner sagt wieviel Jahre! Ich konnte jetzt nach 48,5 Jahren mit 64/4 gehen bei 40Wstd, wo zusätzlich noch weit über 500 Sa und So dazukommen. Was heist eigentlich Fachkräftemangel wegen Babyboomer? Da wird eigentlich keine Jahreszahl erwähnt wie wäre es mit 1951-1969.

    Antworten (1)
    • Da.Roedag 26.01.2026, 14:31 Uhr

      Pflege-Rentenpunkte werden grundsätzlich bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze durch die Pflegekasse erworben und fließen mit dem Rentenbeginn (auch bei vorzeitigem Renteneintritt) in die Rentenberechnung ein.

Weitere Themen

Mehr Nachrichten