Plakate mit der Aufschrift "Nein! zu Olympia" werben im öffentlichen Raum gegen eine Olympiabewerbung,

Olympia und Köln Was bedeutet das Hamburger "Nein" für Rhein-Ruhr?

Stand:

Hamburg muss mal wieder eine Olympia-Bewerbung zurückziehen. Hilft das der Bewerbung für Köln-Rhein-Ruhr?

Wie schon 2015 scheitert Hamburg am Ende am Votum der Menschen in der Hansestadt. Auch dieses Mal sagen die Bürger und Bürgerinnen mehrheitlich "Nein" zu olympischen Spielen in der Hansestadt.

Anscheinend ist die Idee Olympischer Spiele in der Stadt mehrheitlich unbeliebt. Zwar würden - das zeigen Umfragen - die Menschen in Hamburg Olympia in Deutschland begrüßen. Aber eben nicht bei sich direkt vor Ort.

Ein Wettbewerber weniger

Rein mathematisch gesehen steigert das Aus der Hamburger Bewerbung die Chancen für Köln-Rhein-Ruhr beachtlich. Statt drei Herausforderer bleiben für NRW "nur" noch München und Berlin als Gegner übrig.

Ob aber tatsächlich die Chancen gestiegen sind? Ganz klar beantworten lässt sich das nicht. Hamburg war schon von vor der Abstimmung als Wackelkandidatin auserkoren gewesen. Es gab eine deutlich größere Opposition gegen die Spiele als bei den Volksabstimmungen in München und in den 17 Kommunen für Rhein-Ruhr.

DOSB-Chef nennt Ergebnis "frustrierend"

Das zeigt sich vor allem an der Wahlbeteiligung. In Hamburg ging jeder zweite Mensch zur Wahl, in NRW dagegen nur ein Drittel der Leute. München lag dazwischen. Es spricht dafür, dass in Hamburg die Gegner besser mobilisieren konnten.

Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sitzt bei einem Pressegespräch.

DOSB-Chef Otto Fricke

"Für uns ist das ein bisschen frustrierend", sagt Otto Fricke dem NDR. Der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) surfte zuletzt auf der Erfolgswelle. In allen Städten, in denen man zuletzt die Menschen nach Olympia fragte, stimmten die Menschen für Olympia. Nur in Herten scheiterte man an der Mindestbeteiligung, nicht an der positiven Zustimmung.

Genau in Letzterem liegen aktuell mehr Probleme für die Kölner Bewerbung als Chancen durch den Hamburger Rückzug. Noch ist nämlich nicht klar, wer für Herten beim Mountainbike einspringt. Auch Fragen zur Gestaltung des Olympischen Dorfes müssen noch beantwortet werden.

Finale Bewerbung muss bis Freitag vorliegen

Spätestens Donnerstag weiß die Öffentlichkeit dazu aber mehr - die finale Bewerbung muss bis zum 04.Juni eingereicht werden. In ihr muss auch das Verkehrskonzept Nordrhein-Westfalens dargelegt werden - sollten nämlich die Spiele bereits 2036 nach Deutschland vergeben werden, hätte NRW gerade hier noch viel zu tun.

Beobachter rechnen mit einerm Zweikampf zwischen Rhein-Ruhr mit Köln als Ankerstadt sowie München. Am 26. September entscheiden die Sportverbände bei der DOSB-Mitgliederversammlung wer beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) antreten darf.

Hört man sich unter den Verbänden um, gibt es eine gewisse Unentschiedenheit. "Das regionale Konzept von Rhein-Ruhr ist schon ganz cool", sagt es ein Vertreter eines großen Verbandes. Aber - er wisse nicht, ob man sich nicht besser mit einer einzigen Großstadt beim IOC bewirbt.

14 Millionen Tickets bei Köln-Rhein-Ruhr

Beide Konzepte vertreten nämlich unterschiedliche Denkschulen. Einmal ist da das klassische Konzept Münchens. Eine Stadt, die Olympische Spiele ausrichtet, wie man sie kennt. Oder eben Rhein-Ruhr, wo Köln zwar das Zugpferd sein soll, jedoch das Ganze über zahlreiche Großstädte verteilt ist, wie bei einem großen Fußballturnier.

Nahezu jeden, den oder die man fragt, verweist am Ende auf das IOC. Das steht mit der Marke "Olympia" im internationalen Wettbewerb mit Events wie Super Bowl, Fußball-WM oder dem Cricket World Cup. Womit man sich die besten Geschäfte verspricht, das bekommt auch dem Zuschlag.

14 Millionen Tickets in NRW wären da ein gutes Verkaufsargument - diese Zahl erwähnt Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) immer wieder. Bei Olympischen Spielen waren niemals so viele Karten im Verkauf - Tickets, die vor allem zu großen Teilen auch noch erschwinglich sein sollen.

Die Weltlage kann Olympia schnell nach Europa bringen

Jedoch birgt diese große Zahl auch Gefahren. Bilder von halbleeren Hallen, weil einzelne Wettbewerbe - wie das Schwimmen auf Schalke - nur bei Final-Wettkämpfen attraktiv sind, will das IOC natürlich auch nicht. Ein weiteres Argument gegen Rhein-Ruhr wäre das Risiko, etwas Neues zu wagen. Angesichts der Weltlage tut sich das IOC zum Beispiel schwer, Oympia in den arabischen Raum zu vergeben, was für 2036 lange als sicher galt.

So kommen die klassischen Spielorte wieder ins Rennen, solange Indien noch zögert. Diese Suche nach Verlässlichkeit spräche - wenn man bereits in zehn Jahren wieder nach Europa will - für Deutschland. Und dann am Ende genau für den Wettbewerber, der ein eher bekanntes Konzept verfolgt. Und das will Köln-Rhein-Ruhr eben nicht sein.

Daher bleibt das Rennen vorerst offen, ob sich Rhein-Ruhr interantional gegen die wahrscheinlichen Wettbewerber Europas aus Budapest und Istanbul bewerben kann. Wissen wird man es erst im September, wenn die Sportverbände des DOSB ihre Stimme abgeben werden.

Was bedeutet das Olympia-Aus von Hamburg für NRW?

WDR 5 Westblick - aktuell 01.06.2026 05:07 Min. Verfügbar bis 01.06.2027 WDR 5

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Unsere Quellen:

  • Interview mit DOSB-Chef Fricke
  • Eigene Recherche
  • Hamburger Olympiaentscheid
  • Staatskanzlei NRW

Sendung: WDR 5 Westblick, NRW nach dem Hamburger Olympia-Aus, 01.06.2026, 17:05 Uhr

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